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Samy Deluxe (Credit Pascal Kerouche)

Samy Deluxe – Berühmte letzte Worte

Was denn, hat hier jemand die Nase voll und will Feierabend machen? Oder angesichts des seit Monaten anhaltenden Musikersterbens vorsichtshalber sein Testament verfassen? Trifft beides nicht zu, Samy Deluxe macht auf „Berühmte letzte Worte“ eine Bestandsaufnahme seines zwanzigjährigen Wirkens um und für den deutschen Sprechgesang.

Dabei hat es der Rapper und Gastwirt seinen Fans in den Jahren nach „SchwarzWeiss“ nicht unbedingt leicht gemacht. Was er unter dem Pseudonym Herr Sorge verbreitete, trieb manchem Anhänger den kalten Schweiß auf die Stirn, sein 2012er Werk „Männlich“ wahr trotz hoher Chartplazierung für seine Verhältnisse eher verhalten, auch sein Antritt bei „Sing meinen Song“ erschien zuletzt einigen durchaus suspekt.

Nach der deutlichen, zur Agitatorpose auf dem Cover passenden, Ansage an sämtlichen, szeneschädigenden Kram im „Vorwort“ greift der Hip-Hop Pionier auf seinen neuen Album auf, was ihn an genau die Stelle verortet hat, an der er sich jetzt befindet.

Jede Menge Autobiografisches hat er an Bord, der Migrationshintergrund und sein Einsatz als „oberster Sozialarbeiter Deutschlands“ („Mimimi“), genauso wie die liebevoll-unsentimentale Hommage an seine Mutter („ Von Dir Mama“) und sehr persönliche Einsichten in die Rapper-Seele („Was Ich Fühl“).

Gespart wird aber auch nicht am Zweifel um das Erreichen der eigenen Fan-Base („Countdown“) oder an Selbstkritik im bewegenden Gruß an den in der Ferne lebenden Sohn („Papa Weint Nicht“).

Dabei bleibt natürlich der Blick auf das tagesaktuelle Geschehen nicht außen vor. Die Wortsalven, die er im Vorab Video „Klopapier“ über den Beat nagelt, finden sich auch im weiteren Verlauf der Platte wieder. Es wird über den „Tellerrand“ geschaut.

Es dreht sich natürlich um die brennenden Fragen, die das Land umtreiben, Flüchtlinge, Asyl aber auch darum, wie waffenexportierende Nationen diesen Zustand weiter befeuern. Unter der Hektik von „Bisschen Mein Ding“ oder dem Lindenbergschen Nuschel-Slang von „Epochalität“ leiden jedoch die Lyrics.

Über den größten Teil der Platte zeigt Samsemilia, warum er hierzulande als einer der Besten seines Genres gilt und worauf seine Credibility basiert: dem Transportieren der großen und kleinen Storys mit fast schon physisch greifbarer Liebe zum Hip-Hop. Je reduzierter das Ganze, desto besser.

 

Nachdem er sein musikalisches Grundgerüst schon vorher mit Einflüssen aus Reggae, Soul und Dancehall erweiterte, hat Samy Deluxe dieser Platte gemeinsam mit Produzent Bazzazian eine soulige Grundnote verpasst. Den vielleicht stärksten Moment erleben die Aufnahmen, wenn sich das Ganze opulent aufbläst, so dass sich das Peter Fox basierte „Haus Am Mehr“ zum Album-Highlight entwickelt und der bärenstarke Track „Mittendrin“, dem Yàkoto eine griffige Hook-Line beisteuert, zum Earcatcher wird.

„Ich feier meine Emotionen, bevor sie meine Seele klonen“ rappt der MC mit dem Faible für alte Möbel auf der Platte. Schön, dass wir an der Party teilhaben dürfen.

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