A Mote Of Dust – A Mote Of Dust

Wenn eine erfolgreiche Band sich auflöst, gründet man entweder eine neue oder werkelt am Solodebüt. Craig B. ist diesbezüglich ein Zwischenfall. Er hat nach der Aereogramme-Auflösung mit The Unwinding Hours weiterhin den Alternative-Rock-Pfad beschritten, aber nebenbei auch Material gesammelt, das gänzlich ohne Verstärker auskommt. Das hört man auf seinem Solodebüt „A Mote Of Dust“ – obwohl hier Paul Savage an den Reglern saß, der vor allem für seine Arbeit mit Postrock-Veteranen wie Mogwai und We Were Promised Jetpacks bekannt ist.

Reine Akustik-Kompositionen sind für Craig B. zwar kein neues Feld, doch Schwerpunkt waren sie in seiner bisherigen Diskographie noch nie. Und genauer betrachtet, sind sie es auch auf dem gleichnamigen Album seines neuen Alias A Mote Of Dust nicht, wenngleich seine Stimme sowie schlichte Klampfen-Melodien auf Nummern wie „Wolves In The Valley“ in bester William Fitzsimmons-Tradition stehen.

Doch A Mote Of Dust beweist, dass er auch aufwendigere Song-Strukturen beherrscht und setzt ein paar Kontrastpunkte: Auf „Pull Me Back“ mischt sich ein polternder Drone-Bass ins Geschehen und auf „Work Of Our Hands“ vernimmt man ein peitschendes Schlagzeug. Aber keine Spur von jenen Postpunk-Gitarrenwirbeln, die auf „Afterlives“ von The Unwinding Hours 2012 noch stark husten mussten und ein wenig an den Sirenen-Rock der Editors und Interpol erinnerten.

Zweifellos gelingen Craig auch jetzt hochsensible wie fragile Spannungsbögen. Auch stimmlich entdeckt man kaum Fehlpässe. Es wirkt, als triebe es A Mote Of Dust raus aus den anonymen, schnelllebigen Tour-Unterkünften des Rock-Olymps und anstelle dessen hinein in die Eigentlichkeit und Naturnähe versprechenden Holzhütten der schottischen Highlands. Zumindest hat er dort das Video zu „Wolves In The Valley“ aufgenommen und das Studio von Savage aufgesucht.

So reduziert klang er noch nie. In wenigen Akustikmomenten droht die Grenze zwischen einfühlsam und einschläfernd aber aufzutauen. Alles in allem wirkt die Stimmung auf „A Mote Of Dust“ allerdings erhaben. Doch Craig B. hat einen alten Bekannten dabei, der ihn im Ernstfall wieder rausziehen kann. Graeme Smillie untermalt die zum Teil gar meditativ wirkenden Akustik-Versenkungen mit dem Instrument, welches Craig´s Aereogramme-Kollege Iain Cook bei seiner Formation Chvrches aktuell nur noch in zuckrig und digital kennt: Das Klavier.

Im Titeltrack führt dieses die Gitarre von Craig sicher durch das Moor und wirkt gerade wegen der minimalistischen Melodik äußerst pointiert. Als könnte man von den Highlands Richtung Island und somit Ólafur Arnalds schauen. Doch das ist natürlich eine Fata Morgana inmitten der baumlos kargen wie auch trüben Landschaft, wenngleich es die Pianotupfer sind, die „A Mote Of Dust“ seine elegische Eleganz verleihen.

Die Befindlichkeit wirkt jedenfalls so nebelig wie die tristen Moorgegenden des schottischen Hochlands. Textlich bewegt sich das Album zwischen aufbrechender Erkenntnis und purer Melancholie. „When did I surrender to what I have become / I sleepwalking in circles, through night and day“, bekennt Craig B. in „Pull Me Back“. Man nimmt es seiner filigranen, mitunter fast weinerlichen Stimme sofort ab – doch die Arrangements, die er auf den neun Stücken vorlegt, sind alles andere als ziellos geworden.

Und einen Metakommentar zur schottischen Landschaft kann man auch noch finden: „I tried to find a perfect place to hide / Now I see that that’s no life“ wimmert er in erneut leichter Fitzsimmons-Geste im Abschluss in „Home“. Ein intimes und stilsicheres Songwriter-Debüt, das sich trotz dem Akustik-Fokus auch leichte Seitensprünge erlaubt.

Dennoch sollte Craig demnächst lieber im Süden Urlaub machen. Oder zumindest dort seine traurigen Songs vorstellen, wo es ein wenig lichtreicher ist. Das dürfte ihm nicht schaden.

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