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Poliça – Live beim Zeltival in Karlsruhe

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Polica sind anders. Selbst im Rahmen des Zeltivals, das mit seinem geschmacksicheren Alternative-Programm jedes Jahr noch ein bisschen attraktiver wird und das Booking des Open Airs „Das Fest“, das zeitgleich in Karlsruhe stattfindet, mit links in den Schatten stellt.

Keine Gitarren, dafür mit Drew Christopherson und Ben Ivascu zwei Schlagzeuger, die zusammen so reibungslos funktionieren wie ein retrofuturistisches Uhrwerk, und zu deren Show die nächste Generation Schlagzeugschüler gezwungen werden sollte, noch bevor sie Lars Ulrich buchstabieren können. Die Synchronschwimmer zimmern ihre Beats so stilsicher auf den Punkt, dass Samplesoftware und Automations-Plugins kapitulieren müssen.

Dann wäre da Chirs Bierden, dem heute Abend gleich zwei seiner Bass-Saiten reißen – selbst für ihn ein Novum, wie er zugibt. Und doch nicht sonderlich verwunderlich bei seinem druckvollen, vielseitig versierten Spiel, das ganz ohne Slaptechnik auskommt.

Und dann ist da Sängerin Channy Leaneagh, die ihrer exponierten Stimme mit dem in Verruf geratenen Autotune-Plugin feine Effektnuancen dazu schenkt, statt ihr den Plastiksack über zu stülpen. Mit einer Hand am Mikrofon, einer an den Knöpfen der Equalizer, ist sie Blickfang und Sounddompteurin in einem.

Die leicht schüchtern wirkenden Ansagen und ihre Entschuldigung, trotz deutscher Eltern, kaum etwas von unserer Sprache zu verstehen, machen sie nur noch sympathischer. Sobald sie singt und in ihren Songs aufgeht, ist sie indes das Gegenteil von schüchtern. Unter ihrer Riege strahlen die älteren Stücke des Debütalbums, allen voran „Amongster“ und „Dark Star“, genauso hell, wie die der großartigen aktuellen Platte „United Crusher“.

Das durchaus als Singlehit zu bezeichnende „Lime Habbit“ kommt ob der Fülle an guten Songs sogar schon an zweiter Stelle des Sets. Dass dieses Stück seinen Weg in das ein oder andere Radioprogramm gefunden hat, spricht nicht etwa dafür, dass Polica ihre Ideale zu Gunsten einen größeren Hörerschaft verwässert hätten, sondern dass es durchaus noch Radioredakteure gibt, die wissen, wie gute Playlisten klingen sollten.

Der besoffenste Synthesizer der Welt, ist eben auch nach tausendmaligem Hören noch immer ein Phallussymbol für die um die Ecke gedachte Elektro-Pop-Avantgarde der Band, die live nochmals doppelt so gut klingt als ohnehin schon.

Als Zugabe gibt es „Vega“ von der 2013er Platt „Shulamith“. Und allerspätestens hier ist klar: Wenn die beiden Drummer das Doppelherz der Band sind und Chris Bierden am Bass die pumpende Halsschlagader, dann ist Channy Leaneagh die Seele. Ihr graziler Körper in zerrissenen Leggins, dazu die eloquenten Tanzbewegungen bei schummriger Beleuchtung – das hat mehr Sex-Appeal als alle Push-Up-Accounts der Instagram-Generation zusammen genommen.

Justin Vernon soll Polica angeblich als die beste Band bezeichnet haben, die er je gehört habe. Man darf nach diesem Auftritt davon ausgehen, dass er das durchaus sehr ernst gemeint hat. Für alle, die es verpasst haben, im Oktober und November kommen Poliça nochmal für fünf Konzerte in alle deutschen Großstädte.

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