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Sophia (Credit Philip Lethen)

Sophia – As We Make Our Way (Unknown Harbours)

Sieben Jahre hat Sophia-Mastermind Robin Proper-Sheppard kein neues Studio-Album mit der Band veröffentlicht. Untätig war er deshalb nicht, produzierte aufstrebenden Nachwuchs und schrieb rund 50 neue Stücke, von denen es jetzt zehn auf „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ geschafft haben.

Die Verarbeitung gescheiterter Zweisamkeit (Stichwort: Trennung am Valentinstag) und die Tragik der Schattenseite des sozialen Gefüges waren die Themen, aus denen er kleine Meisterwerke formte.

Zelebriert mit einer fast masochistischen Leidensfähigkeit erspielte sich das ehemalige The-God-Machine-Mitglied damit eine überschaubare, aber treue Fangemeinde.

2016 stellt er sich und Sophia inhaltlich breiter auf. Natürlich ist wieder Zwischenmenschliches an Bord, aber auch die Erfahrungen seiner jüngeren Biographie trieben ihn beim Komponieren um.

Die neue Sicht auf seine alte Heimat Kalifornien, in die er (einer auslaufenden Aufenthaltsgenehmigung für Europa geschuldeten) zeitlich begrenzt zurückkehrte, bekommt ebenso Raum wie die Verlegung seines Lebensmittelpunktes von Großbritannien nach Belgien.

„The Drifter“ heißt dann auch ein Schlüsselstück der Platte und berichtet vom Unsteten, lässt Orte wie Bilder vorbeiziehen. Letztlich fand Robin seinen Ankerplatz losgelöst von geographischem Standpunkt in sich selbst.

Schwer tat sich Proper-Sheppard hingegen beim Songwriting, war sich nicht sicher, ob er die richtigen Formulierungen für seine aktuellen Anliegen traf. Diesen manchmal stockenden Prozess unterstützte nicht unwesentlich sein Schlagzeuger Jeff Townsin hinweg, dessen Zuspruch ihn stets vorwärts trieb.

Der Sound von „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ bewegt sich auf den Wegen, die man von „People Are Like Seasons“ bis „There Are No Goodbyes“ von Sophia schätzt und liebt.

Das Piano im instrumentalen Opener „Unknown Harbours“ zieht eine tiefe Furche des Aufbruchs zu neuen Ufern durch den Track, „Resisting“ bäumt sich zur Klangwelle auf, hinter deren Scheitelpunkt sich die Melodie in ein melancholisches Delta ergießt.

„Blame“ bietet lupenreinen Indie-Pop, während „Don`t Ask“ wie „Baby, Hold On“ andächtig verhalten die Poesie des Erzählers begleiten.

Zwischen all der souveränen Eleganz klassischer Sophia-Momente gibt es Frisches zu entdecken, so wie die Betonung von synthetischen Klängen, die „You Say It`s Alright“ kennzeichnen, oder die Effekte, die „St.Tropez/The Hustle“ prägen.

Die Quelle dieser Inspiration findet sich im Erfahrungsaustausch des Wahl-Brüsselers mit Studenten eines Musik-Design-Studienganges am dortigen Konservatoriums. Robin experimentierte mit geliehenen Instrumenten, testete deren Wirkung auf seine Stücke, um eigene Klangvorstellungen damit zu erweitern.

Diesmal setzt Sophia nicht alles auf die Schwermut-Karte, der warnende Rausschmeißer „It’s Easy To Be Lonely“ bricht eine Lanze für den Mut nach Enttäuschungen, den Weg in einen neuen Hafen zu suchen.

Die Band, die niemand kennt, wie Proper-Sheppard während der Konzerte gern kokettiert, hat wieder Perlen in der Indie-Landschaft hinterlegt, deren Glanz mit jedem Hören heller strahlt.

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