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Es ist fast schon wie ein Fluch – Mew im Interview

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Eigentlich eine Geschichte wie aus dem Indie-Märchenbuch. Vier Jungs lernen sich als Kinder kennen und werden zu dicken Kumpels. Ein paar Jahre später -1994- gründen sie dann zusammen eine Band und reisen schließlich als Dänemarks erfolgreichste Indie-Band jahrelang rund um den Planeten. So weit so schön. Einen Riss in Mew‘s eingespieltem Bandgefüge gab es allerdings 2006. Bassist Johan Wohlert wurde Vater und fand, dass Tour- und Familienleben nicht unbedingt eine ideale Kombination ergeben. Nach seinem Abschied nahmen Mew als Trio 2009 noch das Album „No More Stories…“ auf und tourten damit ziemlich ausgiebig durch die Gegend. Danach schien es allerdings erst mal so, als sei bei den Dänen ein wenig der Dampf raus. Bis sich dann im März mit der Single „Satellites“ das sechste Album „+-“ ankündigte. Überraschenderweise wieder mit Johan Wohlert am Bass. Wir sprachen mit Sänger, Keyboarder und Gitarrist Jonas Bjerre über das Album, melancholische Musik, Wiederbegegnungen, ihre lange Freundschaft und ein paar andere erbauliche Sachen. Og der du går! Oder so.

MusikBlog: Sechs Jahre zwischen zwei Alben sind eine lange Zeit. Die offensichtliche Frage natürlich als erstes: Was habt ihr in den letzten Jahren so gemacht?

Jonas Bjerre: Kurz gesagt, waren wir mit unserem letzten Album sehr viel und sehr lange unterwegs. Danach haben wir beschlossen, mal eine Pause einzulegen. Das hatten wir vorher noch nie gemacht, denn wir steckten immer in diesem Album/Tour-Turnus. Jeder von uns hat in dieser Zeit ein paar andere Dinge getan. Ich habe zum Beispiel den Soundtrack zu einem Film geschrieben. Und dann haben wir uns ganz langsam daran gemacht, herauszufinden was wir als nächstes für eine Platte machen wollen.

MusikBlog: Das klingt eigentlich nach einer recht entspannten Situation, ein neues Album anzugehen. Aber andererseits sind sechs Jahre in der Musik natürlich auch eine lange Zeit. Ich stelle es mir nicht so einfach vor, dann wieder einen Ansatz zu finden, der der eigenen Bandgeschichte und den Hörerwartungen gerecht wird, aber trotzdem nicht nach „Auf der Stelle treten“ klingt.

Jonas Bjerre: Es war schon damals schwierig, als wir „No More Stories…“ gemacht haben. Mit Johan fehlte uns ein Bandmitglied, das von Anfang an mit dabei war. Aber wir sagten uns „Ok, wir ziehen das jetzt durch“. Aber es war nicht so einfach, ohne ihn die Songs zu schreiben. Wir haben es trotzdem geschafft, eine richtig gute Platte zu machen. Ich mag sie wirklich. Als wir dann mit “+ -„ anfingen, fühlte es sich allerdings schon ein wenig so an wie „Hm, ich mache das Gleiche wie beim letzten Mal. Ich sitze am Keyboard und versuche ein paar Akkorde aneinanderzuhängen“. Aber uns nur zu wiederholen und nach der gleichen Methode zu arbeiten, war eigentlich nie das, worum es in unserer Band ging.

MusikBlog: Und wie kam es dann dazu, dass Johan wieder zurück zur Band kam?

Jonas Bjerre: Als unser Producer Michael Beinhorn nach Dänemark kam, merkte er, dass wir ein wenig in der Sackgasse steckten. Er sagte: „Lass uns doch bei mal bei Johan anrufen. Vielleicht hat er ja Lust, mit euch wenigstens ein paar Songs zu schreiben“. Es ging dabei gar nicht darum, ob er wieder bei uns einsteigen sollte. Wir wollten ihn zunächst einfach mal wieder zu uns ins Studio bekommen, um zu sehen, was passiert. Und mit ihm lief es dann direkt auch wieder. Die Songs, an denen wir vorher schon gearbeitet hatten, bekamen eine ganz neue Form und gingen in eine komplett andere Richtung. Es war großartig, wieder mit ihm zusammenspielen zu können. Es war wie in alten Zeiten. Aber es war auch schon eine sehr emotionale Sache für uns.

MusikBlog: Von diesen Umständen mal abgesehen, habt ihr ja sowieso den Ruf, euch für eure Alben viel Zeit zu nehmen und eurem Perfektionismus freien Lauf zu lassen.

Jonas Bjerre: Wir verlieren uns gerne mal in den Details, wenn wir eine Platte machen. Es ist wie bei einem Maler, der an einem großen Gemälde arbeitet. Er malt drei Wochen lang an einem Baum in einer Ecke. Dann tritt er einen Schritt zurück, sieht sich das ganze Bild an und stellt fest, dass er ja auch noch einen ganzen Wald malen muss. Unser Perfektionismus ist fast schon ein wenig krankhaft. Aber wir können nicht anders. Es halt ein Teil davon, warum wir so klingen wie wir eben klingen. Es ist fast schon so etwas wie ein Fluch. Klar, nicht einfach. Aber so war es bei uns schon immer. Und Michael Beinhorn ist da genauso besessen wie wir. Es war so eine Art Gipfeltreffen der Perfektionisten. (lacht)

MusikBlog: Der Titel eures letzten Albums „No More Stories Are Told Today, I’m Sorry They Washed Away // No More Stories, The World Is Grey, I’m Tired, Let’s Wash Away” wirkte ja schon ein bisschen wie der Versuch, ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen. “+ -“ geht jetzt ins andere Extrem. Hat der Titel eine besondere Bedeutung? Oder war es einfach eine Idee, die sich auch graphisch ganz gut und prägnant macht?

Jonas Bjerre: Damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist sehr graphisch. Das gefiel uns. Außerdem wollten wir diesmal einen kürzeren Albumtitel, denn „No More Stories Are Told Today, I’m Sorry They Washed Away // No More Stories, The World Is Grey, I’m Tired, Let’s Wash Away” ist doch etwas lang. Die ursprüngliche Idee zu dem Titel „+ -„ kam eigentlich von Matthias, einem der Leute, die das Artwork gemacht haben. Er fand, dass das Album wie eine langlaufende Batterie sei. Und das hat uns dann auf die Idee mit den zwei Polen gebracht.

MusikBlog: Stilistisch gesehen, scheint einer dieser Pole eine deutlich stärkere Prise Pop zu beinhalten, als eure vorherigen Alben. Wie kommt’s?

Jonas Bjerre: Das haben uns schon ein paar Leute gesagt. Und das macht mich wirklich glücklich, denn ich liebe Popmusik. Besonders die älteren Sachen aus den Achtzigern. Kate Bush, Prince und solche Leute. Damit sind wir großgeworden. Das hat uns geprägt und das tragen wir auch immer noch in uns. Aber als wir 1994 die Band gestartet haben, standen wir mehr auf Dinosaur Jr., die Pixies und My Bloody Valentine. Popmusik steckte aber trotzdem schon immer in uns. Möglicherweise lassen wir den Pop jetzt stärker durchscheinen. Früher hätten wir wahrscheinlich gesagt „Hm, der Song klingt zu poppig. Lass uns das hinter einer Menge verzerrter Gitarren verstecken“. Aber diesmal haben wir den Songs die Form gelassen, die sie von Natur aus haben wollten. Das ist auch mit einer der Gründe warum „+ -„ stilistisch so vielfältig geworden ist.

MusikBlog: Eines hat sich trotz eurer stilistischen Weiterentwicklung allerdings nicht geändert. In eurer Musik steckt immer auch noch eine recht melancholische Seite. Seid ihr auch selber so veranlagt?

Jonas Bjerre: Ich würde nicht sagen, dass wir melancholische Menschen sind. Wir haben eigentlich ziemlich viel Spaß miteinander. Aber irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass uns Melancholie ein wenig anzieht. Die Musik, die mir persönlich am meisten bedeutet, ist eher melancholische Musik. Ich denke, jeder erlebt in seinem Leben immer wieder etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es gibt zwar Worte für Gefühle wie „Oh, ich bin verliebt“ oder „Ich habe Angst“, aber das, was sich darunter verbirgt, ist sehr viel komplexer, als es diese Formulierungen ausdrücken können. Ich glaube, in melancholischer Musik steckt etwas, das mich mit diesen schwer artikulierbaren Gefühlen weniger allein sein lässt. Ich merke, dass jemand anderes diese Gefühle auch kennt und in der Lage war, sie in Musik umzusetzen. Es ist so, als würde die Musik mich kennen. Man stellt fest, dass es Menschen gibt, die genauso empfinden wie man selber. Und das ist ein sehr schönes Gefühl. Und ich kann nur hoffen, dass wir mit unserer Musik andere Menschen genauso berühren.

MusikBlog: Und was empfindest du, wenn du dir eure alten Sachen wieder anhörst? Machst du das? Es gibt ja ein paar Musiker, die zumindest behaupten, dass sie sich ihre alten Platten so gut wie nie wieder angehört haben.

Jonas Bjerre: Ich mache es zwar nicht oft, aber es kommt schon mal vor. Und dann höre ich mir wirklich alles an, was wir gemacht haben. Ich starte mit der letzten Platte und arbeite mich dann komplett durch. Ich glaube, ein Teil von mir möchte sich daran erinnern, wie ich früher war. Oder etwas in mir möchte herausfinden, was ich in meinem Leben gelernt habe. Es ist so etwas wie ein Tagebuch. Und es ist ziemlich emotional. Es ist schon ein seltsamer Job, denn im Prinzip geht es sehr viel um Gefühle. Ich weiß, das klingt kitschig. Aber es ist wahr. Du musst sehr viel von dir selber in das stecken, was du machst. Auch dann, wenn es gar nicht so offensichtlich ist, steckt immer ein großer Teil von deiner Persönlichkeit mit in der Musik.

MusikBlog: Ihr könnt euch direkt in zwei Punkten absolut glücklich schätzen. Zum einen habt ihr es geschafft, als Band überhaupt zwanzig Jahre zusammen zu sein – und das auch noch recht erfolgreich. Und zum anderen hat es bei euch auch noch nie richtigen Zoff untereinander gegeben. Ist eure lange Freundschaft so etwas wie das stabile Fundament von Mew?

Jonas Bjerre: Als Johan wieder zurückkam, haben wir da auch selber noch mal intensiv darüber nachgedacht. Alles hat sich bei uns aus unserer Freundschaft entwickelt. Schon als Kinder haben wir zusammen mit einer einfachen Kamera kleine Stopmotion-Filme mit Spielzeugdinosauriern gedreht. Dazu haben wir dann mit einem Stylophone die Musik gemacht. Es hat einfach Spaß gemacht, zusammen kreativ zu sein. Es war nicht so „Ich möchte Rocksänger werden!“. Vielmehr war es „Das macht Spaß. Lass uns mal versuchen, ob wir das solange machen können, bis wir erwachsen sind“. Und ich bin wirklich sehr dankbar und fühle mich absolut privilegiert, dass wir es solange geschafft haben. Und das alles basiert auf unserer gemeinsamen Neugier und Freundschaft.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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