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Tricky, DJ Milo, Luke Harris (Credit False Idols)

Tricky – Skilled Mechanics – Friends and Family

Sein Label False Idols scheint Tricky einen kreativen Schub verliehen zu haben. Inzwischen mit Home-Base in Berlin beschert er uns hochfrequent neues Material. Dabei sucht der umtriebigen Produzent und Musiker nicht nur nach Möglichkeiten der Veränderung seines eigenen Klangspektrums, sondern immer auch außergewöhnliche Stimmen und Partner für die Verwirklichung seiner Projekte.

Unter „Skilled Mechanics“ versteht der Mann aus Bristol ein loses Kooperations-Projekt, in dem alle Beteiligten gleichberechtigte Parts unter seiner Schirmherrschaft entwickeln können. Das Line-Up hat es in sich, von seinem alten Homie DJ Milo, über das False Idols-Tafelsilber Francesca Belmonte hin zur dänischen Songwriterin Oh Land und der Londoner Sängerin Renata Planton liest es sich wie eine Mischung aus Familientreffen und aktueller Setlist der experimentierfreudigen Musik-Szene.

Experimental nennt Adrian Thaws dann auch den Musikstil der Platte, ein Begriff,  der relativ treffend die Charakteristika der Songs beschreibt. Trip-meets Hip-Hop, dazu Minimal-Electronica und klassisches Rock-Band Equipment wird von, dem Albumtitel folgend, wahren Fach-Mechanikern zusammengefügt. Die Idee zu der Bezeichnung Skilled Machanics kam dem Schauspieler Tricky durch einen Spionage-Dokumentarfilm, der Kontakt zu diesen Spezialisten endete dort allerdings tödlich.

Mit „I’m Not Going“ leitet Oh Land die Platte ein, Gitarre und Bass bilden dazu ein Gerüst wie zu „Blowback“-Zeiten und begleiten die kurze Reise des gebremsten Tracks über die Tonspuren. Kurz sind in der Folge alle Stücke, nur zwei der dreizehn schaffen es über die 3-Minuten Marke. Weitere Gemeinsamkeit im Rest der Aufnahmen sind zum Einen, dass der flüsternde Sprechgesang von dem stimmlich schon in der Kindheit asthma-geschädigten Protagonisten verständlich ist. Zum Anderen, dass man den entspannten Lyrics selten das Happy End zutraut, unter der Oberfläche eher Dinge vermutet, die man lieber nicht sehen möchte.

Dem unfehlbaren Fischer im Stimmen-Ozean des Business ist diesmal die Chinesin Ivy 艾菲 ins Netz gegangen. Dancehall unterlegt rappt sie in „Beijing To Berlin“ einen harten Hybrid aus M.I.A. und Missy Elliot ins Mikro. Sie ist aber nicht das einzige Gesangstalent, welches aus dem Schatten tritt. In einer Pinkelpause während des Soundchecks faszinierte der vor sich hin trällernde Tour-Drummer Luke Harris den Meister und wurde sofort für vokale Aufgaben in Trickys Klang-Schmiede engagiert,  „Diving Away“ bestätigt diese Wahl.

Abwechslung steht weiter ganz oben auf der Speisekarte, ob im Piano getragenen Slipknot-Cover „Bother (klingt, als taumelt es über Radioheads „Kid A“), dem souligen „How`s Your Life“ hin zum pumpenden „Here My Dear“ oder dem träumerisch-warmen „We Begin“ – die musikalischen Ideen bleiben vielfältig und die Akteure beeindrucken mit Personality. Ein spätes Highlight ist das dahingerotzte „Well“ bevor „Unreal“ im Wortsinn die Platte schließt.

Ob Solo-Album oder Projektarbeit: Tricky befindet sich im x-ten Frühling und sprüht vor Ideen.

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