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Suuns – Hold/Still – Komatös, doch auf den Beinen

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Suuns sind nicht nur der düsterste Output des Qualitätslabels Secretly Canadian, sondern auch sowas wie der Wärmekissen-Export aus Kanada. Gelagert hat das Quartett aus Montreal seine Aufnahmen in stoisch unterkühltem Electronica. Dann spürt man auf einmal die Wärme-Funktion: Beats knicken ein, die Kaltfront verwandelt sich in warme Gitarren-Arrangements und Sänger Ben Shamie deaktiviert den Lethargie-Modus; seine Stimme wirkt plötzlich gefestigter, seine Präsenz greifbarer. Die Metamorphose ist perfekt, zumindest am Ende des dritten Studioalbums „Hold/Still“ von Suuns.

Greifbarer als der noch eher abstrakt-verwaschene Dissonanz-Rock des arabischen Klangmustern zugewandten Vorgängers ist „Hold/Still“ aber ohnehin auf ganzer Strecke geworden. Das ist Suuns vor allem durch einen konsequenten Reduktionismus gelungen. Gerade in ihrer Spärlichkeit eingesetzt, wirken die Gitarren noch zentraler. Erst jetzt erscheint das Attribut minimalistisch als adäquate Beschreibung für das Schaffen jener Band, die ihren Reiz vor allem durch die unvorhersehbaren Kompositionsstrukturen gewinnt.

Minimalismus bedeutet hier aber keineswegs eindimensional. Obwohl das Album vor allem durch seinen dichte Atmosphäre trumpfen kann, speisen Suuns ihren stets leicht morbiden Electronica aus unterschiedlichsten Spektren.

Nicht auszuschließen, dass Sänger Shamie gerne Radiohead und Blonde Redhead hört. Man könnte sich ihn aber auch durchaus als Ian Curtis-Riesenfan vorstellen. Und Gitarrist Joe Yarmush könnte sich seine minutiösen Riffs durchaus von Metal-Bands abgeschaut haben.

In den Vordergrund tritt jedenfalls immer stärker der größtenteils benebelte, Spoken Words-hafte Gesang von Shamie, der sich auf redundanten Gitarren und düsteren Synthie-Nebelwolken ausstreckt.

Stilistisch sind Suuns dabei sowohl Psychedelic wie Drone, orientieren sich format-technisch weder an Song noch Track: „Resistance“ etwa basiert nahezu nur auf einem geloopten und ordentlich durchs Feedback gejagten Powerchord. Und auch „UN-NO“ deutet den Höhepunkt mit seiner gespreizten Sirenen-Gitarre immer nur an, in dem es die schrillsten Töne einfach nochmals wiederholt.

Suuns konfrontieren sich selbst und den Hörer auf diese Weise mit gnadenlos repetitivem Klang, in dem sie allerdings auch die Möglichkeit von Wandel und Kontingenz erfahrbar machen.

Die extrem präzise eingespielten Gitarren passen sich den elektronischen Konturen nahtlos an, doch vereinzelt werden auch Soloausbrüche angedeutet. Das komatöse Flair droht immer wieder in Rave und Eskalation zu kippen. Das passiert zwar nicht, doch dafür verschwinden gen Ende die Verfremdungseffekte am Mikro, die phasenweise noch an Julian Casablancas erinnert haben.

In „Nobody Can Save Me Now“ vernimmt man hingegen akustische Gitarren und die nackte Stimme von Shamie. Selbst der Abschluss „Infinity“ klingt für Bandverhältnisse angenehm gelöst – und trotz rapidem Schnittende überraschend nahbar. Gerade diese sublimen Stimmungswechsel machen Suuns so wahnsinnig enigmatisch und „Hold/Still“ zum bisher raffiniertesten Album ihrer bisherigen Bandlaufbahn.

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