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Night Moves (Credit Bryan Derballa)

Night Moves – Pennied Days

Ein gleichnamiger Kinofilm und eine Newcomer-Indie-Band teilten sich vor drei Jahren die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Popkultur betrachtenden Medien.

Auch wenn das Debüt „Colored Emotions“ überwiegend wohlmeinend aufgenommen wurde, erging es der Band ähnlich wie dem Kinofilm mit Starbesetzung: Night Moves – wer? Bei einer Indie-Band ist das indes noch kein Todesurteil. Night Moves also sind eine mittlerweile zum Duo geschrumpfte Indie-Pop/Dream-Pop-Band aus den Twin Cities Minneapolis/Saint Paul.

Zwar hat das enorme, aber bevölkerungskarge Minnesota Bob Dylan und Prince hervorgebracht, abseits beider nicht dort musikalisch den Durchbruch geschafft habender Ikonen kennt der Nordsternstaat aber mittlerweile eine ganz solide Indie-Szene.

Ob im Singer/Songwriter-Folk eine Caroline Smith, ob im Hip-Hop Brother Ali oder eben im dreamy dreamy Indie Pop John Pelant und Micky Alfano mit Night Moves: In den Twin Cities gärt einiges und nicht wenige sehen hier eine blühende Musiklandschaft der noch ungentrifizierten Möglichkeiten.

Pelant und Alfano zeigen auf ihrem zweiten Album, dass sie die seichte, sommerlich warme, brisenhaft dahinplätschernde Spielart des Indie-Pop vollständig verinnerlicht haben. Hier gibt’s nur Kuschelweiches und betörend hohe Männerstimmen.

Zu Beginn geht das auch ganz hübsch auf und „Pennied Days“ lässt den Frühling in die Stube („Carl Sagan“ und „Denise“). Aber die Dauerpenetration des Dream-Pop mit seiner verträumten Seichtheit, seiner der Problemhaftigkeit der Welt vollkommen abgewandten Harmlosigkeit fährt auch dieses träumerische Banal-Pop-Werk vor die harte Betonwand der Bedeutungslosigkeit.

Schön, dass Männer nicht mehr gefühlskalte Dumpfbacken sein müssen. Noch schöner, dass Ausdruck von Sensibilität ein gesunder Standard geworden ist für musizierende junge Kerle. Aber gar keine Ecken und Kanten, keinerlei Reibung und Widerstand machen das Derivat, welches Night Moves uns in das Ohr zu träufeln gedenken, zu einem gefährlichen Lebensmotto.

Wie gesagt, zunächst ganz hübsch, kippt das Pendel ab der Mitte des Albums und des unsäglichen Sing-Sangs auf „Kind Luck“ stark in Nichts-sehen-nichts-hören-nichts-sagen-Biedereien. Empört euch, #blacklivesmatter und Refugees Welcome sind mit so einem Soundtrack unvereinbar. Pop kann mehr. Soft sein muss nicht heißen harmlos sein.

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