Kitty, Daisy & Lewis – The Third

Wie oft kann man noch das altbewährte Bluesschema zu vielgehörtem Beziehungsgeplänkel auf- und abspielen, ohne wieder an bereits markierte faule Bäume zu pinkeln? Kitty, Daisy & Lewis lassen uns wieder das Bein heben, schon ein drittes Mal: zum ausgelassenen Tanz. Verfechter der handgemachten Analogkunst, der Schwingerei eingerosteter Hüften, der Pomade-Frisuren schlechthin: Das Geschwistertrio aus den britischen Gefilden ist zurück.

Das wohl schwerwiegendste Problem der Durhams ist der undankbare Umstand, schlichtweg runde 60 Jahre zu spät auf die Musikwelt gekommen zu sein. So sind sie mit ihrer Musik in eine Reihe einzugliedern, deren Anfangskomponenten nur mit Ehrfurcht, schon gar nicht mit einer Vergleichbarkeit bestaunt werden. Und doch zeigt sich mit “The Third” einmal mehr, wenn nicht einmal mehr denn je: Kitty, Daisy & Lewis sind ebenfalls der Sorte milden Pfeffers im Arsch Presleys und Co zuzuordnen, welcher in seinem sagenumwobenen Hüftschwung mündete und den Geschwistern eine generationsübergreifende Publikumsschaar sicherstellen dürfte.

Mit der dritten Scheibe Musik bleiben die Briten nicht nur ihrer Familien-, sondern auch ihrer Musiklinie treu. Nette Kontrabasslinien geben lieblichen Schwingmelodien ein Gefüge, welches von einfacher, aber effektiver Schlagzeugbegleitung in Zaum und von akzentuiertem Gitarrengedudel eingerahmt wird. Neu kommt hinzu: das vermehrte Blasen und Streichen. „Turkish Delight“ wartet etwa mit einem angenehmen, von Bläsern getragenen Reggae-Beat auf, der mittels einer Vielzahl anmutig-gezogener Streicher schnell in eine scheinbare Broadway-Nummer kippt und das Bild eines feinen, über die herzliche Liebe singenden Dreadlocks-Dornröschens gibt.

Dabei: alles fein handgemacht, alles analog. Und das hört man – nicht nur mit ganz viel Augenkneiferei. Einfache Ideen, simple Umsetzung: Die Akzente sitzen, das Timing stimmt. Ob nun durch schmissige Piano-Akkorde („Whenever You See Me“) oder einprägsame HüHopp-Hooks („It Ain’t Your Business“): Der schmucklose, direkte und sich des Diventums entkleidende Gesang eines jeden Durham-Drittels trägt immens zur Lockerheit eines Albums bei, welches sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Und doch tritt eine weitere undankbare Chose des Zu-spät-geboren-seins auf: So werden etwa Vergleiche mit The Baseballs und Konsorten laut. Ungerechtfertigt! Weder sind Kitty, Daisy & Lewis auf Permanent-Collegejacken angewiesen, um ihre Stil-Zugehörigkeit zu unterstreichen, noch machen sie von Ideen anderer in unerhörtem Maße Gebrauch. Sie beweisen, dass es noch mehr Ideen zur Ausschmückung des Kadenzgedudels althergebrachter Melodiephrasen gibt; Eben noch mehr Bäume, die es anzupinkeln gilt.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Wir unterstützen die lokalen Musikszenen und vor allem kleinere Bands und Nachwuchs-Künstler*innen. Hilf auch du uns dabei mit einem kleinen monatlichen Beitrag.