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Junior Boys (Credit Tom Weatherill)

Junior Boys – Big Black Coat

Kann Musik wärmen? Oh ja, ganz sicher – zumindest haben Jeremy Greenspan und Matt Didemus alias Junior Boys genau das im Sinn: Als die beiden die Drum-Parts des Titeltracks einspielten, klang das in Greenspans Ohren wie ein dicker Mantel. Da er ausgerechnet an diesem Tag einen neuen, schwarzen Wintermantel gekauft hatte, stand der Titel für Track und Album sofort fest: „Big Black Coat“.

Das neue Album der Junior Boys soll die winterliche Stimmung ihrer Heimatstadt Hamilton, Ontario (Kanada) einfangen, und hört man aufmerksam zu, darf man sich Hamilton als postindustrielle Großstadt mit jeder Menge Platz vorstellen, der mit den sanften Beats der Junior Boys gefüllt werden kann.

Seit den späten 1990er Jahren, also seit Didemus und Greenspan zusammenarbeiten, steht die Marke „Junior Boys“ für Electro-Dance-Pop mit Techno-Anleihen, damit es nicht gar zu soft wird. Ihr bisher letztes Album „It’s All True“erschien 2011, in der Zwischenzeit waren Greenspan und Didemus jedoch keineswegs untätig: Sie produzierten Acts wie Caribou/Daphni und Jessy Lanza und sorgten so dafür, dass der unverwechselbare JB-Sound stets präsent blieb.

Mit „Big Black Coat“ nehmen sie den Ball nun selbst wieder auf und knüpfen an Bewährtes an: Der Opener „You Say That“ führt umstandslos ins Geschehen ein, und man fühlt sich sofort wohl und geborgen – und will gleichzeitig natürlich tanzen, tanzen, tanzen. Die Beats auf „Big Black Coat“ sind für den Dancefloor gemacht, mit Techno- und R’n’B-Reminiszenzen, dynamisch und federnd, jedoch immer einen Tick melancholisch. Definitiv kein Ballermann-Sound, eher was für nachdenkliche Brillenträger wie Caribou zum Beispiel, you name it.

Junior Boys können aber auch anders: Euphorisiert und funky nämlich, wie in der Coverversion von Bobby Caldwells „What You Won’t Do For Love“, das mit ordentlich Augenzwinkern daherkommt. Vor 1980er-Jahre-Chartspop im Stile Hall & Oates‘ verbeugen sich Greenspan und Didemus mit „Over It“, während sich Tracks wie „No One’s Business“ in Richtung Minimal und Dub orientieren.

Reduziert, dabei mit größtmöglich suggestiver Wirkung – sehr urban, beinah industrial, aber mit typisch JB-hafter Sanftheit. Der „Big Black Coat“ sollte in den ausgehenden Winterwochen in keinem Kleider-, äh, Plattenschrank fehlen.

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