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Errors (Credit Rock Action Records)

Errors – Lease Of Life – Die Schotten tanzen

Das aus Glasgow stammende Trio Errors ist beim Label Rock Action von den musikalisch gleichgesinnten Kollegen Mogwai unter Vertrag, obwohl sie doch ein wenig lebendiger und nicht so gediegen daherkommen wie ihre Landsleute. Die Umschreibung der Arbeitsweise von Errors kann schon als Archaismus deklariert werden. Bei solchen Vorzeichen hat das Unternehmen Pop eh vorab gekündigt und man muss auf „anstrengende“ Musik gefasst sein.

Insofern überrascht die Abseitigkeit von „Lease Of Life“ keinesfalls. Das Trio aus Glasgow betritt in gewohnter Manier das Parkett: Dekontextualisierte Materialien aus der Unterhaltungsbranche und die Ausbeute eines Raubzugs in der Spielzeugwarenabteilung bilden abermals das Instrumentarium. Kalkweißer, geschlechtsloser und nihilistischer kann Musik kaum sein. Errors drechseln flatterleichte Melodien, die den Hörer dazu noch aufs Parkett bitten. Ist der Gashebel erst mal bis zum Anschlag gedrückt, fließen Gitarrenfeedbacks und Keyboardsounds rauschend ins Gehör.

Allein schon der Anfang: „Colossal Estates“ inszeniert subtil, aber unaufhaltsam weißes Rauschen, kippt dann in einen Rhythmustrack mit wunderschönem Chorgesang um und borgt sich für das, was woanders Refrain heißen würde, grelle Neon-Keyboards. In wenigen Minuten von einer Aufwärmübung zur kosmischen Elektronik-Pionier-reifen Leistung. Doch das war nur die durchrüttelnde Eröffnung. Es folgen entkernte LCD-Soundsystem-Sequenzen auf der Single „Lease Of Life“ mit einer spacigen Odyssee im Kraut-Rock, dabei nur knapp am Trümmerbruch auf dem Tanzboden vorbei schrammend. Zum Schluss bringt uns „Through The Knowledge Of Those Who Observe Us“ eine drängende synthetische Melodie und jagt alles mit hämmerndem Drum-Getöse in die Luft.

Es war ja klar, dass Errors nicht lange der Versuchung widerstehen können, sich an Knarz-Attacken, rhythmisch fiependen Rückkopplungen und atemlos durch die Distortion geschickten Stimmfetzen zu zerreiben – und ihre helle Freude daran zu haben. Auch wenn „Lease Of Life“ nach 53 Minuten vorbei ist, hallen einem die Sounds immer noch danach im Ohr, ja sie verfolgen einen fast schon regelrecht.

Errors emulieren Electronic Music, ohne auch nur in die Versuchung zu geraten, an virtuellen Knöpfchen zu drehen. Jeder dieser neun Tracks schleicht sich im Tarnanzug des eklektischen Spurschichtwerks in Ohr und Magen, um immer wieder neu einen sexy Stripdown auf’s Synth-Gerüst hinzulegen. Ähnlich wie die Matherocker Battles rücken Errors allzeit das Geräusch in den Vordergrund. Live dürfte es bei diesem Schaulaufen der Effektgeräte extrem physisch zugehen. Als Studioversion können einem die Stücke leider nicht hundertprozentig einheizen, sondern verursachen vorerst nur kalten Schweiß. Diese Musik muss einem live ins Ohr geflößt werden.

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