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Der Zeigefinger allein reicht uns nicht aus – OK KID im Interview

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Mit ihrem zweiten Album wollen OK KID die Türen zum nationalen Pop-Olymp ganz weit aufstoßen. Die Promobteilung der Band ist sich jedenfalls sicher, dass die Exil-Gießener mit „Zwei“ nun endgültig in der Topliga der deutschen Bands ankommen werden. So viel Euphorie und Enthusiasmus wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und so trafen wir uns in Berlin mit Sänger Jonas Schubert zum Gespräch und plauderten über befreiende Momente, spannende Kollaborationen und erhobene Zeigefinger.

MusikBlog: Jona, die Ankündigung eures neuen Albums „Zwei“ marschiert gerade mit viel Tamtam durch die Medien. Was ist so besonders an dem Album?

Jonas Schubert: Es ist ein sehr persönliches Album geworden. Die Themen auf dem neuen Album wurden zwar teilweise auch schon in der Vergangenheit angerissen. Aber diesmal ist der Blickwinkel anders. Das ist für mich das Spannendste an der neuen Platte. Man merkt einfach, dass wir uns entwickelt haben.

MusikBlog: Laut Pressetext habt ihr die Ego- durch die Vogelperspektive ersetzt. Wie kam’s dazu?

Jonas Schubert: Als wir anfingen, hatten wir alle keinen Plan. Wir hatten keine Kohle, es wurden Studiengänge abgebrochen und wir lebten mehr oder weniger in den Tag hinein. In so einer Situation fühlt man sich irgendwie verloren. Man hadert dann natürlich viel mit sich selbst. Man stellt sich Fragen und ist so einer Ego-Blase gefangen, aus der man schwer rauskommt. Die Musik war damals wie eine Flucht für uns. Ich meine, so eine Zeile wie „ich will nur, dass du weißt, dass ich nicht weiß, was ich will“ sagt ja eigentlich schon alles. Genauso haben wir uns auch gefühlt. Irgendwann wurde uns dann allerdings klar, dass das mit der Musik mehr ist. Als uns die ersten Leute auf die Schultern klopften, war das wie eine Befreiung. Da hatten wir plötzlich ein Ziel vor Augen. Das war so der Knackpunkt. Seitdem sind wir nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich gewachsen. Wir haben jetzt quasi alle unseren Platz im Leben gefunden. Das war ein ganz wichtiger Schritt.

MusikBlog: Mittlerweile heißt es auch: „Ich will nur, dass du weißt, dass ich weiß ,was ich will“ (aus dem Song „Kaffee Warm Pt.3“). Gutes Gefühl?

Jonas Schubert: Auf jeden Fall. Dieses Gefühl, dass man sich verloren fühlt, ist weg. Und das hört man auch auf dem neuen Album.

MusikBlog: So eine Entwicklung macht man ja nicht von heute auf morgen durch. Ist das auch der Grund, warum das neue Album erst jetzt erscheint, knapp drei Jahre nach eurem Debüt?

Jonas Schubert: Naja, eigentlich haben wir ja nur zwei Jahre nichts Neues veröffentlicht. Zwischendurch gab es ja noch eine EP mit fünf neuen Songs und fünf dazugehörigen Videos. Wir haben uns also nicht ewig verkrochen. Live waren wir ja auch viel unterwegs. Aber du hast natürlich auch Recht: Mit einem gefestigteren Plan im Kopf wäre das neue Album vielleicht schon im vergangenen Jahr erschienen. So brauchten wir noch etwas Zeit.

MusikBlog: Auch in punkto Sound hat sich einiges getan. Ihr lasst euch zwar genretechnisch immer noch nicht so richtig einfangen. Aber ihr geht schon zielgerichteter zur Sache.

Jonas Schubert: Ja. Wir sind nicht mehr auf der Suche nach einem eigenen Sound. Das konnten wir mit diesem Album abschließen.

MusikBlog: Der musikalisch rote Faden ist allgegenwärtig. Dann bringt ihr aber plötzlich zwei Features an den Start, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Rede ist von Frank Spilker, der euch auf dem Track „U-Bahnstation“ unterstützt und Megaloh, der im Song „5. Rad Am Wagen“ mitrappt.

Jonas Schubert: Nun, die Tatsache, dass wir unseren Sound gefunden haben, bedeutet ja nicht gleichzeitig Stagnation. Wir sind immer noch offen für Neues. Und mit diesen beiden Songs beweisen wir das auch. Da ist dieser Indie-Rock-Vibe auf der einen Seite. Und ein paar Minuten später gibt’s dann bombastischen Hip-Hop mit Megaloh um die Ohren. So muss es sein. (lacht)

MusikBlog: Schlussendlich klingt es aber immer nach OK KID.

Jonas Schubert: Das ist auch das Wichtigste. Wir sind keine Band, die klingen will wie die Kollegen X, Y oder Z. Natürlich lassen wir uns unbewusst auch inspirieren. Aber der Kern des Ganzen entsteht in unseren vier Wänden. Wir gehen nicht raus und sagen: Das nächste Album geht in Richtung Stadion! Wir sagen auch nicht: In zwei Jahren wollen wir so oder so klingen. Das sind wir nicht. So waren wir noch nie. Wir wissen mittlerweile, dass wir so ziemlich alles selbst gebacken bekommen. Und so verfahren wir auch.

MusikBlog: Wie würden OK KID denn klingen, wenn ihr euch nach den Sounds richten würdet, die bei euch daheim im CD-Regal stehen?

Jonas Schubert: Das wäre Chaos pur. (lacht) Unsere Geschmäcker sind so verschieden. Moritz beispielsweise steht total auf qualitativ hochwertigen Indie-Pop. Ich bin mit klassischem Hip-Hop groß geworden. Ich hatte aber auch Phasen, in denen ich Punk und Hardcore in mich aufgesogen habe. Und bei Raffael ist das ähnlich. Der ist auch offen für alles. Im Grunde genommen bedienen wir uns ja auch aus diesem persönlichen Fundus. Das passiert aber eher unbewusst. Würden wir da einem Konzept folgen, würden wir wie fünf oder sechs verschiedene Bands klingen. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen nur wie OK KID klingen.

MusikBlog: Noch einmal zurück zu den beiden Features: Warum gerade diese beiden Herren?

Jonas Schubert: Megaloh ist für uns momentan einfach der hellste Stern am nationalen Hip-Hop-Himmel. Der liefert halt ab. Und das in Perfektion. Und die Sache mit Frank Spilker war auch relativ schnell klar. Ich meine, wir waren nie große Freunde der Hamburger Schule. Ich fand aber auch nicht, dass Die Sterne dazugehörten. Die hatten immer eine ganz andere Sprach- und Sound-Ästhetik am Start. Der Song, den wir dann hatten, der schrie förmlich nach einer konsequenten Umsetzung. „U-Bahnstation“ klang schon ohne Franks Stimme wie ein Song, der irgendwie rausragte. Und mit seiner Stimme wurde dann auch eine Schleife drum gemacht. Das perfekte Paket, wie ich finde.

MusikBlog: Wie war denn das erste Zusammentreffen?

Jonas Schubert: Ganz entspannt. Wir haben einfach angefragt. Dann haben wir uns in Hamburg zum Essen getroffen, danach noch ein paar Bierchen gezwitschert und am nächsten Tag hat er dann seinen Part aufgenommen. Ganz locker.

MusikBlog: Neben den beiden Features gibt es noch einen Song namens „Gute Menschen“, der mich besonders beeindruckt hat. Der Titel ist zwar Programm. Ihr seid hier aber mit einem Mehrschicht-Konzept rangegangen. Warum?

Jonas Schubert: Wir sind keine Band, die mit einem politisch eindimensionalen Song sonderlich glücklich wäre. Der Zeigefinger allein reicht uns nicht aus. Wir wollen die Leute nicht belehren, sondern ihnen den Spiegel vorhalten. Und das mit einer gewissen Ironie und einem leichten Hang zum Klischeehaften. Ich denke, dass sich all die „Guten Menschen“ so viel eher angesprochen fühlen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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