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Those Goddamn Hippies – Live im Bang Bang Club, Berlin

Fast zwölf Monate sind seit der Wiedereröffnung des Berliner Bang Bang Clubs in seiner neuen Umgebung vergangen. Rund um die Location herum pulsiert das Nachtleben in den umliegenden Bars und Restaurants. Es ist Wochenende und Gruppen von Menschen sitzen entweder gemütlich bei einem Drink zusammen oder stolpern noch ein wenig ziellos über das vom Regen nasse Kopfsteinpflaster. Wer den Abend nicht langweilig auf ein Sitzpolster gedrückt verbringen wollte, der bekam inmitten des nächtlichen Treibens die Gelegenheit, seine Sinne wieder zu aktivieren.

Dafür mussten nur ein paar Stufen hinab in die Dunkelheit des Bang Bang Clubs bewältigt werden, in dem die Reihe “Common People!?” vorab der DJ-Schleife mit handgemachter Musik lockte. Und die stammte aus der Feder von Tom Marsh alias Those Goddamn Hippies und löste pünktlich um Mitternacht die Brit-Pop-Standards aus den Lautsprechern ab. Erst ein paar Tage zuvor war das musikalische Debüt in Form der “Those Goddamn Hippies EP” digital erschienen, auf der der gebürtige Engländer mit fünf Songs seinen Einstand gibt.

Für diesen verließ er sein gewohntes Terrain hinter dem Schlagzeug, das er fast über ein Jahrzehnt und weltweite Tourneen hinweg in verschiedenen Bands, wie z.B. IAMX sein Zuhause nannte. Der Platzwechsel hin zur Gitarre und dem Mikrofon steht ihm gut. Seine Liebe zur elektronischen Musik ist aber geblieben und findet auch in seinem Solo-Projekt den nötigen Raum. Die Ergänzung von Synthesizer-Texturen und einem organisch geprägten Zusammenspiel der Live-Band bestimmt die Klangästhetik, die ausgesprochen großflächig und offen wirkt.

Immerhin sind auf der Bühne gerade einmal drei Musiker zugegen, die kurzfristig auch noch ohne einen Bassisten auskommen müssen. Die in den detailliert ausgearbeiteten Songs aufgebrochene Weite auf klanglicher Ebene findet in textlicher Hinsicht ihren Gegenspieler in der tief sitzenden Emotionalität und dem Gesang von Tom Marsh, der den Songs viel Wärme verleiht. Wenngleich die Stücke stets von einem leicht melancholischen Schleier umwoben sind, der sich bereits auf der Single “Coming Up” spürbar über das Klangbild legte.

Allein die ausgeklügelten Arrangements verboten es der Band aber, live sich allzu sehr von der Melancholie einfangen zu lassen oder gar lethargisch ihrem Spiel nachzugehen. Inmitten dezent aufblitzender Lichtquellen schufen Those Goddamn Hippies immer wieder Momente, die feinsinnig, vertraut und atmosphärisch dicht zugleich das Kellergewölbe des Clubs füllten.

Neben den Songs der EP bekamen die anwesenden Zuschauer während des Sets noch eine Reihe weiterer Songs zu hören, von denen vielleicht der ein oder andere auf dem geplanten Album wiederzufinden sein wird, das sich der in Wien lebende Songwriter zum Ziel gesetzt hat. Die von den Songs ausgehende Homogenität und Aufrichtigkeit sind schon einmal zwei Gründe dafür, warum man Those Goddamn Hippies ohne mit der Wimper zu zucken ein ganzes Album zutraut und in den kommenden Monaten beide Augen und Ohren offenhalten sollte, was mehr Studio-Material oder Tourneen angeht.

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