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Tegan And Sara – Love You To Death

Neil Young hat sie entdeckt und unter Vertrag genommen, das US-Fernsehen hat sich auf ihre Songs gestürzt und die Queer-Community schätzt sie für ihren offenen Umgang mit ihrer Homosexualität: Tegan And Sara.

Die beiden eineiigen Zwillinge aus Kanada, wegen denen auch Menschen, die ansonsten mit dieser besonderen Geschwisterkonstellation keinerlei Berührungspunkte haben, nachvollziehen können – oder zumindest bereitwillig zu verstehen versuchen – dass es so etwas wie Telepathie unter ihnen geben mag, gehören zu den Stars jenseits der roten Teppiche und Castingshow-Juror-Stühlen.

Tegan Rain Quin und Sara Kiersten Quin sind vielmehr für ihr aufrichtiges und zum Teil sehr intimes Storytelling bekannt, für ihren kongruenten, oft spiegelverkehrten Look und dafür, dass sie mit „The Con“ zeitweise auch musikalisch das beste Geschwisterpaar des Indiepop abgaben.

Auf ihrem achten Studioalbum schildern Tegan And Sara noch immer unverhohlen ihr Leben auf äußerst persönliche Weise. „Love You To Death“ lässt dabei sogar tiefer blicken, als alles, was die beiden zuvor veröffentlichten.

Ein bestimmendes Thema bleibt die gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung. Sara erzählt in „Boyfriend“ von ihrer jetzigen Freundin, die zuvor mit einem Mann zusammen war und keinerlei romantische Erfahrungen mit Frauen hatte. „You turn me on like I’m your boyfriend, but I don’t wanna be your secret anymore“, heißt es darin.

Etwas nüchterner, aber dafür ungeschönt, geht es mit Sätzen wie „All the girls I loved before told me they signed up for more“ in „B/W/U“ zur Sache. Die bittersüßen Konsequenzen daraus gibt es in “100x”: “You were someone I loved, then you were no one at all.”

Musikalisch gehen Tegan And Sara den Weg vom Vorgängeralbum „Heartthrob“ konsequent weiter. Schillernde Synthesizer und Drummachines sind bevorzugtes Ausdrucksmittel, Vergleiche zu Chvrches drängen sich mal mehr, mal weniger vorteilhaft auf.

Während „Stop Desire“ einen gelungenen Feelgood-Hit mit ordentlich Hummeln im Arsch abwirft, ist „Whit Knuckles“ das verunglückte Kitschprogramm aus der Seifenoper deiner Wahl. Von den Indie-Hoffnungsträgern in der Tradition der Riot Girrrl Bewegung ist klanglich nichts mehr übrig geblieben. Der Glitzerpop in zweiter Auflage wird endgültig so manchen Fan der frühen Stunden vergraulen.

Das blinde Verständnis, die Einheit und vielleicht sogar Telepathie zwischen den beiden, lassen sich auf „Love You To Death“ noch immer nachfühlen. Wem das aber zu wenig ist, der tippelt vielleicht doch besser noch einmal zu „Back In Your Head“ durch die Studenten-WG und wundert sich darüber, wie furchtbar einfach Klavierspielen 2007 noch war.

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