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Das war die Initialzündung – Throws im Interview

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Ursprünglich reiste Sam Genders nur nach Reykjavik, um mit seinem alten Kumpel Mike Lindsay in dessen Wahlheimat ein paar Bier zu trinken und in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen. Stattdessen standen am Ende dieser Reise die neue Gruppe Throws und ein neues Album der beiden Musiker, die 2003 die britische Folktronica-Band Tunng gegründet haben. Weil Sam Genders diese jedoch nach dem Album „Good Arrows“ 2007 verließ, um sich seinem neuen Projekt Diagrams zu widmen, ist „Throws“ nun das erste gemeinsame Album seit neun Jahren. Tunngs Mischung von Folk und elektronischen Elementen durchweht die zehn Songs, doch vor allem die kühlen Synthesizer und die Streicher des Quartetts Amiina verweisen auch immer wieder auf die besondere Atmosphäre Islands. Wir sprachen mit Sam Genders und Mike Lindsay über den Falsettgesang als Initialzündung von „Throws“, Island als magischen Ort und ungewöhnliche Ski-Techniken.

MusikBlog: In den neun Jahren seit eurem letzten gemeinsamen Tunng-Album „Good Arrows“ habt ihr unabhängig voneinander Musik veröffentlicht. Wann entstand die Idee, sich erneut zusammenzutun?

Mike Lindsay: 2014 haben wir uns nach längerer Zeit mal wieder getroffen und bei einigen Getränken festgestellt, dass es doch eigentlich schön wäre, wieder zusammen Musik zu machen. Irgendwann mal. Es hat dann aber noch ungefähr ein Jahr gedauert, bevor Sam wirklich nach Island kam und wir den Plan in die Tat umgesetzt haben. Wir hatten dabei keine Vorstellung, welche Musik wir machen wollten oder unter welchem Namen. Wir wussten nur, dass wir Musik machen mussten, weil wir uns wieder verliebt hatten. (lacht)

MusikBlog: Und wie lange hat es dann gedauert, bis ihr wusstet, das dabei ein neues Projekt entstanden ist?

Sam Genders: Uns war auf jeden Fall sehr schnell bewusst, dass die Sessions funktionieren und dass spannende Musik dabei herauskommt. Schon nach drei oder vier Tagen war ich mir sicher, dass irgendein Album aus diesen Sessions entstehen würde.

Mike Lindsay: Ungefähr drei Tage und viele, viele Bier später wussten wir es. Weil Sam plötzlich begann, in diesem Northern-Soul-Falsett zu singen. Das war die Initialzündung. Und das war außerdem etwas, was wir noch nicht auf einem anderen Album oder mit einem anderen Projekt getan hatten.

MusikBlog: Erinnert ihr euch noch, welcher Song das war, an dem ihr dabei geschrieben habt?

Mike Lindsay: Vielleicht war es sogar „The Harbour“, der jetzt auch auf dem Album am Anfang steht. Aber wir können uns nicht mehr genau erinnern.

MusikBlog: Ist der Gesangsstil für euch das einende Element der zehn Songs, die ja musikalisch recht vielfältig sind?

Sam Genders: Der Gesangsstil und die Produktion von Mike halten das Album zusammen. Mike hat ein gutes Gespür dafür, sehr unterschiedliche Themen zu einer Einheit zusammenzuführen. Dabei meine ich nicht unbedingt die inhaltliche Ebene der Texte, sondern eher das Gesamtgefüge. Auch wenn ein Song mal eine ungewöhnliche Richtung einschlägt oder aus der Reihe tanzt, fügt sich das Album dennoch zu einer musikalischen Reise.

MusikBlog: Auch wenn die zehn Songs musikalisch breit gefächert sind, zieht sich textlich ein roter Faden durch das Album.

Sam Genders: In den Texten geht es häufig um zwischenmenschliche Beziehungen und die Herausforderungen, aber eben auch das Glück, das diese bescheren können. Wir haben uns vor der Zeit in Island recht lange nicht gesehen und haben deswegen viel Zeit damit verbracht, über die letzten Jahre zu reden. Das waren viele großartige Erinnerungen, aber eben auch viele weniger schöne. Diese Gespräche hatten natürlich Auswirkungen auf die Texte des Albums. Obwohl es häufig um die Probleme und Schwierigkeiten des Alltags geht, ist es ein ziemlich fröhliches Album geworden. Aber das ist ja womöglich auch die wichtigste Lektion des Lebens, dass man das Leben trotz aller Rückschläge und Probleme feiern und die guten Momente genießen sollte.

MusikBlog: Die Arrangements und der Aufbau von Songs wie beispielsweise „Punch Drunk Sober“ sind tatsächlich sehr ungewöhnlich. Sind diese freieren Strukturen entstanden, weil ihr eben nicht für eine Band oder ein Projekt geschrieben habt?

Mike Lindsay: Die ganzen Sessions waren zu Beginn sehr unstrukturiert – im positiven Sinne. Niemand wusste, dass wir aufnehmen, niemand hatte uns gebeten, etwas aufzunehmen. Wir wussten es nicht mal selbst so ganz genau. Deshalb haben wir einfach Sachen geschrieben und ausprobiert, die wir spannend fanden. Wir haben diese Musik nur für uns gemacht. In meinem Kopf war die Struktur von „Punch Drunk Sober“ auch immer sehr klar. Jetzt erzählen mir Menschen, dass der Song sie überrascht hat. Für sie ist er seltsam, für mich ist er Pop. Andere fragen, warum wir aus dem Ende von „High Pressure“ nicht den großen Northern-Soul-Hit gemacht haben, der darin steckt. Weil wir eben der Meinung sind, dass die Reise dorthin, die der Song unternimmt, diesen Schluss erst so aufregend macht.

Sam Genders: Der Song wäre auch viel zu eindeutig, wenn er sich nicht erst entwickeln würde. Würde er durchgängig so klingen wie der letzte Teil, könnte man schnell das Interesse verlieren. Andererseits hätten wir so vielleicht wirklich einen Hit geschrieben und würden damit Kohle verdienen. (lacht)

MusikBlog: Ihr habt ja beschrieben, wie leicht euch das gemeinsame Schreiben gefallen ist. Wie lange habt ihr denn an „Throws“ gearbeitet?

Mike Lindsay: Die erste Session in Island hat ungefähr einen Monat gedauert. Wobei wir natürlich nicht durchgängig gearbeitet haben, sondern dazwischen auch immer wieder einfach nur zusammengesessen haben, um zu reden, oder die Landschaft bewundert haben.

MusikBlog: Im Vergleich zu Tunng hört man bei Throws viel weniger Folk-Einflüsse. Wolltet ihr euch damit zumindest unterbewusst von eurer anderen Band abgrenzen?

Mike Lindsay: Ich glaube schon. Bewusst haben wir uns zwar keine Grenzen gesetzt oder Vorgaben gemacht, aber dennoch spielte dieser Gedanke eine Rolle. Ich glaube sogar, dass wir beide erwartet hatten, dass sich das Material noch stärker abheben würde und eine düstere, elektronische Richtung einschlagen würde. Stattdessen gibt es nun ja doch noch den einen oder anderen Folk-Moment. Wir wussten, dass wir kein weiteres Tunng-Album machen wollten, aber ansonsten gab es keine Grenzen.

MusikBlog: Zumindest beim Namen seid ihr euch aber treu geblieben. Wieder ein einsilbiges Wort, wieder ein „T“ am Anfang. Soll das auch als augenzwinkernder Verweis auf Tunng verstanden werden?

Sam Genders: Wir stehen wohl auf diese kurzen Worte, die mit „T“ beginnen. Wir haben uns den Namen allerdings gar nicht selbst ausgedacht, er wurde uns vorgeschlagen und blieb irgendwie hängen. Das Wort bietet außerdem viel Raum für Interpretationen, das macht es als Bandnamen spannend. Natürlich gibt es gewisse Parallelen zu einer anderen Band, in der wir beide mal gespielt haben. Aber das ist eher Zufall als ein bewusster Verweis.

MusikBlog: Auf „Throws“ erklingen häufig düstere Synthieklänge, die man auch aus der isländischen Popmusik kennt. Haben euch das Land und seine Musik dazu inspiriert?

Mike Lindsay: Ich lebe ja nun schon eine ganze Weile in Reykjavik und bin mit vielen Musikern dort befreundet. Diese Szene und ihre musikalische Qualität waren eine riesengroße Inspiration für mich. Insofern freue ich mich, wenn das nun ein wenig auf unser Album abgefärbt hat und Hörer das erkennen. Es ist aber erneut kein bewusster Vorgang gewesen, sondern diese Klänge haben sich ganz natürlich eingefügt.

MusikBlog: Für ein Land mit solch geringer Population hat Island überhaupt eine enorm einflussreiche und große popmusikalische Szene.

Mike Lindsay: Ja, ich weiß auch nicht so genau, womit das zusammenhängt. Viele Leute glauben, dass die Menschen hier sich eher Künsten widmen, weil es häufig dunkel und kalt ist. Oder dass die Landschaft inspirierend wirkt. Aber eine definitive Erklärung gibt es wohl nicht.

MusikBlog: Du erwähntest gerade die Landschaft als Inspiration. Euer Studio befindet sich im Industriehafen mit Blick auf das Meer. Das hat sicher auch die Atmosphäre des Albums beeinflusst.

Sam Genders: Auf jeden Fall. Für mich war der gesamte Trip sehr aufregend und inspirierend, weil ich noch nie zuvor dort gewesen bin. Schon die Busfahrt vom Flughafen nach Reykjavik fühlte sich an wie die Expedition auf einem fremden Planeten mit der beeindruckenden Vulkanlandschaft. Auch die Menschen hier sind sehr freundlich und offen. Es fühlt sich gar nicht kitschig oder übertrieben an, wenn man Island als magischen Ort beschreibt.

Mike Lindsay: Unser Studio liegt im Industriegebiet, das war ein sehr schöner Kontrast zu den Bergen und dem Meer. Gleichzeitig waren ein gemütliches Café oder eine gesellige Bar nur einen kurzen Fußmarsch entfernt, sodass man sich immer wieder für ein Bier oder eine Unterhaltung unter Leute begeben konnte.

MusikBlog: Ihr habt ja auch den Opener „The Harbour“ nach dem Hafen benannt, in dem ihr davon singt, dass man sich selbst treu bleiben soll. Ist der Skifahrer aus dem Video, der offensichtlich das Auf-dem-Kopf-Fahren erfunden hat, ein Beispiel dafür, dass man seine eigenen Ideen verfolgen soll?

Sam Genders: Wir dachten zumindest, dass man ihn und seinen seltsamen Stil so lesen kann. Und es macht natürlich einfach Freude, ihm dabei zuzusehen, weil es so herrlich bescheuert ist.

Mike Lindsay: Ist er nicht ein verdammtes Genie mit seinem Ski auf dem Kopf? Es sieht so fantastisch aus! Ich wäre auch gerne der Auf-dem-Kopf-Skifahrer. (lacht) Dass es in gewisser Weise auch zu den Lyrics des Songs passt, macht es noch besser. Aber vor allem haben wir das Bildmaterial ausgewählt, weil es so eine seltsame und brüllend komische Entdeckung war und die Bilder gut zur Musik passten.

MusikBlog: Kennt ihr denn die Hintergründe zu diesen skurrilen Aufnahmen?

Mike Lindsay: Nein, leider nicht. Wir haben versucht, genauere Informationen zu finden, wer dieser Mann ist und warum er diese Ski-Art erfunden hat, aber leider erfolglos. Vielleicht sollten wir auf Pilgerreise gehen, um diesen Mann zu finden.

Sam Genders: Oh ja, das wäre fantastisch!

Mike Lindsay: Und um das nächste Album dann in seinem Haus aufzunehmen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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