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Wer will sich schon mit Verlustgedanken beschäftigen – Karin Park im Interview

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Karin Park bezeichnet sich gerne als das schwarze Schaf des Pop. Unangepasst, rebellisch und stets für eine Überraschung gut; so kennt man die schwedisch-norwegische Sängerin, die in ihren heimatlichen Gefilden schon seit Jahren auf Händen getragen wird. Doch Karin Park will mehr. Mit der Single „Human Beings“ aus ihrem neuen Album „Apocalypse Pop“ will die Songwriterin via ESC in die große weite Welt. Doch es klappt nicht. In Norwegen entscheidet man sich für einen anderen Songbeitrag, der das Land in Wien beim großen ESC-Finale vertreten soll. Traurig? Enttäuscht? Gar wütend? Wir verabredeten uns mit Karin Park und erkundigten uns nach ihrem aktuellen Gemütszustand.

MusikBlog: Hi Karin, du wolltest mit deiner neuen Single „Human Beings“ in Wien groß auftrumpfen. Nun fahren die Kollegen Kjetil Morland und Deborah Scarlett nach Österreich. Wie schwer wiegt die Enttäuschung?

Karin: Der Moment nach der Entscheidung war schon ziemlich hart. Mittlerweile sehe ich das Ganze aber ziemlich entspannt. Ich hätte mich gefreut, wenn der Song doch ein größeres Publikum erreicht hätte. Aber es sollte nicht sein. Ich sage mir immer: Alles im Leben ist immer für irgendetwas gut. Auch wenn’s mal weh tut.

MusikBlog: Schon Näheres herausgefunden?

Karin: Ich denke, dass es meiner grundsätzlichen Karriere nicht schaden wird. Eher im Gegenteil.

MusikBlog: Inwiefern?

Karin: Nun, es ist ja kein Geheimnis, dass man es als ESC-Teilnehmer nicht so leicht hat. Es wird einem schnell die Daseinsberechtigung als ernstzunehmender Künstler entzogen. Meist baden die Teilnehmer nur für einen begrenzten Zeitraum im Erfolg. Danach hört man nichts mehr von ihnen. Es ist halt eine pure Mainstream-Veranstaltung. Ich bin jetzt schon seit so vielen Jahren mit Leidenschaft und Herzblut bei der Sache. Die Leute nehmen mich und meine Musik ernst. Das hätte sich nach einer Teilnahme in Wien vielleicht geändert. Ergo: Alles gut, so wie es ist. (lacht)

MusikBlog: Dir waren diese ganzen vermeintlich negativen Begleiterscheinungen aber doch schon im Vorfeld bewusst, oder?

Karin: Ja, natürlich. Ich hatte ja bereits vor zwei Jahren schon einmal ein Song von mir („I Feed You My Love“) ins ESC-Rennen geschickt. Diesmal habe ich aber alles Schlechte irgendwie ausgeblendet. Es ging mir nur um den Song.

MusikBlog: Ein Song, auf dem du ein düsteres privates Kapitel verarbeitest.

Karin: Ja, bei meinem Freund wurde letztes Jahr Krebs diagnostiziert.

MusikBlog: Wie geht es ihm heute?

Karin: Oh, es geht ihm mittlerweile wieder gut. Alle Behandlungen haben angeschlagen. Der Krebs ist weg. Es ist nichts übrig geblieben.

MusikBlog: Das freut mich. Gestatte mir aber die Frage, warum du gerade einen der intimsten Momente deines Lebens mit über 300 Millionen Fernsehzuschauern teilen wolltest?

Karin: Das ist eine gute Frage. (lacht) Dazu muss man wissen, dass es in dem Song nicht explizit um meinen Freund geht. Die Krebsdiagnose war eigentlich „nur“ der Anstoß. Es geht um das große Ganze. Um das Leben. Der Song soll die Menschen daran erinnern, um was es im Leben eigentlich wirklich gehen sollte.

MusikBlog: Und das wäre?

Karin: Das Bewusstsein für den Moment.

MusikBlog: Denn im nächsten Moment könnte alles vorbei sein?

Karin: Genau. Als der Krebs kam, wussten wir eine ganze Weile nicht, ob wir das schaffen werden. Ich wusste nicht, ob mein Freund überleben wird. Dieses Gefühl macht ohnmächtig, traurig und wütend. Alles vermeintlich Wichtige rückt plötzlich in den Hintergrund. Es entsteht eine Art Mikrokosmos, in dem nur das Hier und Jetzt eine Rolle spielt. Für jemanden wie mich, der Tag und Nacht damit beschäftigt ist, seine chaotischen Gedanken und Gefühle zu sortieren, war das alles andere als einfach. Man hat aber keine Wahl. Man wird geleitet. Ob man will, oder nicht.

MusikBlog: Wolltest du denn?

Karin: Zuerst baut man natürlich eine Blockade auf. Wer will sich schon mit Verlustgedanken beschäftigen? Es hat aber nicht lange gedauert. Das Gefühl, alles trotzdem irgendwie hinzukriegen, verschwindet sehr schnell, wenn man dem Tod ins Auge sieht.

MusikBlog: Hast du noch andere Optionen in der Hinterhand, die den Song mitunter auf eine etwas größere Reise schicken könnten?

Karin: Nichts Konkretes. Ich hoffe, dass er auch als einfacher Bestandteil des Albums seinen Weg gehen wird.

MusikBlog: Durchaus möglich. Meiner Meinung nach setzt „Apocalypse Pop“ deinem bisherigen Schaffen die Krone auf. Bist du bereit für den großen Wurf?

Karin: Ich denke schon. Die Frage, die ich mir eher stelle ist: Ist die Welt bereit für mich? (lacht)

MusikBlog: Was lässt dich daran zweifeln?

Karin: Man muss sich doch nur umsehen. Es gibt nicht mehr viele Künstler, die deswegen geadelt und hofiert werden, weil sie ihr Ding durchziehen. Erfolgreich ist, wer kein Problem damit hat, sich verbiegen zu lassen. Ich lasse mich aber nicht verbiegen. Ich gehe meinen Weg; komme was da wolle. Mir ist es wichtig, mit mir und meinem Tun im Reinen zu sein. Und das bin ich. Nur das zählt. Ich habe mich erst neulich wieder in das Album „Angel Dust“ von Faith No More verliebt. Das ist beispielsweise eine Band, die sich nie hat manipulieren lassen. Das hört man auch auf dem Album. Tolle Typen!

MusikBlog: Mit Faith No More hätte ich jetzt nicht unbedingt gerechnet. Ich denke bei deinen Alben – in punkto Inspiration – immer eher an Bands wie Depeche Mode

Karin: Oh ja, du bist ein guter Zuhörer (lacht). Ich liebe Depeche Mode. Auch eine Band, die immer ihr Ding durchgezogen hat.

MusikBlog: Du hast ja erst vor kurzem mit Guy Chambers (Robbie Williams, Tom Jones) zusammengearbeitet. Große Namen scheinen dich demnach nicht abzuschrecken. Wie wär’s mit einem Dave Gahan-Duett?

Karin: Das wäre natürlich großartig (lacht). Wenn man doch nur mit dem Finger schnippen müsste…

MusikBlog: Welchen Traum würdest du dir dann noch erfüllen?

Karin: Ich würde bei den Bad Seeds einsteigen. Und zwar sofort!

MusikBlog: Nick Cave?

Karin: Ja, einer meiner absoluten Helden.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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