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L.A. Salami (Credit Diane Sagnier)

L.A. Salami – Dancing With Bad Grammar: The Directors Cut

L.A. Salami ist nur auf den ersten Blick ein absurd bescheuerter Künstlername. Das britische Songschreibetalent lässt sich auch als Lookman Adekunle Salami in den Suchmaschinen aufstöbern, was den ersten Eindruck zwar nicht entschuldigt, ihn aber plausibel erklärt.

Dafür entschuldigt in vollem Umfang „Dancing With Bad Grammar“ mit seinem cineastischen Zusatz „The Directors Cut“. Ein perlendes, beinahe klassisches Folk und Blues Album, das mit seinen Klageschriften unbedingt in die Gegenwart gehört.

Nach zwei EPs („The Prelude“ und „Another Shade Of Blue), beide immerhin mit 9 Songs bestückt, einer Reihe von Auftritten in Modehäusern und einer gemeinsamen Tour mit den Spaltern AnnenMayKantereit, denen L.A. Salami auf Style-Ebene mal eben mit Links den Rang abläuft, ist der Brite bei seinem Debütalbum und damit beim eigenen Schaulaufen angelangt.

Alles ist erlaubt, wenn es so arschcool daher schwadroniert, wie der Opener „Going Mad As The Street Bins“: Obskure Synthies schmecken im Hintergrund die leichtfüßig groovende Akustiknummer ab, bevor krachende Bluesgitarren klarstellen, dass die Singer/Songwriter-Schiene hier stets elegant aufgebrochen und an den Ecken ordentlich ausgebeult wird.

Thematisch schießt sich Salami auf die Urbanität ein. Statt jedoch die Heimatstadt der Wahl – in seinem Fall London – zu glorifizieren, wie es im Pop und Hip-Hop zum ungeschriebenen Regelwerk zählt, mahnt, schimpft und klagt Salami über die Oberflächlichkeit, Gleichmachung und den Stumpfsinn in den Großstädten.

Das bissigste Beispiel hierfür ist „The City Nowadays“, das angenehm an den bluesigen Hip-Hop von The Streets erinnert: „Fastfood films, fastfood music, fastfood politics, fastfood ideology/ What’s the worth of working to live at the cost of your soul?“.

Ein weiteres ist das soulig angepisste „I Wear This Because Life Is War!“ aus der Sicht eines Obdachlosen.

Ganz andere Atmosphären kreieren die beiden Achtminüter „Loosley On My Mind“ und „My Thoughts, They Too Will Tire“, die als postmoderne Adaptionen des Sounds eines Bob Dylan oder einer Joni Mitchell funktionieren.

„Dancing With Bad Grammar: The Director’s Cut“ bedeutet insgesamt 15 mal Staunen, mit welch frischem Wind man zwei der traditionellsten Popmusikgenres entstauben kann, ohne an irgendeiner Stelle reine Retrospektive zu sein.

Das wichtigste an diesem Debüt aber ist die Rückversicherung, dass es sehr wohl gelingen kann, gefühlvolle Musik mit gesellschaftlich relevanten Themen zu verbinden. Es muss zum Glück nicht immer das Innenleben des Urhebers ein.

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