Hört man sich derzeit auf Insel ein bisschen um und fragt nach dem momentan hellsten Stern am Indiepop-Himmel, wird man relativ schnell mit dem Namen Oscar konfrontiert. Der Londoner kann aber auch was. Mit seinem tiefen Bariton und der musikalischen Mixtur aus Lo-Fi-Rock und Indiepop bewirbt sich der Sänger gerade mit Nachdruck um den Newcomer des Jahres-Titel. Wir trafen uns mit Oscar in Berlin zum Gespräch und plauderten über die Entstehung seines Debütalbums “Cut And Paste“, Egomomente und die Magie der Bühne.

MusikBlog: Oscar, du bist schon ziemlich lange musikalisch aktiv. Dieser Tage erscheint aber erst dein Debütalbum “Cut And Paste”. Warum die Wartezeit?

Oscar: Das Debütalbum sollte man nicht übers Knie brechen. Ich weiß, viele Leute werden jetzt sagen: Der eine oder andere Song des Albums hat doch bereits fast zehn Jahre auf dem Buckel. Und wie man da von “übers Knie brechen” sprechen kann? Aber für mich fühlen sich die Songs immer noch frisch und neu an. Ich wollte einfach so lange warten, bis ich rundum zufrieden bin. Und das hat nun mal ein bisschen gedauert.

MusikBlog: Wie lange hast du denn im Endeffekt an der Produktion des Ganzen geschraubt?

Oscar: Das Gesamtpaket hat mich in etwa fünf Jahre auf Trab gehalten. Aber ich denke, die Zeit des Wartens hat sich gelohnt.

MusikBlog: Das sehen viele andere Leute auch so. In deiner Heimat Großbritannien adelt man dich bereits als DIE Entdeckung des Jahres.

Oscar: Naja, wir Briten… (lacht)

MusikBlog: …neigen dazu, schnell mit Superlativen bei der Hand zu sein?

Oscar: Ja. Das ist doch nichts Neues. Ich meine, ich freue mich natürlich über all die positive Resonanz. Aber das ist für mich nur eine Momentaufnahme. Ich fühle mich nicht wie die Entdeckung des Jahres. Ich hätte da wahrscheinlich ganz andere Kollegen auf dem Zettel. Aber gut, es ist, wie es ist. Nun habe ich den Salat. (lacht)

MusikBlog: Was hat sich denn seit deiner “Entdeckung” in deinem Leben verändert?

Oscar: Nicht viel, um ehrlich zu sein. Natürlich werde ich mittlerweile manchmal auf der Straße angesprochen. Aber das sind Ausnahmen. Momentan fühle ich mich noch sehr wohl in meiner Haut. Ich hoffe, das bleibt auch so.

MusikBlog: Deine Karriere hätte auch anders verlaufen können. Du bist eigentlich mit klassischer Musik groß aufgewachsen.

Oscar: Ja, das stimmt. Ich habe bereits mit sechs Jahren Klavier gespielt. Das war mein Einstieg in die Musik. Irgendwann hat aber die Popmusik das Ruder übernommen. Seitdem bin ich ihr verfallen.

MusikBlog: Welche Rolle spielt klassische Musik noch in deinem Leben?

Oscar: Eine sehr große. Ich glaube, dass mir die meisten Melodien und Harmonien auf meinem Album so nicht zugeflogen wären, wenn ich keine klassische Ausbildung genossen hätte. Klassische Musik basiert auf Melodien. Das ist das A und O. Da geht es nicht um Strophen oder Refrains. Es geht immer um die perfekte Harmonie. Und genau dieser Ansatz steht auch bei meinem Album im Fokus.

MusikBlog: Es gibt auch viele rockige Anstriche auf deinem Debütalbum.

Oscar: Mir ist Ausgewogenheit sehr wichtig. Ich stehe total auf verzerrte Gitarren. Ich bin aber auch ein Kind der Melodie. Mir geht es darum, den für mich perfekten Brückenschlag hinzubekommen.

MusikBlog: Du hast dich vor deiner Solo-Laufbahn auch in mehreren Bands versucht. War nicht so dein Ding?

Oscar: Nein. (lacht) Ich bin jemand, der am Ende des Tages gerne das letzte Wort hat.

MusikBlog: Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir das bewusst wurde?

Oscar: Ja, in der Tat. Ich kann mich noch gut an die letzte Show im Kollektiv erinnern. Ich war, glaube ich, 19. Da war dieser Song, den ich geschrieben hatte. Er hieß “Wednesday”. Den fand ich ganz toll. Ich schrieb ihn aber zwei Tage vor unserem letzten Konzert. Wir hatten also kaum Zeit. Ich schlug dann vor, den Song alleine zu performen. Die anderen Bandmitglieder sagten dann: Wenn du das machst, schmeißen wir dich aus der Band. Naja, ich hab’s dann einfach gewagt. Und der Song kam total gut an. Nur eben nicht bei meiner Band. Die haben mich dann tatsächlich am nächsten Tag rausgeschmissen. Das war quasi der Startschuss für meine Solo-Karriere.

MusikBlog: Wow! Man sollte den Jungs heute dankbar sein.

Oscar: Auf jeden Fall. (lacht)

MusikBlog: Neben der Musik beschäftigst du dich auch gerne mit visueller Kunst. Was fasziniert dich da besonders?

Oscar: Musik funktioniert heutzutage kaum noch ohne einen visuellen Anstrich. Wir leben nun mal im Zeitalter von YouTube und Co. Die Leute holen sich ihre Musik und ihre Lieblingskünstler nach Hause. Und da sollte man als Musiker natürlich liefern. Mir fällt das aber nicht schwer; denn mir war der visuelle Aspekt des Ganzen schon immer sehr wichtig. Ich finde es aufregend, wenn sich Musik mit anderer Kunst vermischt. Das ist spannend. Ich hoffe, dass mir diesbezüglich in Zukunft noch viel einfallen wird.

MusikBlog: Jetzt steht aber erst einmal ein großes Tour-Programm an. Bist du gerne unterwegs?

Oscar: Definitiv! Ich liebe es, unterwegs zu sein. Das Livespielen ist die Quelle des Ganzen. Hier sprudelt alles über. Die Interaktion mit dem Publikum, die Magie der Musik und die Energie des Ganzen sind Dinge, die man nicht beschreiben kann. Das ist wie ein Rausch. Ich liebe es.

MusikBlog: Bisherige Highlights?

Oscar: Unzählige! (lacht) Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Jedes Konzert ist ein einzigartiges Erlebnis. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein großes Festival oder um einen kleinen verschwitzten Club handelt. Ich genieße jeden Moment. Egal wo.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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