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Deaf Wish (Credit Helen Grosse)

Deaf Wish – Pain – Im Keller geht das Licht an

Während sich andere Bands beim langfristigen Planen einen eigenen Mikrokosmos erschaffen, lassen Deaf Wish die Dinge einfach so laufen. Steht eine Tour an, packt man die Koffer. Und findet sich irgendwo ein Studio, nimmt man auch mal ein paar Songs auf. So lebten und musizierten die vier Noise-Rocker Nick Pratt, Daniel Twomey, Sarah Hardiman und Jensen Tjhung in den vergangenen Jahren mehr oder weniger in den Tag hinein.

Auch während der Produktion ihres neuen Albums „Pain“ hat sich das Quartett aus Melbourne nicht unter Druck setzen lassen. Keine endlosen Takes, keine Overdub-Sessions und kein sich in die Länge ziehendes, detailverliebtes Finalisieren: Jeder Song bekam maximal drei Chancen. Dann wurde eingetütet und zugeschnürt. Und so klingt das Ergebnis dann auch: roh, dreckig und laut.

Songs wie die beiden dahingerotzten Krachmacher „Newness Again“ und „Sunset’s Fool“ schleppen den Punk wieder dahin, wo er hingehört: in den Untergrund. Die Gitarren jaulen und die Drums ziehen eine Schneise der Verwüstung hinter sich her. Und im flackernden Rampenlicht wird gekeift und gesabbert. So soll es sein. Der Keller lebt.

Deaf Wish können aber auch anders. Zwar immer noch fernab von klanglicher Transparenz zelebrieren die Australier auf Songs wie „They Know“ und „Sex Witch“ die hohe Kunst des langlebigen Vermischens von hart und zart. Placebo meets The Walking Dead. Oder gewähren hier Sonic Youth einen Einblick in ihr Demo-Archiv? Völlig wurscht! Das Eintauchen in Kategorisierungswelten sollte sich der Hörer sparen. Man kommt eh nicht ans Ziel. Ergo: Alle Regler auf zehn, Fenster und Türen schließen und alles Eingängige im CD-Regal für die Dauer einer gefühlten Stunde hinter einer Schallschutzwand verbarrikadieren. So nimmt nichts und niemand Schaden.

Und der mit sonstigem überproduziertem Klangballast gefüllte Kopf des Hörers? Der ist danach wieder frei. Versprochen.

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