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Lala Lala – The Lamb

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Es vergehen Sekunden – und die gefühlt auch langsamer als üblich – ehe man sich im stickigen Kellertrakt-Szenario wähnt. Zwischen nebeligen Grunge-Schwaden, unprätentiöser Noise-Pop-Essenz und schroffem DIY-Paradigma folgen Flanger-verzerrte Kraftakkorde („Dropout“), MPC-Kicks („Water Over Sex“) und tiefseegetränkter Lo-Fi-Pop samt treibender Drums („Dove“) den luziden Lockrufen von Lillie West.

Unter dem erfrischend albernen Namen Lala Lala firmierend, dürfte sich die Chicagoerin an der Seite von Abby Black und Karla Bernasconi zwischen Stilgeschwistern wie Frankie Cosmos und Label-Kolleg*innen Chastity Belt sicherlich am wohlsten fühlen.

Sicher ist auch, dass „The Lamb“ einen nächsten, nicht unerheblichen Beitrag zur voranschreitenden Radierung des Y-Chromosoms im Indie-Underground leistet. Das funktioniert jedoch nicht ganz – wie sollte es auch anders sein – ohne seelischen Verschleiß.

Im Kern ist das zweite Studioalbum der All-Female-Formation nämlich nicht weniger als eine autotherapeutische Überlebensstrategie, mit der West weniger den Glauben an das zerrüttete Genie einer drogeninduzierten Paranoia-Poetin beschwängert, sondern auf herausragende Weise selbstzerstörerische Impulse verarbeitet und in den Griff bekommen hat.

Lala Lala transkribieren überstandene Süchte, frühere Ängste sowie den Tod eines nahestehenden Freundes in schroff-kalkulierte, wenngleich melodiös-emphatische messiness, die so wunderschön unpoliert ist, dass ein Saxo-Soli im Closer „See You At Home“ eigentlich nur skandalös anmuten kann.

West überlässt (es mag an der mittlerweile zweijährigen Nüchternheit liegen) nichts mehr dem Zufall. Dass nun plötzlich alles einem strikt intendierten Konzept folgt, verleiht den zwölf Tracks die Wirkungsweise einer Selbsthilfebroschüre, die postadoleszente Verzweiflung als Chance und weniger als düsteres Schicksal begreift.

Mit anderen Worten: Lala Lala decken Fragen auf, von denen man selbst nicht wusste, dass man sie sich stellen sollte. Dabei korrespondieren Albumtitel und Songstrukturen auf fast schon bildlicher Ebene:

Nahezu jeder Song steht nämlich – zunächst einmal – wie ein scheues Lämmlein (Du!) im Lichtkegel eines anrasenden Vierzigtonners (Leben!), nur um dann im letzten Moment unter Begleitung riffelnder E-Gitarren, hallenden Vocals, anschlagsgereizten Bass-Drums und alltagsbanaler Poesie doch noch gerettet zu werden.

Diese unverblümte Aufrichtigkeit gelingt in Reinkultur sonst nur einer Courtney Barnett. Trotz des Optimismus streuenden Komforts und vereinzelter Indie-Pop-Momente, die wie in „The Flu“ durchaus an Allmächte wie The Cure oder Talulah Gosh erinnern, ist „The Lamb“ vor allem eine „Moth“, der man mit sadistischer Vorfreude dabei zusieht, wie sie an einer 100-Watt-Birne verglüht.

Das ist Dialektik zwischen furchterregenden Erinnerungen und ihrer gegenwärtigen Bewältigung. Viel mehr lässt sich, ganz offen rausposaunt, aus einer Platte nicht rausholen.

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