Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Thee Oh Sees (Credit Castle Face Records)

Thee Oh Sees – Mutilator Defeated At Last – Aus dem Bauch heraus

Thee Oh Sees sind sicherlich keine Band für einen schnellen Quickie. Das waren sie noch nie. Auch auf ihrem neuen Album „Mutilator Defeated At Last“ präsentieren sich die Mannen um Band-Mastermind John Dwyer wieder von ihrer kratzbürstigen Seite. Man muss schon genauer hinhören, sich Zeit nehmen, und sich vor allem vom Rest des Business-Geschehen ein wenig entfernen, wenn man dort hingelangen will, wo die Musiker nach dem finalen Mix des Albums die Beine baumeln ließen. An diesen Punkt zu kommen; wenn grenzenlose Zufriedenheit herrscht und jeder Involvierte mit einem Lächeln im Gesicht durch den Moment spaziert, ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Aber es lohnt sich.

Vom eröffnenden Knarz-Sound des einsteigenden „Web“ über das noisig scheppernde Grundgerüst von „Luppine Ossuary“ bis hin zum abschließenden Beckenschlag des frickelig wabernden „Palace Doctor“: Thee Oh Sees lassen nichts unversucht, um den Hörer bei der Stange zu halten. Und die klebt mitunter wie ein angelutschter Lakritz-Lolli. Aber man kann als Hörer nicht anders, selbst wenn man Lakritze hasst. Man will sich nicht lösen. Diese ausschweifende Melange aus in Hall getränkter musikalischer Psychopharmaka und alles nieder walzender Garage-Rock-Attitüde bringt das Blut mit jedem weiteren Durchlauf mehr und mehr in Wallung.

Während andere Künstler mit Melodien bezirzen, setzen Thee Oh Sees alles auf die Wir-kommen-lieber-durch-die-Hintertür-Karte. Scheppernde Sound-Urgewalten wie „Turned Out Light“ oder auch „Rogue Planet“ kommen in etwa so anpassungsfähig um die Ecke, wie ein unter Melaninmangel leidendes Chamäleon. Hier schält sich kein Akkord kalkuliert oder mit Ansage durch die Boxen. Alles kommt aus dem Bauch heraus. Und in den Mägen der vier Kalifornier rumpelt es anno 2015 heftiger denn je.

Auch die Gabe, den Hörer immer wieder gekonnt auf die falsche Fährte zu führen, ohne dabei den roten Faden aus den Augen zu verlieren, ist der Band nicht abhanden gekommen. Immer wieder schieben sich dynamische Quer- und Neueinstiege über das Fundament aus 80s-Punk und Garage-Rock.

Und nach dem fünften Durchlauf ist es dann endlich soweit: Das Album scheint sich komplett zu entblößen. Jetzt bloß nicht noch einmal auf die Repeat-Taste drücken. Oder vielleicht doch? Kommt noch etwas? Wer will noch mehr? Ich! Also her mit der Fernbedienung!

Schreibe einen Kommentar