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Ich zelebriere das Leben mit den neuen Songs – Diagrams im Interview

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Vielfältig, bunt und bloß nicht langweilig. Hat Sam Genders alias Diagrams da schon mit dem Albumtitel seines zweiten Solo-Werks „Chromatics“ ein wenig versucht, diesem musikalischen Anspruch gerecht zu werden? Die neuen Songs streben jedenfalls mit viel Eifer in genau diese Richtung. Deutlich unbeschwerter und mit einer positiv gestimmten Grundhaltung ausgestattet, lässt sich Genders auf den kreativen Pakt mit dem Optimismus ein und blickt ungetrübt auf das komplexe Beziehungsschlachtfeld, das sich vor seinen Augen ausbreitet und das zentrale Thema des Albums darstellt. Im Vieraugengespräch mit uns gibt er offen zu, dass das Musikerdasein, ebenso wie eine Beziehung, kein Zuckerschlecken ist, berichtet von den Erfahrungen seines China-Aufenthalts und gibt Einblicke in seine Arbeitsphilosophie.

MusikBlog: Blickst du bereits über den Tellerrand, was dein zweites Soloalbum „Chromatics“ angeht oder bist du gedanklich noch zu sehr von der Arbeit daran eingenommen?

Sam Genders: Ehrlich gesagt, schweifen meine Gedanken schon etwas darüber hinaus. Ich würde gerne weiterhin Alben aufnehmen, aber es ist eine ziemliche Herausforderung, vor allem in finanzieller Hinsicht. Kürzlich habe ich angefangen, ein paar Stunden in der Woche Gitarrenunterricht zu geben. Ausserdem habe ich einen Songwriting-Workshop für Kinder abgehalten, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Das sind ebenfalls Sachen, die mir eine Menge Freude machen, aber sie kosten mich auch sehr viel Zeit und Energie, die ich zum Beispiel gerne in eine neue Platte stecken würde. Ich würde gerne eine Balance zwischen beiden Dingen finden, aber es wird sich noch zeigen, wie sich das alles entwickelt. Die Live-Shows können mich unter Umständen etwas Geld kosten. Andererseits kann ich glücklich sein, überhaupt Musik machen zu können.

MusikBlog: Hast du vorher schon einmal als Lehrer gearbeitet oder war diese Erfahrung völliges Neuland für dich?

Sam Genders: Ich kenne mich schon ein wenig aus, was das angeht, denn ich habe bereits vor dem letzten Album vier Jahre an einer Londoner Grundschule gearbeitet, wo ich sehr viel gelernt habe. Als ich anfing, fiel es mir recht schwer, plötzlich ein Lehrer zu sein. Es war aber eine gute Vorbereitung für all das, was ich jetzt mache.

MusikBlog: Worin besteht für dich die persönlich größte Herausforderung, solch kleinen Kindern das Gitarrenspiel beizubringen?

Sam Genders: Für mich besteht die größte Herausforderung darin, ihnen beizubringen, worum es beim Musizieren geht. Ich werde dadurch selbst oftmals erst wieder daran erinnert. Es geht zum großen Teil darum, sich enthusiastisch auf etwas Neues einzulassen und Lernbereitschaft zu zeigen. Ich versuche den Unterricht weitestgehend so zu gestalten, dass alles mit viel Spaß verbunden ist. Ich hatte damals auch einen Lehrer, der mir diese Werte vermittelt hat.

MusikBlog: Wie müssen wir uns deine Person vorab dieser Entwicklungsstufe vorstellen?

Sam Genders: Ich war nie ein besonders selbstsicherer Typ. Das hat sich alles erst im Laufe der Jahre entwickelt. Mittlerweile weiss ich mich aber besser selbst einzuschätzen und fühle mich nicht mehr so verloren. Es war aber ein ziemlicher Lernprozess für mich. Jetzt fühle ich mich mit der Zeit immer besser und fange an, mir deswegen Gedanken zu machen. Ob nun wohl ein Moment kommen wird, in dem ich so zufrieden sein werde, dass ich keine Songs mehr schreiben kann? Ich hoffe, dass das niemals passieren wird! Ich möchte auch niemand sein, der erst eine harte Zeit durchmachen muss, um etwas zu Papier zu bringen. Dann bleibe ich lieber beim Lehrer-Beruf. (lacht)

MusikBlog: Du hast in der Vergangenheit in mehreren Bands gespielt bevor du dich als Diagrams an die Arbeit zu deinen Soloalben gemacht hast. Trägst du – auf deine eigenen Beine gestellt – mehr oder weniger kreative Kämpfe mit dir selbst aus?

Sam Genders: Ich versuche, mich generell nicht allzu sehr unter Druck zu setzen. Mein Eindruck ist, dass ich mich als Künstler in gewisser Hinsicht weniger in Frage stelle seit ich alleine unterwegs bin. Zu meinen Tunng-Zeiten habe ich mich des Öfteren gefragt, ob ich wirklich genug Talent habe oder einfach nur mitten im Strom von talentierten Musikern mitschwimme, was die Band angeht. Ich hinterfrage zwar immer noch viel, was meine eigene Musik angeht, aber nur was ihre Qualität betrifft. Das ist ein Prozess, den ich regelmäßig durchlaufe.

MusikBlog: Welche Aspekte drängen sich dabei besonders in den Vordergrund?

Sam Genders: Ich war vor Beginn der Arbeit an „Chromatics“ recht aufgeregt. Ich hatte nur 20 Tage, um alles zu schaffen, was die Aufnahmen angeht. Ausserdem wusste ich nicht, ob ich mit dem Produzenten zurechtkommen würde. Ich kannte ihn zu dem Zeitpunkt nicht besonders gut. Der finanzielle Aspekt sah ebenfalls so aus, dass ich nicht die Gelegenheit gehabt hätte, zur Not alles noch einmal anders aufzunehmen. Es musste einfach beim ersten Mal stimmen. Auf halber Strecke der Aufnahmen wurde ich dann ruhiger und wusste, dass alles gut ausgehen würde.

MusikBlog: Was hat diesen emotionalen Umschwung bewirkt?

Sam Genders: Ich finde es wichtig, auch eine Menge Songideen zu haben, die mir am Ende nicht gut genug erscheinen. Solche Momente muss es auch geben, sonst kannst du irgendwann nicht mehr definieren, was überhaupt gut ist. Auch wenn es eine zum Teil unangenehme Erfahrung für mich als Künstler ist, brauche ich diesen sichtbaren Entwicklungsschritt in meinem Schaffen. Als Songwriter musst du diesen Zustand akzeptieren und versuchen, wieder dorthin zu gelangen, wo du zufrieden mit deinen Ideen sein kannst.

MusikBlog: Dafür braucht es allerdings auch sehr viel Mut, Ausdauer und ein gewisses Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, oder?

Sam Genders: Definitiv. Viele Künstler sind der Meinung, dass man sich nicht zwingen sollte, besser zu werden. Diese Ansicht teile ich nicht unbedingt. Manchmal kann es von großem Nutzen sein, sich selbst anzutreiben, anstatt die Hände in den Schoß zu legen und auf eine gute kreative Eingebung zu hoffen. Es geht vor allem darum, weiterzumachen. Selten kommt es vor, dass man sofort einen guten Song im Kopf hat und alles vergleichsweise einfach umsetzen kann. Unter Umständen kann auch eine mittelmäßige Idee mit der nötigen Hingabe zu etwas Gutem heranwachsen. Es lohnt sich öfter als man denkt, nicht sofort alles hinzuschmeissen.

MusikBlog: Deine Philosophie enthält dann also eher viel harte Arbeit statt ausschließlich Spaß?

Sam Genders: Ja, das kann man so sagen. Ich sehe die Musik einerseits schon als Job, auch wenn immer alle das Gegenteil behaupten oder sich nur versuchen, auf die angenehmen Aspekte zu konzentrieren. Wenn ich im Studio bin, spielt das zwar auch eine Rolle, aber es gehört für mich eben auch ein hohes Maß an Einsatz, Geduld und harter Arbeit dazu, ein Album auf die Beine zu stellen. Da kommt es schon einmal vor, dass ich bis spät in die Nacht an einem Song feile.

MusikBlog: Was macht „Chromatics“ bzw. die Farbenlehre so reizvoll für dich aus musikalischer Sicht?

Sam Genders: Mir gefällt die Idee der Farbenlehre in Kombination mit der Musik, daher ist der Titel „Chromatics“ für mich mehr als nur ein schönes Wort. Es bedeutet für mich ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Vielfältigkeit steht dabei an erster Stelle. Das Leben ist auch facettenreich, warum sollte die Musik das nicht widerspiegeln? Innerhalb dieses Kontextes zelebriere ich das Leben mit den neuen Songs, wenn man es so will.

MusikBlog: Vor nicht allzu langer Zeit hast du London den Rücken gekehrt und hast deinen bisherigen Wohnort gegen Sheffield eingetauscht. Hatte das auch kreative Gründe?

Sam Genders: In London fühlte ich mich irgendwann etwas eingeengt. Durch meinem Umzug nach Sheffield kann ich nun befreiter meinen musikalischen Interessen nachgehen. Ich habe nun sogar einen eigenen Musikraum, in dem ich kreativ sein kann, wann ich immer ich Lust dazu habe. So kann ich tagelang an Songs arbeiten, ohne gestört zu werden, was fantastisch ist. Besonders in Hinsicht auf „Chromatics“ habe ich dadurch einen Sprung nach vorne gemacht und eine ideale Ausgangslage geschaffen. Sheffield ist ein guter Ort, der eine friedliche und angenehme Atmosphäre ausstrahlt. Ich glaube daher schon, dass mein Umzug einen großen Einfluss auf meine neuen Songs hatte.

MusikBlog: Wie würdest du die Musikszene in Sheffield einschätzen? Hattest du schon Gelegenheit, dich mit ihr vertraut zu machen?

Sam Genders: Es geht einiges in Sheffield, was die Musik angeht. Die Szene dort ist sehr lebhaft. Natürlich gibt es die Lokalmatadoren wie Pulp oder die Arctic Monkeys, die als Sinnbild der Stadt angesehen werden. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, ganz und gar in die Szene einzutauchen, aber ich weiss, dass all die guten Dinge, die damit verbunden sind, nur einen Steinwurf von mir entfernt sind. Die meiste Zeit vor Ort habe ich bisher damit verbracht, mein neues Album fertigzustellen.

MusikBlog: Bist du generell jemand, der sich gerne zurückzieht und lieber an Songs werkelt als die Live-Erfahrung sucht?

Sam Genders: Es gibt Künstler, die lieber auf der Bühne stehen und andere, die eher die Songwriter-Ecke füllen. Ich gehöre zum letzteren Teil, wenn ich mich selbst einschätzen müsste. Mit Diagrams will ich vor allem als Songwriter wachsen. In der Zukunft könnte ich mir aber auch vorstellen, als reiner Songwriter für andere Musiker zu arbeiten.

MusikBlog: Im Rahmen des „British Council’s Musicians in China Residence Programmes“ warst du ein paar Wochen in China unterwegs. Mit welchen Eindrücken bist du zurückgekehrt?

Sam Genders: Die Reise nach China war eine sehr spontane Angelegenheit. Es gab so gut wie keine konkreten Pläne. Weder Konzerte noch Musiker wurden vorab gebucht, was zur Folge hatte, dass der Trip sehr aufregend, aber auch anstrengend war. Als ich mich aber damit abgefunden hatte, dass nichts so laufen würde, wie ich es mir vielleicht vorgestellt habe, wurde ich ruhiger und konnte die Erfahrung genießen. Im Nachhinein war es ein großer Vorteil, dass nichts auf dieser Reise vorhersehbar war. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Viele Künstler bevorzugen es, im Jetzt-Zustand zu leben und alles auf sich zukommen zu lassen und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich das wahrhaft nachvollziehen. Dieser Zustand hat mich auch bei der Arbeit an „Chromatics“ geprägt. Ich war weitaus befreiter als noch auf meinem Debüt, was meine eigene Einstellung alle Abläufe bis zur Fertigstellung angeht.

MusikBlog: Hattest du die nötige Zeit, vor Ort auch die chinesische Musikkultur, zumindest ansatzweise, kennenzulernen?

Sam Genders: Ja, zum Glück! Ich habe während meiner Zeit ein paar sehr schöne Orte gesehen. Phoenix war eine Stadt davon. Der Regisseur von Kung Fu Panda war sogar so sehr von ihr angetan, dass er sie zu Inspirationszwecken für den Film nutzte. Tradition spielt dort eine große Rolle, aber es gibt auch diesen sichtbaren modernen Aspekt einer Großstadt. Ich werde mich wohl mein ganzes Leben lang an den Abend erinnern, an dem ich mitten auf einer Kreuzung stand und spontan Songs für rund dreihundert Leute gespielt habe. Fast jeden Tag findet dort ein solches musikalisches Happening mitten auf der Straße statt, inklusive einer schrecklichen Karaoke-Lautsprecheranlage. Fünf bis sechs Musiker und auch Schauspieler geben sich in diesem Rahmen jeweils die Ehre. Ich habe mir vorher fast in die Hosen gemacht, weil ich so aufgeregt war, dort aufzutreten. Es ging alles so schnell und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, mitzumachen. Ich bin aber froh, dass ich für diesen Moment Teil dieser Gruppendynamik war.

MusikBlog: Gibt es noch andere Länder, die du gerne musikalisch erforschen wollen würdest?

Sam Genders: Ich stelle es mir sehr interessant vor, tiefer in die südamerikanische Musikkultur einzutauchen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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