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Der Markt ist übersättigt – Kapnorth im Interview

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Als kleiner Band-Stern am großen Rock- und Pop-Firmament hat man es nicht leicht. Überall leuchtet die Konkurrenz – Das Internet macht’s möglich. Man ist schon lange nicht mehr allein. Alle wollen ein Stück vom großen Kuchen abhaben. Aber nur die Wenigsten erlangen Aufmerksamkeit. Was soll man also tun? Einfach ein Album nach dem nächsten veröffentlichen und hoffen, dass es irgendwann einmal knallt? Oder sich die Füße wundtouren? Die Schweizer Band Kapnorth hat sich für einen neuen Weg entschieden. Neben der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Dematerealize“ dürfen sich die Anhänger der Luzerner zeitgleich über ein visuelles Begleitprogramm zum Album freuen. Soll heißen: Alle zehn Songs des Albums bekommen einen aufwendig produzierten Video-Clip an die Seite gestellt. Und obendrauf gibt’s am Ende auch noch einen kompletten Film zum Nachtisch. Wir sind beeindruckt und verabreden uns zum Gespräch. Und zwar mit David Buntschu, dem Gitarristen der Band.

MusikBlog: David, viele Experten behaupten, dass das Internet und die fortschreitenden technischen Möglichkeiten ein Segen für aufstrebende neue Bands wären. Ihr seht das anders, oder?

David Buntschu: Jein. (lacht) Der Fortschritt ist schon sehr hilfreich. Junge Bands können sich heutzutage viel schneller und unkomplizierter vermarkten. Man muss nicht mehr jahrelang im Proberaum schuften und den klassischen Weg über unzählige kleine Bühnen gehen. Man kann heutzutage an jeder Ecke einen Song aufnehmen. Man braucht kein Studio mehr dafür. Mitunter reicht sogar ein Handy. Das fertige Produkt schickt man dann einfach via World Wide Web in die Welt hinaus. Und mit etwas Glück kommt man groß raus. Das sind die Vorteile. Es gibt aber natürlich auch Schattenseiten.

MusikBlog: Die wären?

David Buntschu: Nun, der Markt ist natürlich übersättigt. Neue Bands schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Business ist dadurch unglaublich schnelllebig geworden. Wer heute oben ist, der kann nächste Woche schon wieder abtauchen. Und viele Bands und Künstler kommen erst gar nicht gegen die Massen an. Man muss sich also etwas einfallen lassen.

MusikBlog: Das habt ihr getan. Ihr veröffentlicht demnächst euer zweites Album „Dematerealize“. Das ist aber nicht alles. Zeitgleich präsentiert ihr auch noch zehn Video-Clips zum Album. Und für den kommenden Herbst ist auch noch ein kompletter Film geplant. Klingt nach viel Arbeit.

David Buntschu: Ja, das stimmt. Glücklicherweise konnten wir das Schnüren des Gesamtpaketes aber auf mehrere Schultern verteilen.

MusikBlog: Ihr habt verschiedenen Filmemachern künstlerische Freifahrtscheine ausgestellt.

David Buntschu: Genau. Die meisten kommen aus Luzern. Viele kannten wir auch schon vorher. Wir fanden es einfach wichtig, dass sich die Leute ihre eigenen Gedanken zum Video machen. Sie sollten viel Spielraum haben und sich nicht irgendwie eingeengt fühlen. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Zum einen hätten wir alles gar nicht alleine stemmen können. Und zum anderen sprechen die Ergebnisse für sich. Es sind tolle Videos entstanden.

MusikBlog: Ein kostspieliges Vergnügen?

David Buntschu: Jeder Filmemacher hat ein Honorar erhalten. Das Geld dafür haben wir mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne zusammengetragen.

MusikBlog: Was versprecht ihr euch von dem Projekt?

David Buntschu: In erster Linie hoffen wir, dass das neue Album länger im Gespräch bleibt. Normalerweise ist es doch so: Man trifft sich, schreibt Songs, produziert ein Album und geht danach auf Tour. Für eine Band unserer Größenordnung bedeutet das im Normalfall, dass wir für ein knappes halbes Jahr ausgelastet sind. Das ist uns aber zu wenig. Wir wollen, dass sich die Leute länger mit unserer Musik beschäftigen. Die Video-Clips und der Film werden dafür ihren Beitrag leisten. Da bin ich mir sehr sicher.

MusikBlog: Sigur Rós sind schon mal einen ähnlichen Weg gegangen. Haben euch die Isländer inspiriert?

David Buntschu: Natürlich kennen wir die Band und ihren Werdegang. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass sie uns inspiriert hätten. Wir haben das Ganze eher aus dem Bauch heraus entschieden.

MusikBlog: Lass uns übers Album sprechen. Ich höre Alternative Rockmusik mit Einflüssen aus Post-Rock, Klassik und Jazz. Im Vergleich zum Vorgänger klingt alles ein bisschen komprimierter. Weniger ist mehr?

David Buntschu: Ja, auf jeden Fall. Wir haben bewusst reduzierter gearbeitet. Dennoch klingt das Album wie ein Kapnorth-Album.

MusikBlog: Inhaltlich geht es um die Rückkehr zum gefühlten Kern eines jeden Einzelnen. Sprich:  Weg vom Materialismus, hin zur Emotionalität. Man könnte schon fast von einem Konzeptalbum sprechen.

David Buntschu: Wir haben in der letzten Zeit einfach verstärkt festgestellt, dass es weitaus Wichtigeres gibt, als das permanente Stapeln von neuem Wissen. Jeder ist nur noch auf der Suche nach der nächsten Antwort. Das bereitet uns Sorgen. Wir als Band sind da genauso betroffen. Wir haben das Ganze als Freunde begonnen. Und so soll es auch bleiben. Für uns steht das Miteinander immer an erster Stelle. Wenn aber jeder der Meinung ist, hinter jeder neuen Tür gucken zu müssen, dann verliert man sich irgendwann zwangsläufig aus den Augen. Und das wollen wir vermeiden. Insofern hat der Inhalt des neuen Albums auch ganz viel mit uns als Band zu tun.

MusikBlog: So ein Zusammenhalt hat schon so mancher Band nach oben geholfen. Wie sieht’s mit Träumen aus?

David Buntschu: Wir sind glücklich und zufrieden. Nur das zählt. Es wäre natürlich schön, wenn uns irgendeine größere Band mal mit auf Tour nehmen würde. Aber für den Moment: Alles gut. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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