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Slime/Will Archer (Credit Nick Pomeroy)

Will Archer – Company

Will Archer ist ein Musiker aus Newcastle, der London sein Zuhause nennt. Seit 2011 veröffentlicht der Produzent und Multi-Instrumentalist elektronische Musik auf Höchstniveau mit faszinierenden R&B- und Hip-Hop-Einflüssen dank Musiklabels wie Tough Love und GETME!. Archer ist begeistert freischaffend unterwegs, wirkt mit bei diversen Produktionen und Co-Writing, macht gemeinsame Sache mit Künstlern wie Jessie Ware, George Maple und Vondelpark.

Nun dürfen wir seinem Debütalbum „Company“ lauschen. Die Platte komponierte Archer im Laufe der vergangenen zwei Jahre in einer Art fensterlosen Kaninchenbau, einem Aufnahmestudio in Hackney, einem Stadtbezirk von London. Ganze 400 Songs zauberte Will Archer für das Album, brachte sie Anfang 2014 zu Dilip Harris (Mount Kimbie, Micachu), um sie mixen zu lassen. Zehn Songs davon schafften es in die ganz enge Auswahl, gepresst auf 180 g Vinyl, die Crème de la Crème von Archers musikalischem Werk. „Company“ verspricht eines zu sein: ein emotionales, unprätentiöses elektronisches Schmankerl.

„Company“ ist eine echte akustische Reise, glänzt mit stilistischen Drehungen, überraschenden Wendungen und Schattierungen und strahlt dabei eine nicht greifbare Mystik aus. In einer Zeit, in der elektronische Musik von aufdringlichem Bombast und hyperrealistischen Konzepten dominiert wird, bildet Will Archers Platte den Gegenpol. Die zehn Songs verunsichern, sind emotional, nuanciert und aufrichtig.

„Company“ bildet ein Understatement der ganz anderen Art. Die Songs entführen uns in ein unscharfes Universum eines Künstlers mit einer zutiefst privaten, dabei fokussierten und möglicherweise ganz ungewöhnlichen Vision. Beim ersten Hören drängt sich der Gedanke auf, dass dieses Werk unmöglich eine einzige Person komponiert haben kann. Wir hören orchestrale Performances, unterschiedlichste Stimmen und die Zusammenführung diverser Musikstile.

Als Ganzes genommen stellt „Company“ ein unleugbares Gefühl von Intimität her, ganz so, als ob sich der Hörer zufällig einem geheimen nächtlichen Streifzug angeschlossen hat. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen setzt Archer nicht auf lautes Geschrei, sondern auf sanfte Stimmen zum Ausdruck seiner Ideen. Die klaren Stimmen wie in „At Sea Again Ft. Selah Sue“ oder „Patricia’s Stories Ft. Jeremiah Jae“ stammen von Archers Gastsängern. Wenn Archer selbst singt wie in „My Company“ oder „Hot Dog“ neigt er zu Abstraktion, setzt mehr auf Emotion, als auf Beschreibung.

Am Ende der zehn Songs bleibt ein Gefühl von angenehmer Stumpfheit durch die Abwechslung elliptisch-melodischer Songs und die Zusammenführung von Electronica-/Instrumental-Hip-Hop und R&B. Ein Gefühl von 3-Uhr-Nachts, irgendwie ein spirituelles Lebensgefühl des kulturellen Erbes Ende der 1990-er Jahre. Will Archer schöpft die Kraft aus der Stille, aus Ruhe und Zurückhaltung.

Um „Company“ zu hören sollte man sich tief in seinen Lehnsessel eingraben, den Klängen lauschen, die Stille nachspüren und am Ende einmal tief ein- und wieder ausatmen.

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