Selbstfindung vorbei? Die US-amerikanische Band La Luz macht mit dem vierten Album das, was eigentlich zur gewöhnlichen Etikette eines Band-Debüts gehört – ein selbstbenanntes Album. Vielleicht liegt es daran, dass die Gruppe um Shana Cleveland, die eigentlich aus Seattle kommt, ihre musikalische Heimat erst vor ihrem dritten Langspieler “Floating Features” verließ, um in Los Angeles die passende Umgebung für ihren Sound zu bewohnen.

Wundern würde es uns allerdings nicht, wenn selbst in Los Angeles eine kleine, stickige Garage als Probenraum und Inspiration für den dunstig-dahintröpfelnden Klang von “La Luz” fungierte – natürlich mit Strandblick.

Denn auch auf dem vierten Tonträger von La Luz lebt die Atmosphäre von sehnsüchtiger Dämmerung am Horizont und reichlich Rauch und Melancholie, dem Zwielicht. Die “Golden Hour” zwischen Tag und Nacht dürfte in Los Angeles auch erheblich länger sein als im urbanen Seattle.

Adrian Younge, der unter anderem auch schon die Produktion für Kendrick Lamar, Jay-Z und den Wu Tang Clan übernommen, stand für “La Luz” erstmalig als Produzent an den Reglern der Band. Und auch, wenn das nicht bedeutet, dass La Luz sich nun plötzlich gänzlich aus ihrem Genre verabschiedet haben, scheint ein gewisser Einfluss auf die Ausrichtung der Band doch nicht unwahrscheinlich.

Schließlich klingt das Album – und das gilt auch für Kendrick Lamars und Jay-Zs Werk – authentisch US-amerikanisch. In der musikalischen Tradition mehrerer Großstädte, die für die US-amerikanische Identität kaum formgebender sein könnten, trieft “La Luz” vor selbsterhöhendem Pathos des Western, pazifischer Leichtlebigkeit der West Coast und ewig nostalgischer und urbaner Hoffnungslosigkeit des Noir.

“La Luz” von La Luz ist mehr als ein verspätetes Debütalbum. Die ruhige Symbiose aus sanfter Stimme und teilweise sogar klerikal anmutender Soundkulisse auf der einen, und der Wechsel aus Western- und Surf-Noir auf der anderen Seite lassen “La Luz” wie ein Album mehrerer Identitäten klingen, die einen Probenraum teilen. Am Meer oder in der Stadt, das ist eigentlich egal.

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