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Ich bin kein Prediger – Will Varley im Interview

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Umweltzerstörung, Krieg, Terror, Folter: Jeden Tag erreichen uns neue Schreckensmeldungen über den Zustand unseres Planeten. Während die Obrigen weiterhin schön den Deckel draufhalten, scheint vielen Normalbürgern endlich ein Licht aufzugehen. Der Widerstand wird immer größer. Es werden Fragen gestellt und vermehrt mit dem Finger auf Leute gezeigt, die in der Verantwortung stehen. Auch Will Varley kratzt sich derzeit des Öfteren am Kopf. Der britische Singer/Songwriter hat ebenfalls die Schnauze voll. Mit seinem neuen Album „Postcards From Ursa Minor“ geht er nun in die Offensive. Wir trafen den sympathischen Sänger in Berlin und sprachen über extraterrestrische Hoffnungsträger, verbindende Kunst und Zukunftsträume.

MusikBlog: Hi Will, dein neues Album heißt „Postcards From Ursa Minor“. Der Titel kommt einem Hilferuf in Richtung Weltall gleich. Nehmen wir mal an, es wird geantwortet – was erhoffst du dir von eben jenen Postkarten?

Will Varley: Jede Menge (lacht). Ich meine, die Menschheit richtet sich gerade selbst zu Grunde. Überall brennt es lichterloh. Und jeden Tag kommen neue Brandherde hinzu. Das kann man alles gar nicht mehr bewältigen. Also braucht es Hilfe von oben. Der liebe Gott hat aber scheinbar keine Lust, hier unten aufzuräumen. Vielleicht erhören aber wenigstens ein paar Aliens meinen Hilferuf. Wäre schön, wenn die sich irgendwann in naher Zukunft hier runter bequemen würden, um uns Gegnern der Weltzerstörung zur Hand zu gehen.

MusikBlog: Siehst du keinen anderen Weg mehr?

Will Varley: Nein. Du etwa?

MusikBlog: Nun, es sieht wirklich alles andere als gut aus. Da stimme ich dir zu.

Will Varley: Eben. Wir haben nicht mehr viel Zeit.

MusikBlog: Der Song „Is Anyone Out There?“ präsentiert sich auf deinem neuen Album als Hilferuf-Speerspitze. Ist es wahr, dass der Song via Satellit auf die Reise ins Weltall befördert wurde?

Will Varley: Ja, das stimmt.

MusikBlog: Wow! Dir ist es wirklich ernst damit.

Will Varley: Auf jeden Fall.

MusikBlog: Kam denn schon etwas zurück?

Will Varley: Leider nicht (lacht). Zumindest ist mir dahingehend noch nichts bekannt. Weißt du, wir haben heutzutage diese krassen Smartphones, wir haben auch die Technik, die es uns ermöglicht, detaillierte Marslandschaften anzuschauen. Und wir bauen Häuser, deren Spitzen man vom Boden aus gar nicht mehr erkennen kann. Was ich damit sagen will: Nichts scheint mehr unmöglich zu sein. Vielleicht setzt eine Antwort auf meinen musikalischen Hilferuf der ganzen Entwicklung noch einen drauf. Wer weiß? Ich würde es mir wünschen.

MusikBlog: Ein weiterer Song, der zum Nachdenken anregen sollte, heißt „The Man Who Fell To Earth“. Hier beschäftigst du dich mit dem tragischen Tod des Afrikaners Jose Matata. Das traurige Schicksal des Mannes, der im September 2012 nahe des Londoner Flughafens Heathrow „vom Himmel fiel“ ging seinerzeit um die ganze Welt. Welche Bedeutung hat dieser Song für dich?

Will Varley: Eine sehr große. Es geht hierbei ja nicht nur um den Tod eines Mannes. Jose Matata kam aus Afrika. Er wollte fliehen, sich in England ein neues Leben aufbauen, und hat sich dafür am eingezogenen Fahrwerk im Bauch einer Boeing festgebunden. Das alleine ist schon erschütternd und unglaublich. Wie viel Leid muss ein Mensch mit sich herum schleppen, um solch eine Entscheidung zu treffen? Ich meine, die aktuelle Flüchtlingssituation ist schon heftig. Da schippern ganze Familien in maroden Schlauchbooten übers Mittelmeer. Aber sich an ein Flugzeug festzubinden? Hallo?

MusikBlog: Glaubst du, er war sich der Gefahren nicht bewusst?

Will Varley: Ich denke schon, dass er wusste, dass er es wahrscheinlich nicht schaffen würde. Das macht es ja so tragisch. Da ist ein Mensch, der so verzweifelt ist, dass er für den letzten vermeintlichen Ausweg sogar den eigenen Tod in Kauf nimmt. Man kann sich gar nicht vorstellen, aus welcher Hölle der Mann kam. Es ist einfach nur traurig und ganz furchtbar.

MusikBlog: Du hast eben die aktuelle Flüchtlingssituation angesprochen. Hier in Deutschland werden viele Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Es gibt aber auch jede Menge Hohlbirnen, die den Hilfesuchenden mit Hass und Gewalt begegnen. Wie sieht die Situation bei euch in England aus?

Will Varley: Auch hier gibt es solche und solche, was sehr traurig ist; denn gerade die, die momentan mit hassverzerrten Gesichtern blindlings um sich schlagen, sollten mal bei ihren Großeltern eine Geschichtsstunde in Anspruch nehmen. Aber es ist, wie es ist. Die Menschen, die helfen wollen, müssen einfach dranbleiben und weiterhin dagegenhalten.

MusikBlog: Inwieweit kann Musik da einen Beitrag leisten?

Will Varley: Musik verbindet. Es gibt keine Grenzen. Egal welche Hautfarbe, welche Religion oder welches Geschlecht: Musik ist für alle da. Ich glaube nicht, dass ich mit allen Menschen, die meine Musik daheim im Schrank zu stehen haben, gerne einen Kaffee trinken würde. Es gibt bestimmt auch Leute, die falsche Wege eingeschlagen haben. Und wenn nur einer dieser Menschen durch meine, oder ähnlich gestrickte Songs von anderen Künstlern, zum Umdenken bewegt wird, dann ist das schon ein großer Erfolg.

MusikBlog: Klingt nach einer Mission.

Will Varley: So weit würde ich jetzt nicht gehen. Ich bin kein Prediger, kein Besserwisser und niemand, der sich berufen fühlt, anderen Leuten nahezulegen, wie sie leben sollen. Ich will den Menschen da draußen nur offen begegnen. Ich will ihnen zeigen, was in mir vorgeht, was mich bewegt und über was ich mir Gedanken mache.  Die Musik ist der Schlüssel dafür.

MusikBlog: Die Bühnen, die dir dafür zur Verfügung gestellt werden, werden von Jahr zu Jahr größer. Mittlerweile kennst du schon den Backstagebereich der ehrwürdigen Londoner Royal Albert Hall in- und auswendig. Wo soll die Reise noch hingehen?

Will Varley: Ich würde unheimlich gerne mal auf dem Reading Festival spielen. Das wäre ein Traum.

MusikBlog: Du bist nicht der erste mit dem ich spreche, der gerne einmal dort spielen würde. Was ist so besonders an diesem Festival?

Will Varley: Ich bin fast jedes Jahr als Zuschauer dort zu Gast. Und jedes Jahr entdecke ich wieder neue spannende Bands und Künstler. Es ist einfach faszinierend. Die Location, die Leute, die Bands: Da passt einfach alles.

MusikBlog: Vielleicht nächstes Jahr?

Will Varley: Hoffentlich. Wir werden sehen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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