Wer sich in den drei Minuten von „Even Mountains Erode“, dem zweiten Song des neuen Albums „Heaven 2“ von Lala Lala, seine exponierte Seele so abtragen lässt, wie die an den Strand schlagenden Wellen den Sand mit sich nehmen, geht mutig mit seinen Gefühlen um.

Lillie West war nie „The Lamb“, dem Namen ihres zweiten Albums, im Business, ging immer offen mit ihren Innenleben um und hat dabei den DIY-Charme früher Musikerinnen-Tagen mit ihrem Projekt Lala Lala  über die Jahre weiterentwickelt und Verletzlichkeit in immer komplexen Arrangements ausgedrückt.

Ihr fünftes Album „Heaven 2“, das der unter ihrem Klarnamen veröffentlichten Instrumental-Ausgabe „If I Were A Real Man I Would Be Able To Break The Neck Of A Suffering Bird“ folgt, setzt dies fort.

Nach den Chicago-Jahren flossen die Eindrücke der anschließenden umtriebigen Zeit vom Leben in der Abgeschiedenheit New Mexicos bis zum Aufenthalt der quirligen Musik-Szene Reykjaviks in ihre autobiographischen Kompositionen ein, ebenso die kreative Sesshaftigkeit am jetzigen Wohnort Los Angeles.

Der persönliche Status bestimmt die Klangfarben von „Heaven 2“, worauf ein elektronisches Grundgerüst mit Hang zum Experimentellen die Tonart bestimmt.

Der Garagensound, mit dem auf dem Debüt „Sleepyhead“ noch „Exorcism“ betrieben wurde, ist keine Option mehr, die Indie-Gitarren, die weite Teile von „I Want The Door To Open“ (2021) bespielten, finden sich am ehesten noch in „This City“.

Die ansteckende Entschleunigung des Titelsongs und die Euphorie von „Arrow“ ringen um Balance, der Opener „Car Anymore“ lässt an The Knife denken, Passagen anderer Tracks an EMA oder Lorde, findet Lillie West in „Tricks“ zwischen Piano, Streichern, tickenden Drumbeats und bedrohlichen Untertönen Harmonie, die „Anywave“ in hymnische Kraft bündelt.

Melina Duterte von Jay Som – ein weiterer Gast im Studio war Porches-Mastermind Aaron Maine – hat wesentlich zum Gelingen ihres Einstiegs bei  Sub-Pop beigetragen, half ihr beim Produzieren und Einspielen fast sämtlicher Instrumente und liefert mit ihrer Stimme ein Pendant zum melancholisch-ätherischen Gesang der Protagonistin.

Wen oder was auch immer Lillie West zurück lässt, wenn sie am Ende durch den „Wyoming Dirt“ stapft – dass sie sich laut Selbstauskunft ein Stück weit den Zeitfluss hinuntertreiben und an den Schönheiten des Alltags zu begeistern kann, ist „Heaven 2“ jedoch anzuhören.

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