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Aidan Knight (Credit Brian van Wyk)

Berlin ist einfach faszinierend – Aidan Knight im Interview

Einen Künstler wie Aidan Knight kann man musikalisch nur schwer einordnen. Stets auf der Suche nach Neuem, pendelt der aus dem kanadischen Victoria stammende Sänger und Songwriter seit gut fünf Jahren zwischen experimentellen Folk-Klängen und klassischen Singer/Songwriter-Sounds hin und her. Auch auf seinem neuen Album „Each Other“ präsentiert sich der Kanadier mitsamt Band nahezu ungreifbar. Wir trafen Aidan Knight in Berlin und sprachen mit ihm über musikalische Schubladen, neue Gesichter und Berlin.

MusikBlog: Hi Aidan, als ich von der Veröffentlichung deines neuen Albums hörte, hatte ich mir fest vorgenommen, dich endlich mal in eine passende Schublade zu stecken. Du hast mir aber erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. Abermals sitze ich vor den Boxen und weiß nicht weiter. Vielleicht kannst du mir ja ein bisschen auf die Sprünge helfen?

Aidan Knight: Zunächst einmal freut es mich, dass du scheinbar Probleme hast, meine Musik richtig einzuordnen. Das zeigt mir, dass du aufmerksam gelauscht hast. Ich kann dir da aber, ehrlich gesagt, auch nicht weiterhelfen, denn ich habe selber keine Ahnung, in welche Schublade ich mich und meine Musik stecken würde. (lacht)

MusikBlog: Manch einer spricht von Experimental-Folk. Andere parken dich eher im klassischen Singer/Songwriter-Genre.

Aidan Knight: Ja, solche Meinungen kamen mir auch schon zu Ohren. Letztlich ist es mir aber egal, welchen Stempel mir die Leute aufdrücken. Das ist mir nicht wichtig. Musik sollte einfach nur etwas auslösen; im Idealfall natürlich wohlige Emotionen oder Glücksgefühle. Aber sie kann natürlich auch Gefühle wie Wut, Schmerz und Trauer bündeln. Wichtig ist einfach nur, dass etwas rüberkommt.

MusikBlog: „Each Other“ wurde über mehrere Etappen aufgenommen. Ontario, Columbia, Quebec: Ihr wart für die Produktion viel unterwegs. Könnte das vielleicht ein Grund für die Sound-Vielfalt des Albums sein?

Aidan Knight: Ja, da ist etwas dran. Man macht überall andere Erfahrungen, ständig wird das Fundament verschoben und man hat permanent mit anderen Menschen zu tun. Das prägt die Arbeit natürlich. Diese Reiserei diente aber nicht einem Konzept, das darauf hinauslief, das Album möglichst spannend und facettenreich klingen zu lassen. Es hat sich alles eher so ergeben.

MusikBlog: Inhaltlich ist es ein sehr persönliches Album geworden.

Aidan Knight: Ja, das stimmt. Es gibt einfach Phasen im Leben, in denen man fokussierter auf sich selbst ist. Da geht es anderen Menschen, glaube ich, nicht anders. In meinem Fall hat sich viel von dem, was mich beschäftigt hat auch in meinen Texten verfestigt.

MusikBlog: Was oder wer hat dich musikalisch inspiriert? Gab es Bands oder Künstler, deren Werke dir während der Arbeiten an deinem neuen Album besonders treu zur Seite standen?

Aidan Knight: In erster Linie habe ich mich mit meinen Bandkollegen ausgetauscht. Innerhalb dieser Gemeinschaft haben wir uns alle gegenseitig mit Input versorgt. Jeder einzelne hatte für jeden Song eine Grundvorstellung im Kopf. Wir haben uns dann zusammengesetzt und einfach losgelegt, geguckt, welche Puzzle-Teile zusammenpassen und welche nicht. Ich glaube, dass wir noch nie so intensiv gemeinsam zusammengearbeitet haben. Das war eine tolle Erfahrung.

MusikBlog: Also keinerlei Input von außen?

Aidan Knight: Nun, es gab schon Musik, die uns während der Produktionsphase begleitet hat. Da war beispielsweise The Antlers „Hospice“, die tiefen Sounds von Damien Jurado oder auch Sachen von Built To Spill. Das alles war präsent. Aber der eigentliche Antrieb kam von uns. Sounds von außen dienten maximal als Beilage zum bereits geplanten Menü. (lacht)

MusikBlog: Du hast deine Bandkollegen bereits angesprochen. Neben diesen vertrauten Personen, gab es aber auch Leute wie Mathieu Parisian und Marcus Paquin; Reglerdreher und Soundexperten, die ihr erst kennenlernen musstet. War das die größte Herausforderung während der Produktion?

Aidan Knight: Ja und nein. Zunächst waren wir natürlich alle gespannt und hatten keine Ahnung, was uns erwartet. Wir kannten zwar die Bands, mit denen Mathieu und Marcus bereits zusammengearbeitet haben. Aber das sagt natürlich nichts über Persönlichkeit und Charakter aus. Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass es neben der musikalischen Seite auch zwischenmenschlich super funktioniert. So war es dann letztlich nicht ganz so herausfordernd. (lacht)

MusikBlog: Apropos Herausforderung: Es wird gemunkelt, dass du demnächst nach Deutschland ziehen willst. Ist da etwas dran?

Aidan Knight: Ja. Wir planen zumindest in diese Richtung.

MusikBlog: Zunächst war von Leipzig die Rede. Mittlerweile hat wohl Berlin die Nase vorn. Hast du dich bereits entschieden?

Aidan Knight: Meine Frau Julia und ich haben lange überlegt. Nun haben wir uns für Berlin entschieden, und sind sehr froh darüber.

MusikBlog: Warum Berlin?

Aidan Knight: Ich habe mein ganzes bisheriges Leben in Victoria verbracht. Für mich, oder besser gesagt für uns, ist es einfach an der Zeit, etwas Neues in Angriff zu nehmen. Und was könnte spannender und aufregender sein als ein Umzug in ein fremdes Land? Für Berlin haben wir uns entschieden, weil wir hier mittlerweile schon ein paar Leute kennen. Die Stadt ist einfach faszinierend. Sie hat so viele verschiedene Facetten. Ich meine, ich kenne noch nicht allzu viel. Aber das, was ich bisher gesehen und mitbekommen habe, macht mich neugierig. Leipzig ist natürlich auch schön. Dort kenne ich allerdings niemanden. Ich war zweimal dort, habe toll gegessen, die Stadt bewundert und zwei Shows gespielt. Letztlich haben wir uns aber für Berlin entschieden.

MusikBlog: Wann geht’s los?

Aidan Knight: Wir stecken noch in der Planung. Das geht natürlich alles nicht von heute auf morgen. Da muss unendlich viel organisiert werden. Aber wir sind dabei und können es kaum erwarten. Wer weiß? Vielleicht treffen wir uns das nächste Mal in meinen eigenen Berliner vier Wänden.

MusikBlog: Wir werden sehen. Aber schon mal vorab: Vielen Dank für die Einladung.

Aidan Knight: Sehr gerne.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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