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Cheatahs (Credit Alex De Mora)

Cheatahs – Mythologies

Es ist nicht ganz so einfach, sich als Nachlassverwalter beziehungsweise Erneuerer eines Genres zu behaupten, dessen Hochzeit schon ein paar Jährchen zurückliegt. Cheatahs aus London, gegründet 2009, schaffen das, aber: Die Band, deren Mitglieder gleich aus vier verschiedenen Ländern stammen (Kanada, USA, Großbritannien, Deutschland), hat sich mit Haut und in die Stirn fallenden Haaren dem Shoegaze der späten 1980er Jahre verschrieben.

2014 ließen Cheatahs mit ihrem selbstbetitelten Debüt erstmals von sich hören und konnten Kritik und Fans gleichermaßen überzeugen. Sanft-dringliche Ohrwürmer wie aus der Werkstatt der Stone Roses oder von Ride begeisterten schlicht und einfach, und machten sich auch auf großen Festivalbühnen in Europa und UK gut.

Vor kurzem veröffentlichten Cheatahs die EP „紫 (Murasaki)“, die von den Werken der japanischen Schriftstellerin Murasaki Shikibu beeinflusst ist – und als Vorbote des zweiten Full-Length-Albums gelten durfte.

Nun ist „Mythologies“ erschienen und überrascht positiv: Cheatahs meistern die Aufgabe des „schwierigen zweiten Albums“ bravourös, weil selbstbewusst. Dean Reid, James Wignall, Marc Raue (aus Dresden!) und Nathan Hewitt ruhen sich nämlich nicht in der behaglich eingerichteten Shoegaze-Schublade aus, sondern setzen neue Soundakzente.

Mehr noch als auf ihrem Debüt wagt das Quartett experimentelle Ausflüge in Drone- und Noise-Gefilde. Dass das zuweilen auf Kosten geschmeidiger Eingängigkeit (sprich: Hitpotential) geht, wird den einen oder anderen möglicherweise irritieren. HörerInnen, die sich auf Cheatahs Experimente einlassen, werden jedoch reich belohnt in Gestalt abwechslungsreicher, energiegeladener Tracks wie zum Beispiel der vorab veröffentlichten Single „Seven Sisters“, die eine schimmernde Melange aus psychedelischem Dream-Pop und rockigeren Tönen ist.

In „Deli Rome“ und „Colorado“ lassen es Cheatahs richtig krachen, die dissonanten Noise-Eruptionen hätte man nicht unbedingt von dieser Band erwartet – umso besser, dass Cheatahs sich wenig um Erwartungshaltungen zu scheren scheinen. „In Flux“ mit den treibenden Jingle-Jangle-Gitarren erinnert am ehesten an Vorbilder wie Spacemen 3, Swervedriver oder auch The Charlatans – und gibt mit unverhohlener Sixties-Atmosphäre charmanten Nachhilfeunterricht, denn schließlich bezogen sich die Shoegazer der Achtziger und Neunziger schon auf die Psychedelik der mittleren sechziger Jahre.

Retromania at its best. Die aktuelle Single „Signs to Loreley“ ist stilistisch ganz anders ausgerichtet, ein zarter Synthie-Loop bestimmt den Track, der weniger auf Melodiosität baut als auf atmosphärische Stimmung. Cheatahs schwelgen in unterschiedlichsten Klangwelten, lassen die Drums stolpern, die Gitarren mäandern und laden Gastsängerinnen ein (Liv Willars und Heather Perkins), die das Soundspektrum nochmals erweitern.

Von Dream-Pop über Psychedelik hin zu Drone und Noise auf einem Album – das muss man erstmal schaffen, oder besser: wagen. Cheatahs trauen sich und ihrem Publikum einiges zu und das finden wir richtig gut!

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