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Zella Day (Credit Universal Music)

Ich bin kein L.A.-Girl – Zella Day im Interview

Zella Day kommt gebürtig aus Arizona, lebt mittlerweile in Los Angeles und zählt trotz ihrer gerade einmal 20 Jahren bereits zu den „alten Hasen“ der amerikanischen Neo-Singer/Songwriter-Branche. Wie das? Nun, die auf Hippie-Garderobe stehende Blondine trat bereits mit neun in Omas Kaffeebude auf. Mit 13 hatte sie ihren ersten Plattenvertrag im Sack. Mittlerweile stehen zwei Studioalben sowie unzählige absolvierte Konzerte zu Buche. Mit ihrem zweiten Album „Kicker“ will die ehrgeizige Sängerin nun auch hierzulande durchstarten. Wir trafen Zella Day in Berlin und plauderten über Kleinstadtträume, große Pläne und weiße Pferde.

MusikBlog: Hi Zella, du bist gerade in Europa auf Tour. Gestern Berlin, heute Köln: deine ersten Deutschland-Besuche?

Zella Day: Ja. Ich war vorher noch nie hier. Es ist aufregend und spannend. Niemand kennt mich. Aber alle empfangen mich mit offenen Armen. Das ist ein tolles Gefühl. Ich fühle mich sehr wohl hier.

MusikBlog: Liebe auf den ersten Blick?

Zella Day: So in etwa. Ich war vorher etwas skeptisch. Europa ist ja totales Neuland für mich. Aber es ist schön hier. Ich werde bestimmt wiederkommen (lacht).

MusikBlog: Du bist im März 20 geworden, hast aber bereits einen musikalischen Briefkopf vorzuweisen, von dem selbst viele 30-jährige Berufsmusiker noch weit entfernt sind. Erinnerst du dich noch an den Moment, der alles zum Rollen brachte?

Zella Day: Es gab viele Augenblicke, die ich mit meinen musikalischen Wurzeln verbinde. Ich habe mich schon als kleines Kind auf der Gitarre ausgetobt.

MusikBlog: In Pinetop, einer Kleinstadt in Arizona.

Zella Day: Genau. Dort gibt es ringsum viele Berge. Die Leute reiten teilweise noch auf Pferden morgens zur Arbeit. Das ist ein Mikrokosmos, der sich in vielen Bereichen grundlegend vom Rest der Welt unterscheidet. Dort hat man als Kind nicht viele Möglichkeiten. Ich wollte aber immer irgendwie mehr. Ich wollte raus, etwas erleben und mich kreativ verwirklichen. Also habe ich die Musik in mein Herz geschlossen. Mit 13 bin ich erstmals im Café meiner Großmutter aufgetreten. Ein Jahr später hatte ich dann bereits meinen ersten Management-Vertrag in der Tasche. So entwickelte sich das alles sehr natürlich. Das Ganze war ein Prozess.

MusikBlog: Mittlerweile lebst du in Los Angeles. Auf deinem zweiten Album „Kicker“, das jetzt mit etwas Verspätung auch bei uns erscheint, bekommt man allerdings den Eindruck, dass du der Zeit in der wohlbehüteten Kleinstadt ein wenig hinterher trauerst. Ist dem so?

Zella Day: Nun, als ich noch in Pinetop lebte, wollte ich immer nur eins: weg von diesem Ort. Mittlerweile ist mir aber klar geworden, dass meine Heimat ein großer Teil von mir geworden ist. Sie steckt immer noch in mir drin. Ich bin kein L.A.-Girl. In meinem Herzen bin ich immer noch ein Kleinstadt-Mädchen, das Pferde liebt und sich nach Landluft sehnt. Da ist aber auch dieser andere Teil in mir, der neugierig und hungrig ist. Der will raus in die Welt, etwas erleben und jede Menge Erfahrungen sammeln. Es ist ein bisschen so, als wenn man zwischen den Stühlen sitzt. Aber das ist völlig ok. Ich liebe es, so wie es ist. Es ist aufregend. Und mein Gott, ich bin 20. Welches 20-jährige Mädchen sehnt sich nicht nach etwas Aufregung im Leben? (lacht)

MusikBlog: Begleitet wirst du auf deiner Reise von einer musikalischen Mixtur aus Indie-Folk und Dream-Pop. Der perfekte Soundtrack fürs Unterwegssein, oder?

Zella Day: Auf jeden Fall. (lacht)

MusikBlog: „Kicker“ wartet aber auch mit einigen Songs auf, die belegen, dass du auch gerne mal über den Tellerrand blickst. Ich denke da beispielsweise an „Mustang Kids“; ein Stück, bei dem dir der Rapper Baby E zur Seite steht.

Zella Day: Ja, das stimmt. Sicher, ich habe meine Basics. Aber ich will mich natürlich auch weiterentwickeln. Ich denke, da wird in Zukunft auch noch viel mehr passieren. Die Arbeit mit Baby E war nur der Anfang. Ich kenne ihn schon länger. Und die Zusammenarbeit mit ihm hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das sind Momente, in denen man als Künstler besonders bei der Sache ist. Plötzlich wird man mit neuen Einflüssen konfrontiert. Das ist spannend. Es geht dann darum, sich zu öffnen und zu gucken, welche Bausteine sich aus anderen Bereichen mit den eigenen verbinden lassen, ohne dass dabei das Gesamtbild in Schieflage gerät.

MusikBlog: Klingt herausfordernd.

Zella Day: Oh ja! Und wie! Aber nur so kommt man ans Ziel. Stagnation ist Gift für einen Musiker. Natürlich gibt es auch Bands und Musiker, die kontinuierlich über Jahrzehnte ihr Ding durchziehen und damit auch Erfolg haben. Aber so ticke ich nicht. Ich will herausfinden, was noch alles möglich ist.

MusikBlog: Neben der Musik scheint dir auch die optische Verpackung deines Schaffens sehr wichtig zu sein. Deine Outfits, deine Video-Clips: Da steckt überall viel Arbeit drin.

Zella Day: Ja, der visuelle Part ist mir ungemein wichtig. Ich will nicht nur, dass die Leute meine Musik hören. Ich will auch, dass dazu passende Bilder und Filme in den Köpfen der Leute entstehen.

MusikBlog: Im „Hypnotic“-Clip spielt beispielsweise ein weißes Pferd die Hauptrolle. Sehr schön anzusehen.

Zella Day: Ja, wobei es viele Leute gibt, die mit Mickeys Auftritt leider nichts anfangen können.

MusikBlog: Mickey?

Zella Day: So heißt das Pferd.

MusikBlog: Ah, verstehe. Was haben diese Leute denn gegen Mickey?

Zella Day: Keine Ahnung. Ich kann es auch nicht nachvollziehen. Ich finde seinen Auftritt sensationell. Er verkörpert die pure Liebe. Ich meine, er trinkt Milch aus einer Wanne, in der ich sitze und singe. Das allein macht ihn schon zu etwas Besonderem. (lacht)

MusikBlog: Da spielt auch noch ein Mann in dem Video mit. Es hat den Anschein, als würdet ihr beide um die Gunst des Pferdes kämpfen.

Zella Day: Sehr gut erkannt. So ist es auch. Mickey steht im Mittelpunkt einer hin und her zerrenden leidenschaftlichen Liebe. Man kann so viele tolle Sachen in einem Video unterbringen. Ich liebe das. Musik ist Kunst. Und Kunst hat so viele unterschiedliche Facetten. Ich will mich einfach austoben und alles ausprobieren. Das bin ich.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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