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Mein Gesicht passt nicht zur Musik – Lambert im Interview

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Wer im Netz über einen Lambert-Artikel stolpert, der wird meist bereits im ersten Satz mit dem Wort Neo-Klassik konfrontiert. Dabei hat der eigentlich aus Norddeutschland stammende Wahl-Berliner mit klassischer Musik nicht allzu viel am Hut. Lambert fühlt sich in Bezug auf die immer wieder aufkommende Definitionsfrage irgendwie missverstanden. Er selbst schmückt sein Tun viel lieber mit dem Begriff Klaviermusik. Soll er auch. Im Grunde spielt es ja auch gar keine Rolle, in welche Schublade er gepackt wird. Solange die Musik große Spuren hinterlässt, spielen sich standardisierte Kategorisierungsgefechte nur auf Nebenschauplätzen ab. Und Lamberts Musik hinterlässt große Spuren.

Bereits sein im Mai 2014 veröffentlichtes selbstbetiteltes Debütalbum sorgte für viel Aufsehen; von seinen Re-Works ganz zu Schweigen (Deichkind, BOY, Tocotronic). Nun hat der Mann, der sich neben seiner extravaganten Musik auch durch das Tragen einer ledernen Tiermaske vom großen Rest der musikschaffenden Masse unterscheidet, sein zweites Studioalbum am Start. „Stay In The Dark“ heißt das gute Stück; ein Album, das selbst einen eher rockorientierten Hörer wie mich problemlos in seinen Bann zieht. Höchste Zeit also, den guten Mann mal an zum Gespräch zu bitten.

MusikBlog: Hi Lambert. Bevor wir über das Mysterium Lambert sprechen, würde ich mich gerne mit dir über deine Musik unterhalten. Du selbst bezeichnest dein Schaffen ja als Klaviermusik. Auf deinem neuen Album hört man ja wirklich nur dein Klavier.

Lambert: Das Klavier ist die Basis. Hin und wieder hört man auch ein paar Streicher und den einen oder anderen Bläser. Ich habe auch einige Nebengeräusche mit eingeflochten. Aber im Großen und Ganzen geht es nur um das Klavier.

MusikBlog: Warum gerade das Klavier? Was fasziniert dich so an diesem Instrument?

Lambert: Das ist schwer zu beantworten. Ich habe einfach als Kind damit angefangen. Und irgendwann hat es dann Klick gemacht. Das war aber auch ein ziemlich langer Prozess. Eigentlich bin ich wie fast jeder in meinem Alter mit Rock- und Pop-Musik aufgewachsen. Ich habe auch schon in Garagenbands Schlagzeug gespielt. Aber irgendwie kam dabei nichts rum. Da passierte nichts in mir. Mit dem Klavier war das irgendwie anders. Da konnte ich mich immer richtig ausleben. Da war eine Verbindung vorhanden. Irgendwann entstanden dann erste eigene Songideen.

MusikBlog: Nach der Veröffentlichung deines Debütalbums im vergangenen Jahr erscheint jetzt bereits dein zweites Studioalbum. Klingt, als hätte da jemand ein Ventil geöffnet.

Lambert: Ja. (lacht) Ich weiß auch nicht. Irgendwie sprudelt es gerade aus mir heraus.

MusikBlog: Vor allem nachts? Man munkelt nämlich, dass das komplette Album nachts aufgenommen wurde. Stimmt das?

Lambert: Ja, das stimmt. Alle Songs wurden nachts aufgenommen.

MusikBlog: Warum?

Lambert: Ich habe einfach irgendwann festgestellt, dass ich nachts besser aufnehmen kann. Da herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Ich habe auch probiert tagsüber aufzunehmen. Die Ergebnisse waren aber nicht so toll. Nachts lässt es sich unbefangener arbeiten. Alles wirkt irgendwie offener und freier.

MusikBlog: Bist du generell ein Mensch, der sich schnell eingeengt fühlt?

Lambert: Ich bin definitiv ein Mensch, der seinen Freiraum braucht. Ich muss mich entfalten können, ohne das Gefühl zu haben, von allen Seiten beobachtet zu werden. Sonst kann ich nicht arbeiten.

MusikBlog: Daher auch die Maske?

Lambert: Das ist sicherlich ein Grund. Als das mit der Maske anfing, war ich auf der Suche nach etwas Speziellem, das meiner Musik ein Bild gibt. Mein Gesicht passte da nicht. Also habe ich mich für eine Maske entschieden. Und dann war da auch noch ganz viel Unsicherheit, die ich hinter der Maske natürlich super verstecken konnte. Das ist auch heute noch so. Ich bin nicht der extrovertierte Performer, der sich ohne Probleme auf eine Bühne stellen kann. Ich brauche, wie gesagt, meinen Freiraum. Und den verschafft mir die Maske.

MusikBlog: Überall steht zu lesen, dass es sich dabei um eine Antilopenmaske handelt. Dem ist aber nicht so, oder?

Lambert: Ich weiß auch nicht, wie die Leute darauf kommen. (lacht) Es ist keine Antilopenmaske. Das Ding stammt aus Sardinien. Die tragen da solche Masken zur Karnevalszeit. Da steckt eher ein Stier dahinter. Aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass sie ins Gesamtkonzept passt.

MusikBlog: Ängste und Gefühle der Einengung kann man ja überwinden. Könntest du dir demnach vorstellen, irgendwann einmal ohne Maske aufzutreten?

Lambert: Das kann ich mir schon vorstellen. Aber im Moment ist das noch kein Thema. Auch wenn es komisch klingt; aber unter der Maske fühle ich mich frei. Und das muss ich einfach, wenn ich irgendwo auftrete.

MusikBlog: Du sagst ja, dass die Maske deiner Musik ein Bild gibt. Davon ausgehend, dass sich deine Musik in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird: Wird es dann auch eine neue Maske geben?

Lambert: Ich habe mir bereits einige Alternativmodelle besorgt. Die werden auch teilweise schon von meinen Mitmusikern getragen. Ich bin da also nicht auf ewig festgefahren. Es muss halt passen. Und im Moment passt die Maske, die ich gerade trage am besten zur Musik.

MusikBlog: Mischst du dich nach deinen Konzerten eigentlich immer noch ohne Maske unter’s Publikum um zu erfahren, wie die Leute den Auftritt fanden?

Lambert: Das mache ich eigentlich nicht mehr. Das war mir nur am Anfang ganz wichtig. Ich meine, authentischere und ehrlichere Stimmen kann man ja nicht einfangen. (lacht) Die Leute wussten ja nicht, wer vor ihnen steht. Das war immer ziemlich spannend.

MusikBlog: Und? Kam es auch mal zu hitzigen Diskussionen?

Lambert: Nein, eigentlich nie. Meistens war ich erstaunt, wie sich das Gefühl der Menschen mit meinem deckte. Das war natürlich ungemein wichtig für mich. Es hätte ja auch andersrum laufen können. Dann hätte ich mir das Ganze nochmal überlegen müssen. Aber glücklicherweise haben die Leute immer das empfangen, was ich auch präsentieren wollte. Sicher, man hat auch über die Maske gesprochen und gerätselt. Aber hauptsächlich ging es um die Musik. Und das war ein tolles Gefühl. Die Maske soll ja schließlich von allem anderen ablenken, so dass der Fokus nur auf der Musik liegt.

MusikBlog: Ziel erreicht.

Lambert: Genau. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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