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Pool (Credit Pascal Bünning)

Diese Nüchternheit ist wie eine neue Droge für uns – Pool im Interview

Drei junge Männer baden in einem Meer aus kunterbunten Marshmallows. Dabei tragen sie stylische Anzüge in den Farben Babyblau, Rosa und Gelb. Sofort schießen einem folgende Gedanken durch den Kopf: Sind One Direction nur noch zu dritt? Oder hat das totgeglaubte Casting-Format namens „Popstars“ heimlich eine neue Boygroup aus dem Boden gestampft? Die drei Hamburger von Pool werfen sich auf dem Cover ihres Debütalbums „Snacks & Supplies“ wahrlich zum Fraße vor. Wer sich allerdings mit der Musik der drei Newcomer aus der Hansestadt beschäftigt, der wird schnell feststellen, dass es sich bei „Snacks & Supplies“ um ein klassisches „Außen pfui, innen hui“-Produkt handelt. Musikalisch macht den Jungspunden nämlich so schnell keiner was vor. Detailverliebt arrangierter Indie-Pop mit Elektro-Anleihen: Daniel Husten, Nils Hansen und David Stoltzenberg alias Pool haben den Dreh raus. Und außerdem: Sollte sich eine Band, die dermaßen optimistische Soundlandschaften unter’s Volk streut, in tiefschwarzer Garderobe und mit grimmigem Blick präsentieren? Ergo: Deckel drauf und gut is‘. Passt schon. Was sonst noch passt, oder auch nicht, verrieten uns die drei Pool-Boys im Interview.

MusikBlog: Ihr seid gerade unterwegs. Die erste große Headliner-Tournee. Wie läuft’s denn bisher so?

Daniel Husten: Großartig. Es fühlt sich eigentlich an wie Urlaub. Wir sitzen hier in einer Autobahnraststätte in Bayern und haben bereits zwei richtig geile Abende hinter uns. Was will man mehr?

MusikBlog: Läuft also alles wie am Schnürchen?

Daniel Husten: Ja, so ziemlich.

Nils Hansen: Naja, perfekt läuft’s noch nicht. Wir hatten beispielsweise vorgestern noch zwei Songs am Start, die aufgrund technischer Probleme mehr oder weniger im Dunkeln präsentiert wurden. Gestern war dann aber auch die Light-Show komplett am Laufen. Das sind halt so kleine Dinge, die sich erst einmal einspielen müssen. Aber ansonsten passt alles wunderbar. Die Leute sind gut drauf, wir sind gut drauf. Alles tutti.

MusikBlog: Ihr ja bereits viel Support-Erfahrungen sammeln können. Was stellt für euch denn die größere Herausforderung dar? Ein fremdes Publikum auf eure Seite zu ziehen? Oder die hohen Erwartungen der eingefleischten Fans zu erfüllen?

David Stoltzenberg: Das hält sich so die Waage, finde ich. Man steht bei beiden Optionen in der Verantwortung. Zum einen hat man die Möglichkeit, vor einem großen Publikum den einen oder anderen von seiner Musik zu überzeugen. Das spornt natürlich an. Auf der anderen Seite hat man Leute, die nur dich sehen wollen, und die Geld und Zeit investiert haben, um das zu bekommen, was sie erwarten. Das spornt natürlich auch an.

MusikBlog: Lässt aber auch Druck entstehen?

Nils Hansen: Ja, auf jeden Fall. Auf einer eigenen Tour hat man einfach wesentlich mehr zu verlieren.

Daniel Husten: Ich find‘s auch körperlich anstrengender. Wir spielen jetzt erstmals eine ganze Stunde am Stück. Das geht schon ganz schön in die Knochen. Aber wie gesagt: Eigentlich fühlt sich alles gerade an wie Urlaub. (lacht)

MusikBlog: Urlaub unter Freunden.

David Stoltzenberg: So in etwa. (lacht)

MusikBlog: Ihr kennt euch schon seit Schulzeiten, macht zusammen Musik, und wohnt auch gemeinsam unter einem Dach. We’re a happy family?

David Stoltzenberg: Nicht immer. Aber meistens. Eigentlich sollte man ja Privates und die Arbeit strikt voneinander trennen. Aber bei uns läuft halt irgendwie alles ein bisschen anders. Wir haben jetzt in Berlin festgestellt, dass wir uns seit zehn Jahren jeden Tag gesehen haben. Das ist schon ziemlich heftig, aber auch cool. Wir sind sogar so dicke miteinander, dass es uns manchmal schon ein bisschen nervt, fast nur noch zusammen „zu arbeiten“. Ich glaube, wenn wir die Band nicht hätten, dann würden wir privat noch viel mehr gemeinsam unternehmen. Aber das ist jetzt natürlich Jammern auf allerhöchstem Niveau. So wie es ist, ist es schon geil.

MusikBlog: Ihr habt ja aber auch noch eure obligatorischen zehn Sommertage in Schweden. Da soll’s ja so ein Ferienhaus geben, in dem ihr jedes Jahr Fünfe gerade sein lasst. Oder wird dort mittlerweile auch „gearbeitet“?

Daniel Husten: Da wird auf jeden Fall auch gearbeitet, na klar. Aber halt ein bisschen chilliger, mit weniger Druck. Der Titelsong unseres Albums ist übrigens in dieser Hütte entstanden. Da kann ich mich noch gut dran erinnern.

Nils Hansen: Das glaube ich dir. (lacht)

MusikBlog: Erzähl doch mal.

Daniel Husten: Naja, ich war halt total stoned und hab an einigen Beats geschraubt, als Nils irgendwann reinkam und ein paar Sachen auf der Gitarre dazu gespielt hat. Das dauerte dann nicht lange. Und schon hatten wir das komplette Instrumental von dem Song im Kasten. So geht’s eben manchmal.

MusikBlog: Oh, einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Da müsste ich jetzt ja eigentlich sagen: Hör bloß nicht auf zu kiffen…

Daniel Husten: Ha, schon passiert. Ich kiffe jetzt schon seit ’nem halben Jahr nicht mehr. Und ich kann dir sagen: Es fühlt sich großartig an. (lacht) Diese Nüchternheit ist wie eine neue Droge für mich. Ich vermisse nichts. Ganz im Gegenteil. Diese Fülle an Bewusstsein…herrlich.

MusikBlog: Dann bin ich ja beruhigt. Lasst ihr denn nach der Album-Veröffentlichung und der Tour erst einmal alles ein bisschen sacken? Oder steht schon Neues auf dem Plan?

Nils Hansen: Wir haben uns für dieses Album extrem viel Zeit genommen. Das war auch gut so. Mit dem zweiten Album wollen wir aber nicht so lange warten. Vorher arbeiten wir aber noch an ein paar anderen Sachen. Im Mai wird beispielsweise ein neues Video gedreht. Dann basteln wir auch noch an einer Akustik-EP, die hoffentlich im Sommer fertig sein wird. Wir wollen auch in punkto Remixe noch einiges an den Start bringen. Also es stehen einige spannende Projekte an. Das war uns auch enorm wichtig nach dieser langen fokussierten Arbeit. Wir wollten uns gleich wieder in die Arbeit stürzen. Manchmal werden die Dinge sonst auch zu verkopft, wenn man sich zu lange Zeit nimmt. Wir haben momentan so viele Ideen im Kopf. Das muss alles raus. Wir wollen nichts übers Knie brechen. Wir wollen uns aber auch nicht selbst im Wege stehen.

MusikBlog: Klingt nach einem guten Plan.

Nils Hansen: Absolut. Mein Gott, wir sind alle Anfang zwanzig. Ausruhen und die Dinge sacken lassen können wir auch später noch.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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