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Social Distortion – Live in der Columbiahalle, Berlin

Im Hause Social Distortion gibt es dieser Tage ordentlich was zu feiern. Das selbstbetitelte dritte Album der Orange County-Punkrocker freut sich nämlich über mittlerweile 25 Geburtstagskerzen. Grund genug, die Korken knallen zu lassen und der Anhängerschaft hierzulande mal wieder einen ordentlichen Live-Gruß vor den Latz zu knallen. Und wenn Mike Ness ruft, dann folgen die Massen. So auch in Berlin, wo sich im Inneren der ausverkauften Columbiahalle tausende Fans bereits vor den ersten Klängen der beiden Support-Acts (Jonny Two Bags, Jessica Hernadez & The Deltas) gegenseitig auf die Füße treten.

Die Luft ist stickig und der Schweiß tropft von der Decke. Alles ist angerichtet. Um kurz nach halb acht ist es dann endlich soweit. Mit zwei Musikern im Schlepptau betritt Social Distortion-Gitarrist Jonny Wickersham die Bühne. Ein bisschen Country, eine Prise Folk und jede Menge Singer/Songwriter-Rock’n’Roll sorgen in der Folge für erste Beifallsbekundungen. Ein solider Rampenlicht-Auftritt des Mannes, der ansonsten eher im Schatten des allmächtigen Mike Ness seine Dienste verrichtet.

Auch die aus Detroit stammende Jessica Hernandez erntet für ihre Performance reichlich Applaus. Mit viel Feuer in den Hüften und einer grandios aufspielenden Band im Background lässt die Sängerin langlebigen Dark-Soul vom Stapel. Amy Winehouse goes Blondie. Two thumbs up!

Eine halbe Stunde später wird’s dann richtig eng in der Location. Bereits während der ersten Klänge des eröffnenden “So Far Away” steht der Innenraum Kopf. Es wird gejubelt, gepogt und lauthals mitgesungen. Die Mannen um Mike Ness scheint das wilde Treiben vor der Bühne aber nicht sonderlich zu beeindrucken. Der Funke springt irgendwie nicht so richtig über.

Auch der Rest des komplett vorgetragenen Album-Klassikers wird von den Verantwortlichen auf der Bühne eher etwas hüftsteif und emotionslos ins Rennen geschickt. Musikalisch gibt’s nichts zu mäkeln. Auch der Sound schält sich voluminös und satt durch die PA. In punkto Interaktion, Leidenschaft und Spielfreude hingegen lässt der Hauptteil mit dargebotenen Evergreens wie “Story Of My Life”, “Sick Boy” und “Ball And Chain” jede Menge Wünsche offen.

Just another Show? Social Distortion sind keine Entertainment-Kapelle. Das waren sie noch nie. Wenn die Punkrocker-Legenden aus Kalifornien die Bühne entern, dann geht es im Wesentlichen um die Musik. Aber so bewegungsarm, grimmig und routiniert wie an diesem Abend hat sich die Band hierzulande noch nicht allzu oft präsentiert.

Das färbt irgendwann auch aufs Publikum ab. Die Anhängerschaft wird zunehmend ruhiger. Selbst als die Band im zweiten Teil der Show in den Greatest Hits-Modus schaltet, ist von der anfänglichen Euphorie in der Halle nicht mehr viel zu spüren. Erst das abschließende „Don’t Drag Me Down“ lässt den einen oder anderen müde gewordenen Knochen noch einmal im Dreieck springen.

Vier Minuten später ist der Drops dann aber endgültig gelutscht. Licht an. Das war’s. Ein bisschen mager für eine amtliche Geburtstagssause. Schade eigentlich.

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