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onDeadWaves (Credit Cat Mook)

onDeadWaves – onDeadWaves

Alles andere als leblos sind die Wellen, die es aktuell an den Strand des altehrwürdigen britischen Label Mute spült. Das Debut von onDeadWaves surft auf der Lebendigkeit, die zwischen dunklen Emotionen, bitteren Erinnerungen, staubiger Schwüle und Chris Isaacs Beach Fantasien verortet ist.

Das Duo besteht aus der britische Singer/Songwriterin Polly Scattergood, die auf Mute bisher zwei Solo-Platten veröffentlichte, und James Chapman, der mit der Band Maps spätestens seit deren 2007er Album „We Can Create“ in der Indie Welt ein Begriff ist. Beim Short Circuit Festival ihrer Plattenfirma, bei dem verschiedene dort unter Vertrag stehende Künstler einmalig zusammen performten, folgte dem gemeinsamen Auftritt der Entschluss, weiter zusammen zu arbeiten.

Wenn das Volumen von Maps mit der Reduziertheit der Geschichtenerzählerin einen Konsens finden will, klingt das erst einmal nach ganz viel Kompromiss. Der war aber gar nicht nötig, unabhängig von der jeweiligen Solo-Karriere öffneten sich für alle Seiten neue musikalische Perspektiven. onDeadWaves Arbeit begann in Form einer lockeren Jam-Session, aus der sich schnell Songsstrukturen formten. Nach dem achten Stück war klar, dass es für ein ganzes Album reichen würde.

Am Ende sind es zehn Tracks geworden, in denen sich gedämpft-melancholischer Westcoast Sound mit Folk mischt, schlingernde Reverse-Gitarren auf akustische Arrangements treffen, um sich mit nebligen Dream-Pop zu verbinden. Obwohl in den bisherigen Karrieren der Protagonisten elektronische Klänge eine nicht unwesentliche Rolle spielten, wird auf deren Einsatz so weit wie möglich verzichtet.

Die Stimme Scattergood haucht mehr als sie singt, Chapmans Vocals folgen ihr als treuer, aber eigenständiger Schatten. Wenn sich im Opener „Blackbird“ aus dem mystischen Intro die Zeilen „My dreams are like summer and yours are like spring. Let`s sleep until sunrise, sing blackbird sing.“ schälen und eine Nancy & Lee (Nancy Sinatra and Lee Hazlewood) Aura verbreiten, ist man dem Zauber der Platte bereits erlegen.

Dem permanent Magischen, welches die  Single „Blue Inside“ bereits zwischen Schlafzimmer-Ästhetik und rationalisierten Gefühlsausbrüchen erzeugte, folgen die meisten Stücke. Stolz und Verletzlichkeit, melancholischer Augenaufschlag und zerlaufener Kajal in griffige Strophen und Refrains gepackt, sind der Stoff, aus dem hier Dramen generiert werden.

Die beiden können aber auch schneller. „California“ kommt als hell twangende Pop-Nummer daher, um selbstverständlich zu konstatieren, dass hinter der Hang-Loose Sunset-Kulisse ohnehin alle tot sind, während „Dead Ballons“ mit tapferen Optimismus gegen die Tragik seiner Story anspielt.

Wenn „Winter`s Child“ als Dream-Pop Variante eines Nick Cave/PJ Harvey Duetts die Platte beendet, haben es onDeadWaves geschafft, mindestens so zu begeistern wie auf allen ihren bisherigen Scattergood und Chapman Veröffentlichungen zusammen.

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