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Unknown Mortal Orchestra – Multi-Love – Nett schrulliger Pop

So kann’s auch gehen. Nachdem Ruban Nielson mit seiner Noise/PowerPop/Punk-Band „The Mint Chicks“ in Neuseeland in fast zehn Jahren vom besten Video bis zum besten Rock-Act sämtliche Preise abgeräumt hatte, beschloss er 2010, die Band aufzulösen. Inzwischen in den USA lebend, wollte er die Musik nur noch hobbymäßig betreiben. Ganz Lo-Fi, ohne weiterführende Ambitionen und ohne irgendwelche stilistische Einschränkungen.

Die stille Kammer, die er zur Veröffentlichung seiner Freizeitaktivitäten wählte, lag allerdings im Internet. Ein amerikanisches Indie-Label wurde auf ihn aufmerksam. Kritiker jubelten. Und schon war’s das auch wieder mit Ruban Nielson‘s Hobbymusiker-Idylle. Unknown Mortal Orchestra taufte der Sänger und Gitarrist sein wiedererwecktes Profimusikertum. Orchestra ist allerdings auch ein wenig hochgegriffen, denn während er die ersten zwei Alben noch größtenteils alleine einspielte, teilt er sich den vermutlich begrenzten Platz in seinem Heimstudio inzwischen mit Bassist Jake Portrait und Drummer Riley Geare.

„Multi-Love“ heißt das aktuelle, dritte Album der Band. Und während die beiden Vorgänger noch im Bereich verspielte Sixties/ inspirierte Lo-Fi Psychedelic siedelten, weiten UMO auf „Multi-Love“ ihren stilistischen Radius in Richtung poppige Funkyness aus. Einen nicht ganz weg zu hörenden Retrotouch haben sie dabei aber immer noch. Nur diesmal klingen hier Pop, Disco, Prog und AOR (Adult Orientated Rock) aus den Spätsiebzigern und Frühachtzigern an. Natürlich hört man dies den neun Songs nicht plakativ direkt an. Dafür sorgt schon Ruban Nielsons schrullig, verschrobenes Songwriting, dass diese Inspirationsquellen in bewährt eigenwilliger Weise immer wieder neu ausdeutet.

So kann man zum Beispiel in “Can’t Keep Checking My Phone” Disco inklusive Oktavbässen, Handclaps und Four-To-The-Floor Bassdrum ausmachen. Im Verbund mit Nielsons kauzigem Falsettgesang und ein paar unerwarteten Songwendungen, ergibt sich dadurch wieder etwas recht Eigenes. Auch die anderen Stücke funktionieren auf einer ähnlichen Basis. “The World Is Crowded” hat den patentierten Steely Dan-Easyshuffle und groovt smooth mit Siebziger Synthie-Sounds. „Like Acid Rain“ hat ein entspanntes Progpop-Feeling, verbunden mit einem nett catchenden Lalala-Refrain.

Alles kommt dabei recht lässig und unangestrengt aus den Boxen. Nur selten wird’s etwas lauter und derber. So zum Beispiel im letzten Stück „Puzzles“, in dem der 34-jährige den Verzerrer anschmeißt und dementsprechend ein wenig auf der Gitarre rockt. Die Riffs und der Refrain haben wieder eine Prise Siebziger AOR.

Pop ist definitiv das Schlüsselwort des Albums. Aber wie der Titel schon andeutet, widmet sich das Album den diversen emotionalen Aggregatzuständen, die im Dunstkreis des ewigen Themas Liebe auftauchen. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund für Nielson’s stilistische Annäherung an Black Music. Denn der musikalische Fundus von Soul, Funk und R ‚n‘ B ist diesem Bereich immer noch unausschöpflich ergiebig.

„Multi-Love“ dürfte dafür sorgen, dass Musik für Ruban Nielson noch weiter ein Fulltime-Job bleibt. Ein charmant nettes Album aus einem recht eigenwilligen Musikkosmos. Der Sound könnte allerdings etwas besser und voller sein. Aber klar, ist ja Lo-Fi.

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