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Landshapes – Heyoon

Bis 2012 hieß das Londoner Quartett noch Lulu And The Lampshades. Bei einem Pariser Konzert wurde auf die Konzertkarten aber fälschlicherweise der Name Landshapes gedruckt und so beließen sie es dann bei diesem neuen Bandnamen. Dies war vielleicht eine kluge Entscheidung, denn seit dem Debüt “Rambutan” (2013) änderte die Band ihren Stil. Vom eher traditionellen Rock wechselten sie ins Experimentelle. Auch auf ihrem aktuellen Werk “Heyoon” gehen Landshapes diesen Weg konsequent weiter.

Schon der Opener “Stay” wartet mit wunderschönen Melodien auf, gepaart mit einem Hang zu unkonventionellen Melodien. Was besonders heraus sticht, ist der Gesang. Diese Engelsstimmen von Luisa Gerstein und Heloise Tunstall-Behrens in Harmonie verbunden, sind einfach nur zum Träumen schön. Dass sie aber auch eher düstere Töne anschlagen können, beweisen sie auf “Moongee”. Unheimlich intim gehen sie mit ihren Stimmen auf diesem Album um. “François” zum Beispiel spaziert suchend durch den Wald und tritt dann hinaus auf eine Lichtung, die monotone Melodie geht scheinbar mühelos zu sakraler Größe über. Dieses Hinaustreten reicht vollkommen, um dem Song ein ausreichendes Maß an Dramatik zu verpassen, großes kleines Kino.

Landshapes lassen viel Platz für Stimmungen, zum Luft holen, um dann die Songs scheinbar mühelos zuzuspitzen. So tänzelt “Rhino” um einen simpel knisternden Rhythmus, fast unbemerkt baut sich eine türmende Spannung auf, die sich dann in einem verträumten Refrain entlädt. Hier spielen Landshapes mit der langen Leine, lassen dem Song Freiheiten, holen ihn aber immer wieder zu sich zurück. Die Rhythmen auf “Desert” erhebt sich aus introvertierter Grundhaltung hin zu strahlender Höhe, wie auf Vogelschwingen gleitet der Song in Richtung Sonne. So öffnen Landshapes ihre hermetisch eingegrenzten Songstrukturen immer wieder dem Pop, auf spannende und teilweise überraschende Weise.

Dennoch wirkt das alles folgerichtig und intuitiv. Alles passt wie die Faust aufs Auge und erhebt die Songs zu etwas Besonderem. Apropos besonders, da gibt es noch so einen Song, den man einfach erwähnen muss, “Solipsist” heißt er, und ist ganz großes, intimes Gefühlskino mit einfachsten Mitteln, die da wären: wärmende Synthies und – ganz wichtig – der ausdrucksstarke Gesang. Hier liegt so viel Dramatik in einer ganz einfachen Struktur.

Dies zeichnet aber auch “Heynoon” im Großen und Ganzen aus. Man kann durchaus behaupten, dass dieses Album vorsichtig optimistisch ausgefallen ist. Landshapes rennen zwar nicht mit breitem Grinsen durch ihre Songs, vermitteln aber immer wieder auf verschiedenste Weise die Hoffnung, dass es weiter geht, dass es immer Schönheit zu entdecken gibt. Ein vielfältiges, positives Album mit unerschöpflichen Einfällen, die nicht immer auf der Hand liegen, aber umso faszinierender auf den Hörer einwirken. Wieder mal ein Beweis dafür, was Indie-Pop so alles sein kann.

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