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Alligatoah – Musik ist keine Lösung

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Deutsch-Rap boomt. Ob Zugezogen Maskulin oder Fatoni, langweilig war es im Genre dieses Jahr nicht. Völlig zu Recht erreichten auch K.I.Z. mit ihrem Album „Hurra, Die Welt Geht Unter“ flächendeckende mediale Präsenz. Die Sprache der Berliner ist schonungslos offen und derb, diese beherrscht auch Alligatoah, arbeitet damit aber anders.

Als Meister im Jonglieren mit den Begrifflichkeiten der Hochkultur und der Jugendsprache stiftet das Trailerpark-Mitglied mit tiefer Ironie gewollt Verwirrung, schichtet in seinen Songs doppelte Böden übereinander und präsentiert alles in bühnenreifer Theatralik (nicht umsonst bezeichnet er sich als Schauspiel-Rapper).

Damit traf er mit seinem vierten Album vor zwei Jahren ins Schwarze, kommerzieller Durchbruch und Platz eins der deutschen Charts sowie Goldstatus für „Triebwerke“. Nachdem auf dem Vorgänger überwiegend die Vor-und Nachteile von Zweisamkeit und Familie Thema waren, knöpft sich Lukas Strobel auf „Musik Ist Keine Lösung“ jetzt Gesellschaft und System vor.

Dafür hat sich der Autodidakt aufs Land zurückgezogen, dort ein eigenes Studio eingerichtet, um allein und ungestört neun Monate lang an den neuen Stücken zu feilen. Dabei schreckt er weder vor dem Einsatz von Geräuschen aus Feld und Wald noch vor dem Benutzen gebrauchten Equipments vom Flohmarkt zurück. Ein wenig umweht ihn bei dieser Arbeitsweise der Hauch des Liedermachers, entsprechende Szene-Größen wie Hannes Wader beeinflussten tatsächlich einen Teil seiner musikalischen Sozialisierung.

Erste Ergebnisse seines Daseins als musikalischer Eremit konnten im Video zur ersten Single „Denk An Die Kinder“ gesehen und gehört werden, Musik als Instrumentalisierung, als Protest gegen das benefiz-verdächtige Gutmenschentum, vorgetragen in filmreifer Missverständlichkeit.

Ob Terrorismus, Schönheitswahn oder Wegwerfgesellschaft – der 26jährige geht auf der Platte nicht zimperlich mit dem Zeitgeist um. Es ist von Hunde haltenden Herrchenmenschen oder von Apfelessern, die uns davor bewahren wollen, der Obstkorb der Welt zu sein, die Rede. Seine bitterbösen Lyrics packt er wieder zwischen Schlager- und Jahrmarktsmelodien, bis es den knackigen Break gibt oder eine forsche Strom-Gitarre dazwischen jault.

Gerappt wird irgendwo zwischen Musical und Operette, garniert mit einer dicken Kelle Sarkasmus. Zwischen den Zeilen immer der Hinweis, dass man seinen Ausführungen folgen kann, aber nicht muss, denn viel Wert legt Alligatoah darauf, dass seine Stücke interpretierbar bleiben. Schönes Beispiel dafür ist „Teamgeist“, wo der Hörer den Verein seiner Wahl selbst einsetzen kann.

Genau wie „Münchhausen“ auf „Triebwerke“ gibt es mit „Mama, Kannst Du Mich Abholen“ wieder eine Trilogie auf der Platte, hier muss die Erziehungsberechtigte ihren Spross wahlweise aus den Klauen religiöser Fanatisten reißen oder aus dem Bahnhofs-Stricher Milieu befreien. Der Trend zum Ankündigen eines Rechtsstreit wird in „Vor Gericht“ behandelt, der Fliegenschiss, aus dem Bandenkämpfe generiert werden, in „Das Bedeutet Krieg“ beleuchtet.

„Doktor Spielen“, nimmt die Diagnosestellung zwischen Tür und Angel beim Arztbesuch aufs Korn, man erfährt, dass Sinnlosium akut bei Schnupfen, Schusswunden und prinzipiell auch bei allen anderen Gebrechen hilft.

Alligatoah bleibt sich auf „Musik Ist Keine Lösung“ treu: als immer unvorhersehbares Kraftwerk an Wortwitz, dazu heißt es passend in „Comeback Des Jahres“: „Ihr kriegt mich nicht!“.

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