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Night Beats – Who Sold My Generation? – Tape Is Not Dead

Alles beginnt mit einem Tape-Rekorder. Nicht, dass die Wirkung der Night Beats nicht schon auf den ersten beiden Platten magnetisierend gewesen wäre: Nun hat das Trio sein neues Album auf Magnettonbändern aufgenommen, das mit einer vorgelesenen Benutzeranleitung des Geräts beginnt. Technisch betrachtet, hat jenes jedenfalls den schönen Effekt, dass die Gitarren der Band nun noch rauer und verschwommener klingen sowie die Perkussion noch besser durchdringt.

Dass das Material der Bänder nicht dilettantisch wirkt, liegt aber vermutlich nicht allein an der Spielfreude der Musiker, sondern auch an der helfenden Hand vom Black Rebel Motorcycle Club-Sänger und -Gitarristen Robert Levon Been. “Who Sold My Generation” präsentiert stolz eine ganze Walze, die mit feinstem Garage-Rock aufgedreht wurde. Unterkühlt lässig wie in “Burn To Breathe”, tanzbereit und mit Bläsern untersetzt in “Bad Love” – Danny Lee Blackwell und seine Kumpanen klingen insgesamt weniger poppig als Genre-Verwandte wie die Black Keys, dafür aber noch einen Staubkorn stubenreiner als etwa die Black Lips.

Um die Night Beats als Rockabilly bestempeln zu können, ist der Sound immer noch aber noch deutlich zu rough. Klangästhetisch setzen die drei ganz auf die Räumlichkeit.

Das produktionstechnisch altbackene Terrain sorgt zudem für eine nette Vintage-Signatur, die den Songs einen klassischen Anstrich verleiht. Nostalgisch werden die Herren aber nie. Die alte Schule auf “Right Wrong” demonstriert dabei, auf welche Weise auch Midtempo und simple Riffs melodische Spannung erzeugen können.

Doch die Band öffnet sich genauso auch anderen Bereichen. Die Spoken Words im Opener stehen Frontmann Blackwell mindestens genauso gut wie der verfranste Psychedelic seinen Bandkollegen. Im ersten Durchgang wirkt “Who Sold My Generation?” in seiner Struktur leicht repetitiv, doch mit ein wenig Konzentration ist es eigentlich unschwer, das stilistische Inventar hinter dem üppigen Verstärker-Rauschen zu entdecken.

Kaum meint man,  die orientalisch infizierten Gitarren in “Egypt Berry” haben sich ausgestöpselt, lässt sich das Trio noch zu einem hypnotischen Solo hinreißen, das sich nahtlos in die obsessiven Sets von Live-Bands wie Wolfmother integrieren ließe.

Wie zu erwarten war, liefern Night Beats einen ehrlichen Rock ab, der noch warmen Schweiß kennt. Den beherrschen sie in vielen Facetten. Doch wo wir schon beim Stichwort Ehrlichkeit sind: Trotz oder gerade wegen des cleveren Aufnahmearrangements, lässt sich der Eindruck nicht abschütteln, dass man das alles schon einmal in leicht abgewandelter Form gehört hat. Das muss einfach erwähnt werden – aber keineswegs stören.

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