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Shana Cleveland – Manzanita

Manche Alben schreien förmlich nach dem Rampenlicht, wollen die Stroboskop-Quote möglichst hoch ansetzen oder ihre emotionalen Ausbrüche in der maximalen Aufmerksamkeit platzieren. Shana Cleveland dimmt mit ihrem neuesten Album “Manzanita” alle Lichter im Umkreis von drei Kilometern und hat gerade deswegen jedes Ohr verdient.

Mit einem Mellotron-Sound eröffnet Cleveland diese Enklave und erinnert im Opener “A Ghost” an das sanftmütige und weise Storytelling von Lucy Dacus. Dass Cleveland als Frontfrau von La Luz ansonsten auch ein Herz für Dream-Pop-Ausflüge und Indie-Rock ausleben kann, hinterlässt aber auch in diesem neuen Solo-Album Spuren.

Gerade was die Atmosphäre betrifft, ist das nicht etwa nur ein Drittel von dem, was die Band auf die Bühne stemmt. Allerdings sind die Mittel der Wahl andere. In “Faces In The Firelight” etwa bringen große Streicher-Arrangements die Luft zum Flirren, beim entrückten “Mayonnaise” setzt das Klavier hingegen eine altehrwürdige Note.

Über die einzelnen Songs hinaus will Cleveland “Manzanita” vor allem als Gesamtwerk darreichen. In dieses Menü gehören daher einige instrumentale Interludes, die den ohnehin schon tiefgehenden einzelnen Stücken noch mehr Raum zum Atmen geben. Das Ergebnis: Maximales Abschalten, minimale Lichtzufuhr von außen.

Ein besonderer Kniff hinter dieser Platte ist dabei, dass ganz ohne Störenfriede viele verschiedene Akzente gesetzt werden. Der Abwechslungsreichtum ist damit gesichert, der ungehinderte Hörgenuss dito.

Vom traumwandlerischen “Quick Winter Sun”, das mit mystischen Klängen auch zum nächsten Hexenzirkel geschickt werden dürfte, bis zum mit gezupfter Gitarre geschmückten Instrumental “Bonanza Freeze” ist die Steppe von “Manzanita” von vielfältigen Eindrücken geschmückt.

“This is a supernatural love album set in the California wilderness”, sagt Cleveland über ihr eigenes Werk und jedes dieser Wörter wird von der Gesamtheit dieser Platte untermauert. Am Ende aber – und da bleibt Cleveland ganz Songwriterin der alten Schule – bleibt auf “Manzanita” genügend Raum für vollkommen eigenwillige Assoziationen und Emotionen.

Eine schöne Platte für laue Sommerabende, sanfte Frühlingsluft, kalte Wintertage und den Herbstregen.

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