Alligatoah – Triebwerke

Alligatoah - TriebwerkeDie anfangs noch beschauliche Karriere des gerade einmal 23-jährigen Alligatoah aus Niedersachsen nahm ca. 2006 seinen Lauf mithilfe des Internets und wahrscheinlich war er sich selbst nicht im Klaren darüber, eines Tages die Charts anzuführen und ein Dasein als Musiker zu fristen.

Neben einem kostenlosen Album im selbigen Jahr, folgte 2008 sein erstes kommerzielles Albums “In Gottes Namen”, das ihn zu dieser Zeit bereits zu einem Exoten in der Szene machte, die stur nach Schema F agierte. Alligatoah konnte bereits in den Anfangsjahren durch eine bemerkenswerte Technik, musikalisches Gefühl und themenbasierte sowie humorvolle Texte überzeugen.

In den darauffolgenden Jahren folgten diverse Mixtape Veröffentlichungen, die bis dato aber noch als Geheimtip galten. Der drastische Wendepunkt in Alligatoahs Musikkarriere setzt mit der Besetzung in der Band Trailerpark und deren für Furore gesorgtes Album “Cracksstreet Boys II” ein. Die Fans nahmen das neue Bandmitglied der Hip-Hop-Formation um Basti DNP, Timi Hendrix und Sudden derart gut auf, dass er besonders als Solokünstler einen enormen Profit daraus schlagen konnte. Schon von Beginn an war Alligatoah für seine zwiespältigen Persönlichkeiten, die er verbal agieren ließ sowie für seine konzeptionelle, nachdenkliche und tiefsinnige Ader bekannt.

Mit “Triebwerke” erschien nun das lang erwartete zweite Solo-Album, das genau diese Ansätze beibehält und die ausgereifteste Produktion des Künstlers bis jetzt darstellt. Der als vielseitig Kreative bekannte Lucas Strobel, wie er bürgerlich heißt, zeichnete nicht nur für die Kunstwerke seines Covers, sondern auch für einen Großteil der Beats verantwortlich. Seinen Longplayer nannte er kurzerhand “Triebwerke” und genau so hat es gezündet – es schoss direkt auf die Chartspitze, Platz 1, in Deutschland.

“Willst du”, eine der ersten Singleauskopplungen konnte bereits im Vorfeld durch seine thematische und ausgeklügelte Herangehensweise an das Thema Drogen herantreten – die Videoumsetzung stieß ebenfalls auf große Resonanz. Besonders gelungen eingesetzt und auffallend sind generell die Gesangs-Hooks sowie die zumeist selbst eingespielten Gitarrensounds. Von Einöde keine Spur, während “Wunderschöne Frau” außerordentlich witzig das Leben einer Drag-Queen schildert und die Gastparts von Shneezin und Timi eine echte Bereicherung darstellen, schafft Alligatoah mit “F**k ihn doch” eine wunderbare Erzählung und Befassung mit dem Komplex Stalking.

Die teils an Hard-Rock erinnernden Beats wurden fantastisch mit Hip-Hop Elementen verflochten, bis er sich dann im letzten Teil beinahe in einen Dubstep-Bereich vorarbeitet. Die gekonnte Technik, ausgefeilte Beats sowie Stimm- und Tonhöhenvariationen machen in Zusammenspiel mit der konzeptionellen Herangehensweise eine Art Perpetuum mobile. Man möchte jeden Titel nochmal hören, um jedes Mal wieder ein wenig mehr zu entdecken.

Wer auf anspruchsvolle sowie humorvolle Texte eines Ausnahmekünstlers steht, sollte sich diesen Namen unbedingt merken.

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