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Jeb Loy Nichols (Credit Richard Booth)

Jeb Loy Nichols – Long Time Traveller

Der Mann für die schnellen und doch tiefgründigen Nummern – er ist zurück. Denn Jeb Loy Nichols, der Kopfmensch mit Gitarre, packt recht gewissenhaft seinen knüppelvollen Koffer voller Dub-Spielereien mit dezenten Country-Auswüchsen und schnürt daraus ein Album – schon wieder. Über ein Dutzend entspannter Platten bescherte er uns bis dato, ein jähes Ende ist nicht in Sicht: Nachdem er als blutjunger Fellow Traveller in den 90ern rege die Musikwelt aufmischte, beschreitet er 20 Jahre später treu die gleichen Pfade, nun jedoch als herumgekommener „Long Time Traveller“.

Was sich seither änderte? Reinweg nichts. Denn aus seinen kritischen Gedankenreisen heraus holt uns Nichols immer wieder in der bitteren Gegenwart ab. Und das nur, um auf sanfte und tiefenentspannte Weise sein drückendes Unmut-Ventil am Rad unserer Gesellschaft laut zischen zu öffnen.

Einmal mehr haucht der Musiker demnach Themen von unbelehrbaren Moralaposteln für belehrbare Weltverbesserer auf eine Platte. „To Be Rich Should Be A Crime“ startet sogleich mit jenen kämpferischen Gedanken: Sinniert wird in aller Ruhe darüber, dass Moneten-Flüsse nur einer übel riechenden Quelle entspringen könnten. Off-Beat-Einstreuungen der Keys, Daddel-Synthesizer, hallige Stimme und ordentlich Delay – hier wird eben der Dub serviert, den man von Nichols gewohnt ist. Und das auf gleich zehn Tracks (bzw. 21 auf der Expanded Doppel-CD Edition mit ein paar Bonustiteln und alternativen Mixen).

Mit einer stoischen Allerwelts-Ruhe und gewöhnungsbedürftigem Mickey Mousing tastet sich der Musiker weiter voran – von idealistischen Gedanken wird hier niemand geschont („The Day You Came Over The Hill“). Doch auch vor den Alt- und Junglasten Nichols gibt es kein Entrinnen: „I lost the kingdom and the one who loved me“, jammert er über einer blechernen Snare in „I’m In Need Now“.

Doch die Hoffnung, die gibt der nachdrückliche Schwärmer nicht auf. So möge der knurrende Magen immer gefüllt, der gestählte Körper kerngesund, der bitteren Gerechtigkeit stets gezollt, Du an meiner Seite und mein Weg mir geebnet sein: Das sind die Gebete eines armen Mannes, wie der Musiker ihn in seinen eigenen entzündeten Augen gegenüber der unverständigen Gesellschaft darstellt („Poor Man’s Prayer“), empfinden ihn die unwissenden Leute doch als einen Nobody („Mr. Nobody“).

Wie immer, scheint Jeb Loy Nichols entsprechend aus einer dunstigen Nebelwolke zu uns zu singen. Das gebetsmühlenartige Wiederholen der Catchphrases in eiserner Lässigkeit malt eindringlich ein Bild von Dub-Protestsongs der milden Art. Sie handeln von den kleinen, alltäglichen Eigenarten und ihren facettenreichen Ausprägungen, die es stets zu beleuchten und verbessern gilt. Aus unergründbaren Tiefen und Gedankenspinnereien erzählt er so die belehrenden Fabeln eines Märchenonkels, doch lässt er das gute Ende dabei in der offenen Hinterhand. Denn so lange es noch an der Gesellschaft zu knabbern gilt, so lange werden eben diese Songs in die Welt hinausgesendet; Schließlich ist er hartnäckig, der Long Time Traveller.

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