Nach ihrem 2024er, schlicht „12“ betitelten, Album, lassen White Denim nun Nummer „13“ folgen. Glücklicherweise ist die Band musikalisch deutlich kreativer, als bei der Vergabe der Namen ihrer Longplayer.

White Denim haben sich in den letzten 20 Jahren zu einer ganz eigenen Nummer entwickelt. Die aus Texas stammende Band hat sich mit einem experimentierfreudigen Stilmix aus Psychedelic-Rock, Blues, Soul, Dub bis hin zu Reggae einen Namen gemacht und auch das 13. Album überzeugt wieder, vor allem mit Spielfreude und Lust an Improvisation.

Das liegt wohl auch am wechselnden Line-Up, denn im Kern ist White Denim ein Duo. Bestehend aus James Petralli an der Gitarre und Steve Terebecki am Bass, teilt es sich das Mikrofon und lädt für Gastauftritte verschiedene Musiker*innen ein. So auch bei der Entstehung von „13“, mit zum Beispiel Owen Pallet (Streicher), Jesse Chandler (Klarinette, Saxophon, Flöte), Kosta Galanoupolis (Bass) und den Geschwistern Griffin und Taylor Goldsmith von Dawes.

Das eröffnende „(God Created) Lock And Key“ jamt zwischen Dub und Psych-Rock und energiegeladenen Gesangsparts, das folgende „Chew Nails“ gibt sich verspielt. Flirtende Bläser und ein angenehm groovender Rhythmus hängen das Nervenkostüm zum Entlüften an die frische Luft. Dazu gibt´s ’nen Gute-Laune-Text mit angepasstem Refrain, der sich gar wunderbar dazu eignet, die Sorgen beiseite zu legen.

Auch „Only A Fool“ behält sich dieses Mindset bei, ersetzt den Groove durch Funk und mischt 80s Soul-Pop dazu.

Doch White Denim gehen die Ideen nicht aus. „Time Time“ wuselt sich wie 10CC mit entspannten Akkorden ins Gehör, gefällt mit allerlei Klanggimmicks und einem reflektierten Textwerk, das mal ohne Therapieansatz das Thema Stress abhakt.

Zurück in die 70er spielt sich „Crossfyre“ mit Soulgesang und einem funkigen Soundkonstrukt, trifft bei „Keep Calling Me (Baby)“ auf Dubrhythmik und angenehm verschwurbeltes Liebesgesäusel, das in Endsiebziger-Ästhetik dem Album ein weiteres Jahrzehnt an Stileinflüssen einbringt.

„Earth To“ könnte auch „To Earth“ heißen. Irgendwo zwischen den Eels und den seligen Super Furry Animals mäandert der Track schwelgend in zurückhaltendem Rhythmusgefühl und verwurzelter Sozialkritik.

White Denim nehmen sich bei „That´s Rap“ eben jenen Sprechgesang und packen funky Keyboards und Synthies drauf, was ein wenig The Parliament zum Leben erweckt und das arg redneck-folkige „Hired Hand #2“ nicht ganz so schlimm erscheinen lässt, wie es sich anhört.

Zurück zum Rock. „Ruby“ geht sofort eingängig ins Ohr, lässt aber den letzten Schliff am Refrain missen und kann erst beim trompetenden „Matchbook Baby“ diese verpasste Chance nachholen. In schwofenden Soul gewandet, zeigen White Denim dem 70er Motownsound, wie der Defibrillator funktioniert. Der tolle Duettgesang im Chorus belebt diesen so prägenden Sound wieder und sorgt für ein weiteres Highlight auf „13“.

Da ist auch ein „Quiet Moment“ als stimmige Percussionballade gegönnt, bevor White Denim mit dem 13. Track „Drive Trucks“ das Album mit nachdenklichen Tönen beenden. Streicherbegleitet überzeugt diese Komposition mit Folkklängen und einer wechselnden Dynamik, die dem melancholischem Text mehr Tiefgang verleiht.

Spielfreude vereint alle enthaltenen Musikstile von „13“. Das eint zu einem homogenen Sound auf Albumlänge und wohl auch dem White Denim eigenen Können. Gerne weiter so auf Album Nummer „14“.

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