M. Ward – More Rain – Entschleunigung als Antrieb

„More Rain“ bietet die von M. Ward gewohnte Architektur aus Singer/Songwriter-Gerüst mit countryesker Innenausstattung. Das Nickituch um den Hals macht sich hervorragend, wenn die Songs beim ersten Durchlauf quasi im Vorbeigehen genommen werden. Ein Colt wäre indes zu muskulös. Dafür ist die Musik zu zerbrechlich.

Der Wandergitarrist M. Ward aus Portland/ Oregon wusste aber bereits auf seinem Debüt „End Of Amnesia“ von 2001, wie sich auch mit lauen Lüftchen Staub aufwirbeln lässt.

Ist „Pirate Dial“ auf dem neuen Album noch ein schwelgerisches, beinahe klassisches Singer/Songwriter-Stück, das seine Atmosphäre an Jack Johnson und Elliott Smith schult, zieht Ward in den flotteren „Time Won’t Wait“ und „Confusion“ die tieferen Register seiner umfangreichen Stimme und gibt sich als kauzige Nachteule. Das hat bisweilen sogar Ähnlichkeiten mit Tom Waits.

„More Rain“ bleibt über die volle Distanz aber immer zutraulich. Das sind zwölf kleine Songs für Menschen, die den Highway lieber im Tempomat gesteuerten Elektroauto als im klackernden Pickup nehmen. Musik für diejenigen, die sie bevorzugt als Hintergrundrauschen konsumieren und dabei trotzdem nicht anspruchslos sind.

Je nach dem, was am Wegesrand grünt, zieht dann eventuell Koriander oder Klatschmohn durch die heruntergelassen Fensterscheibe, um in der hallgetränkten Dunstwolke zu verschwinden, die Wards dezent angerasselte Stimme umgibt. Sie ist sein größter Trumpf. Damit sie den nötigen Raum erhält, sind Nachhaltigkeit und Sparsamkeit bei der Instrumentierung oberste Maxime: Keiner der Songs ist verschwenderisch. Nirgends haftet ein Ton zu viel auf den Rippen. Gerade deshalb kommt das Album just in time durchs Ziel.

Für alle, die das bis dahin noch nicht verstanden haben, übersetzt Matthew “Matt” Ward in „Slow Driving Man“ die Aura seiner Songs in Lyrics: „This is a song about slow driving/ And I think I can go slower than you can“. Entschleunigung als Antrieb und erstrebenswertes Vehikel. Wer sich nach dem Hören dieser Platte noch stressen lässt, ist selbst schuld.

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