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Wir sind als Band pragmatischer geworden – Dry The River im Interview

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Eingeworfene Fensterscheiben im Van, ein Platten mitten in der amerikanischen Wüste oder fehlendes Equipment in der isländischen Studio-Einöde. Das sind beste Voraussetzungen, um als Band kurzzeitig die Nerven zu verlieren. Dry The River lassen sich von solchen Hindernissen allerdings schon längst nicht mehr aus der Bahn werfen. Bei den Aufnahmen zu „Alarms In The Heart“ wurde höchstens der persönliche Alarmknopf gedrückt, wenn es darum ging, inmitten des kreativen Prozesses Zugang zum eigenen Herzen zu finden. Stunden vor ihrem Konzert in Berlin herrschte erstaunlich viel Ruhe im Bandlager und wir schnappten uns Sänger Peter Liddle und Bassist Scott Miller für ein paar Fragen. Gemütlich in die ledernen Gruben des Sofas gerutscht und die Pflicht des Soundchecks erfüllt, sprachen sie mit uns über ihre Einstellung zu Tarotkarten, den Weggang ihres Violinisten Will Harvey und über die Aufnahmen in Island.

MusikBlog: Ich habe gehört, es gab in den letzten Tagen unfreiwillig viel frische Luft im Tour-Van. Was hat es mit der Sauerstoffzufuhr in rauen Mengen auf sich?

Scott Miller: Nach der Show in Aarhus bekamen wir mitten in der Nacht einen Anruf, dass jemand eine Scheibe in unserem Van eingeschmissen hätte. Das war total ärgerlich.

Peter Liddle: Zumal man über Ostern und dann noch auf Tour niemanden findet, der einem so etwas reparieren kann.

Scott Miller: Beim Fahren war das nicht so angenehm, denn einem schlug immer der Wind ins Gesicht. Vielleicht wollte uns irgendjemand indirekt mitteilen, dass wir ausgeruhter wären, wenn wir auf dem Weg zur nächsten Show mehr Luft abbekommen.

Peter Liddle: Auf Tour passieren ständig unvorhersehbare Sachen. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, dass wir immer damit rechnen müssen, von solchen Dingen überrascht zu werden. Einerseits verfällt man auf Tour in einen bestimmten Rhythmus, in dem sich alles zu wiederholen scheint, und dann wiederum passieren ab und zu mysteriöse Sachen, denen man nicht ausweichen kann.

MusikBlog: Das Artwork eures aktuellen Albums „Alarms In The Heart“ zeigt einen Wahrsager. Habt ihr denn jemals einen aufgesucht? So könntet ihr euch vielleicht ein wenig auf solch böse Überraschungen einstellen.

Peter Liddle: Ich war noch nie bei einem Wahrsager, aber meine Ex-Freundin ist mal bei einem gewesen. Allerdings war sie ein wenig enttäuscht, was die ganze Erfahrung anging. Es hatte überhaupt nichts Mystisches an sich. Wir waren in einem stinknormalen Haus in Irland und jemand hat mithilfe von Teeblättern in ihre Zukunft geblickt.

Scott Miller: Bevor wir mit dem Artwork durch waren, hatte ich überhaupt nichts mit Tarotkarten am Hut. Kurze Zeit später begann ich, mich aber ein wenig dafür zu interessieren. Ich glaube immer noch nicht ganz und gar an ihre Wirkung, aber finde es spannend zu sehen, wie man im Alltag manchmal auf Situationen stößt, denen man plötzlich eine andere Bedeutung zuspricht, weil man einen Tag vorher vielleicht ein paar dieser Karten aufgedeckt hat. Für mich haben Wahrsager immer etwas von einem Psychiater an sich. Begegnet man ihnen, ist das fast so, als würde man sich ganz intensiv mit sich selbst auseinandersetzen. Ich kenne jemanden, der etwas von Tarotkarten versteht und werde bald mehr über all das wissen, denn es interessiert mich.

MusikBlog: Haben solche Auseinandersetzungen mit dem Übersinnlichen Auswirkungen auf euer bestehendes Glaubenssystem oder hat sich daran in den letzten Jahren nichts geändert?

Scott Miller: Ich denke nicht, dass sich in dieser Hinsicht allzu viel für uns verändert hat. Jedenfalls nicht bewusst. Vor ein paar Jahren verlief unser Leben in einer ganz anderen Bahn. Seit wir Vollzeit-Musiker und dadurch immerzu unterwegs sind, bekommt man teilweise einen anderen Zugang zu den Dingen um sich herum, aber wir leben viel zu sehr im Moment, als dass wir Übersinnlichem oder Vorhersagen allzu sehr einen Platz einräumen würden. Wir sind jetzt für drei Monate am Stück auf Tour, da konzentrieren wir uns mehr auf das, was uns im Jetzt widerfährt.

Peter Liddle: Meiner Meinung nach sind wir als Individuen und auch als Band mit der Zeit eher viel pragmatischer geworden. Gerade auf Tour kommt so vieles zusammen, dem man sich jeden Tag stellen muss. Wir waren einmal in Utah unterwegs, als uns mitten in der Nacht ein Reifen platzte. Da waren wir also nachts in der Wüste und wussten nicht, wie wir zur nächsten Stadt kommen sollten. Wir schoben den Van 20 Meilen, bis wir im Nirgendwo ein Diner sahen. Den Rest der Nacht aßen wir mexikanisches Essen, tranken Bier und ließen uns nicht davon beirren, dass wir feststeckten. Am nächsten Morgen schraubte dann ein Mechaniker am Van herum, und wir schafften es pünktlich zur nächsten Show.

MusikBlog: Etwas unvorhersehbar war auch die Tatsache, dass euch euer Bandmitglied Will Harvey vor rund einem Jahr verließ. Wie hat sich sein Weggang seitdem auf die Band ausgewirkt?

Peter Liddle: Es war alles in allem nicht einfach für uns, und es gibt für solche Entscheidungen wohl nie den richtigen Zeitpunkt, aber in dem Fall hatten wir noch Glück im Unglück. Das erste Kapitel unserer Band war mit dem Debüt und den vielen darauf folgenden Shows gerade zu Ende gegangen. Zudem ging aus der Arbeit am Nachfolger hervor, dass in den neuen Songs eine viel geringere Folk-Atmosphäre sprach, und die Violine kaum noch zum Einsatz kam. Gleichzeitig begann Will auch noch an anderen Projekten zu arbeiten, also war irgendwann klar, dass sich unsere Wege im Guten trennen würden. Mitten in einer Tour wäre es unvorstellbar, wenn es Veränderungen im Band Line-Up gäbe, aber so konnten wir einigermaßen mit der neuen Situation umgehen.

Scott Miller: Auf „Alarms In The Heart“ rückte das Keyboard viel mehr in den Fokus der Songs und verdrängte die Violine fast vollständig.

Peter Liddle: Die ganze Umstellung verlief von der Bandseite aus ziemlich glatt, worüber wir sehr froh waren. Will kam auch zu unserer ersten Show, die ohne ihn stattfand und hing backstage mit unserem Keyboarder herum. Es gab keinerlei Unmut deswegen. Wir stehen auch nach wie vor immer noch in Kontakt miteinander.

MusikBlog: Für einen Teil der Aufnahmen zu „Alarms In The Heart“ hat es euch sehr weit nördlich nach Island gezogen. Was hat euch daran gereizt dort aufzunehmen?

Scott Miller: Das Gesamtpaket Island ist einfach umwerfend. Man kommt sich vor wie auf einem anderen Planeten. Ich glaube, es kommt nicht von ungefähr, dass auch so viel gute Musik aus diesem Land kommt.

Peter Liddle: Das Budget für die zweite Platte erlaubte es uns glücklicherweise, uns auf in den Norden zu begeben.

Scott Miller: Ursprünglich hatten wir aber auch in Erwägung gezogen, das Album in London aufzunehmen. Mit ein wenig Bedenkzeit entschieden wir uns aber schließlich, dafür an einen Ort zu reisen, der weitaus abgelegener war. Wir konnten uns im Hinblick auf Island sicher sein, dass wir dort die nötige Ruhe finden würden, um an neuen Songs zu arbeiten. In London lässt man sich gerne mal ablenken. Das können auch ganz kleine Sachen sein. Nach ein paar Wochen in Island waren wir wiederum nahe dran, etwas verrückt zu werden, weil wir so intensiv am Album arbeiteten. Als wir nach London zurückkehrten, waren wir uns sicher, ein Album in der Tasche zu haben. Es sollte aber noch weitere zwölf Monate dauern, bis das wirklich der Fall war. Nicht alles, was wir in Island gemacht hatten, erschien uns am Ende passend.

MusikBlog: Wie viel eures Equipments habt ihr mit nach Island genommen, wie sehr habt ihr auf die technischen Gegebenheiten vor Ort vertraut, all der Abgelegenheit zum Trotz?

Scott Miller: Es ist lustig, dass du das fragst, denn in Sachen Equipment gab es gleich zu Beginn unseres Aufenthalts ein paar Probleme. Es war klar, dass wir einige Instrumente mitnehmen würden, aber uns wurden bestimmte Dinge, wie zum Beispiel ein Schlagzeug zugesichert. Kaum kamen wir in Island an, stellte sich aber heraus, dass eine andere Band genau das von uns gewünschte Schlagzeug in ihrem Besitz hatte. Unser Drummer ist da sehr penibel und war nicht gerade begeistert. Ihm wurde ein Schlagzeug vorgesetzt, das ungefähr zwanzig Jahre alt und halb kaputt war. Generell muss man in Island damit rechnen, nicht unbedingt das an technischen Voraussetzungen oder auch Equipment vorzufinden, was man gerade sucht. Das hat natürlich mit der Größe der Insel zu tun. Wenn man, wie wir, aus London kommt, ist man da ganz schön verwöhnt.

MusikBlog: Auch was die Zusammenarbeit mit Produzenten angeht? Immerhin waren insgesamt gleich drei Produzenten am Album beteiligt.

Scott Miller: Ja, es hat einfach keiner bis zum Ende durchgehalten, mit uns zu arbeiten, darum mussten wir nach einer gewissen Zeit den nächsten Produzenten zur Studiotür hereinbitten. (lacht)

Peter Liddle: Nach drei Monaten in Island waren wir mit dem Ergebnis unserer Arbeit nicht so zufrieden, dass wir uns entspannt zurücklehnen konnten. Wir hatten das Gefühl, nicht alles aus den Songs herausgeholt zu haben. Charlie Hugall, der mit uns in Island war, ist ein toller Produzent, aber ebenso wie wir, hatte er drei Monate intensiv an den Songs gearbeitet und konnte ihnen nichts mehr hinzufügen. Wir dachten, es wäre eine gute Idee, einen Außenstehenden mit einzubeziehen, der ganz unvoreingenommen auf die Songs eingehen könnte. Also arbeiteten wir anschließend mit Paul Savage zusammen und schrieben im Zusammensein mit ihm weitere fünf Songs, was dem ganzen Album noch einmal einen Auftrieb gegeben hat. Wir sortierten also die Hälfte dessen aus, was wir in Island zustande gebracht hatten.

MusikBlog: Welche Art von Songs habt ihr letztendlich gestrichen, weil sie nicht ins Konzept passten?

Peter Liddle: Hätten wir alle Songs aus den Sessions in Island behalten, wäre die letzte Platte vermutlich viel ruhiger ausgefallen. Zusammen mit Peter Miles haben wir innerhalb von drei Wochen ein viel klareres Bild vor Augen gehabt und wussten nach vielen Monaten endlich genau, was wir uns vom Album wünschten. In gewisser Hinsicht war es für uns genau das schwierige zweite Album, von dem immer alle reden. Beim Debüt lief alles unkompliziert ab, was bei „Alarms In The Heart“ nicht ganz der Fall war. Vielleicht brauchten wir einfach mehrere Meinungen, um zum gewünschten Ziel zu gelangen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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