Wir sind keine Kinder von Traurigkeit – Wavves im Interview

Machen, machen, machen! Nach der Mitwirkung am Album “Welcome to Los Santos” (The Alchemist & Oh No) und der Veröffentlichung des Albums “No Life For Me” (Koproduktion mit Cloud Nothings), bringen die kalifornischen Pop-Punks von Wavves mit dem Studiowerk “V” bereits ihre dritte Klangarbeit in diesem Jahr an den Start. Woher kommt dieser ausgeprägte Tatendrang?  Wie lief die Zusammenarbeit mit Top-Produzent Woody Jackson (Tenaciuos D, Money Mark, Beck, Primal Scream)? Und was ist eigentlich noch übrig vom legendären Primavera-Desaster? Wir nahmen uns Gitarrist Alex Gates zur Seite und baten zum Vieraugengespräch.

MusikBlog: Alex, drei Album-Projekte in einem Jahr – klingt anstrengend. Seid ihr froh, dass ihr nun die Ziellinie erreicht habt? Oder hättet ihr auch noch Luft und Material für ein weiteres Album in diesem Jahr?

Alex Gates: (lacht) Ich glaube, wir sind jetzt erstmal durch. Wir waren zwar nicht alle an jeder Produktion beteiligt. Aber es war dennoch ein sehr anstrengendes Jahr. Es hat aber auch tierisch Spaß gemacht. Ich meine, wir haben ja letztlich nichts anderes gemacht als das, womit wir unseren Lebensunterhalt bestreiten. Nur eben auf einem etwas intensiveren Level.

MusikBlog: Welches “Baby” liegt dir denn am meisten am Herzen?

Alex Gates: Ich liebe alle drei Alben. Jedes ist auf seine Art und Weise etwas Besonderes. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wohl “V” auf den Thron setzen. Das ist nun mal ein richtiges Wavves-Album durch und durch. Da schlägt mein Herz schon am heftigsten, keine Frage.

MusikBlog: Musikalisch kommt ihr mit “V” etwas runder und kompakter um die Ecke. Stimmst du mir zu?

Alex Gates: Ja, auf jeden Fall. Das Album klingt sehr rund und homogen. Dennoch hat es viele Ecken und Kanten. Ich habe das Gefühl, dass wir mit diesem Album einen weiteren Schritt nach vorne gegangen sind.

MusikBlog: Bewusst? Oder hat sich das eher so ergeben?

Alex Gates: Nun, ich denke, dass die Voraussetzungen einfach gegeben waren, um diesen Schritt zu wagen.

MusikBlog: Damit verweist du auf die Studiobedingungen in Los Angeles und die Zuarbeit von Woody Jackson?

Alex Gates: Exakt. Es war ein Rundumpaket, das irgendwie nichts anderes zugelassen hat.

MusikBlog: Wie lief denn die Zusammenarbeit mit Woody Jackson?

Alex Gates: Großartig. Es ist immer wichtig, dass die Chemie stimmt, wenn man jemanden von außerhalb mit ins Boot holt. Und mit Woody lief es dahingehend einfach super. Dazu kommt natürlich, das er auch noch ein Top-Produzent ist, der genau weiß, was er will.

MusikBlog: Der berühmte passende Deckel?

Alex Gates: Absolut. Wir hatten viel Spaß im Studio. Wir haben aber auch alle sehr konzentriert gearbeitet. Weißt du, die Zeit im Studio ist immer sehr kostbar. Man steht da als Band schon unter einem gewissen Druck. Wenn man nicht gerade zu den Top-Acts gehört, muss man ganz schön ranklotzen, um alles in einem bestimmten Zeitraum unter einen Hut zu bekommen. Das ist nicht immer ganz so einfach. Umso wichtiger ist es, wenn du dann mit jemandem arbeitest, der nicht erst eine halbe Woche benötigt, um sich zu akklimatisieren. Woody ist halt ein Profi. Das hat vieles vereinfacht.

MusikBlog: Ihr habt die vergangenen acht Monate mit dem Schreiben der neuen Songs verbracht. Eine ziemlich lange Zeit für eine Band, die sonst eher im Wochenrhytmus arbeitet. Wie kam’s?

Alex Gates: Keine Ahnung. Wir hatten einfach eine Phase, in der uns die Decke auf den Kopf gefallen ist. Wir sind ja alle keine Kinder von Traurigkeit. Wir feiern gerne, gehen gern auf Partys und lassen uns dabei volldröhnen. Das ist nun mal so. Irgendwann kommt aber der Punkt, wo man paranoide Züge wahrnimmt. Man fühlt sich irgendwie gefangen in diesem Mikrokosmos aus Alkohol und inszenierter guter Laune. Das kann ganz schnell nach hinten losgehen, wenn man sich nicht rechtzeitig befreit. Zum Glück haben wir aber noch die Musik. Durch das Schreiben neuer Songs konnten wir uns wieder lösen und aufrappeln.

MusikBlog: Auf dem neuen Album geht es auffallend oft um Beziehungsgeschichten.

Alex Gates: Ja, Nathan (Nathan Williams, Sänger) hatte während dieser Zeit arge Zweisamkeitsprobleme. Das schüttelt man natürlich nicht einfach so ab. Die Musik hat ihm geholfen, wieder auf die Beine zu kommen.

MusikBlog: Redet ihr eigentlich viel miteinander, wenn es um intimere Themen geht?

Alex Gates: Wir sind nicht nur Kollegen. Wir sind auch Freunde. Da ist einer für den anderen da – ganz egal, um was es geht.

MusikBlog: Du bist jetzt seit 2012 in der Band. Drei Jahre vor deinem Einstieg blamierte sich die Band auf der Bühne des Primavera-Festivals bis auf die Knochen. Der abgebrochene Desaster-Gig stößt auch heute noch vielen alten Fans auf. Wird auch darüber noch intern geredet?

Alex Gates: Nein, eigentlich nicht. Dieses Kapitel ist für die Band längst abgeschlossen.

MusikBlog: Regt es euch da nicht auf, dass viele Artikel über euch immer noch mit einem Verweis auf eben jene Geschehnisse beginnen?

Alex Gates: Nein, das juckt uns nicht.

MusikBlog: So gar nicht?

Alex Gates: Sicher, wir fänden es schon schöner, wenn die Leute endlich bereit wären, einen Haken hinter die Sache zu machen. Aber es ist nun mal, wie es ist. Damit müssen wir uns abfinden. Und das tun wir auch. Darüber sich noch groß aufzuregen, würde keinen Sinn machen. Und ändern würde es erst recht nichts. Ergo: alles gut. So lange sich die Texte irgendwann dann doch alle aufs Wesentliche konzentrieren, können wir damit wunderbar leben. Das macht uns nichts aus.

MusikBlog: Den Blick geradeaus?

Alex Gates: Yes! Komme, was da wolle (lacht).

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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