Abgeschiedenheit von Kopenhagen: Anders Trentemøller hat für “Fixion” die Einsamkeit dem belebt urbanen Raum seiner Heimatstadt vorgezogen. An einem eher verlassenen Strand sollen die Aufnahmen seines vierten Studioalbums entstanden sein.

Umso konzentrierter ist das Resultat ausgefallen: Ein Konglomerat aus Post-Punk, New Wave und technoiden Strukturen. Das beweist primär, dass Trentemøllers House-Phasen endgültig Vergangenheit sind, allenfalls Rudiment auf diversen Stücken.

Hier wird dem Sound der Achtziger Respekt gezollt. Und der ist natürlich mannigfaltig: “Redefine” huldigt mit seiner tiefen Bassgitarre der goldenen Zeit, als Peter Hook noch bei New Order gespielt hat, “Spinning” ist mäandernder New Wave mit pechschwarzem Anstrich, “River In Me” erinnert nicht selten an den Synthiepop von Depeche Mode und Tubeway Army.

Diese Passion für die Vergangenheit ist gar nicht so neu: 2009 präsentierte der dänische Produzent die erste Auflage der Reihe “Harbour Boat Trips”, die bereits einen gitarrenfokussierten und extrem dicht geratenen Mix enthielt, für den er tief in die Post-Punk- und Shoegazekisten gegriffen haben wird: Suicide-Nummern glitten hier kaum merklich in Joy Division-Cover über.

Das hat Trentemøller auf seinem letzten Album lediglich angedeutet, dessen Arrangements noch eine deutliche Spur verwinkelter geraten sind. “Fixion” ist Trentemøllers ambitionierte Hommage an den New Wave.

Die hypnotische Note ist dennoch geblieben, verschlungene Experimente mit Kraut (“My Conviction”) sowie solide Bauhaus-Referenzen (“Spinning”) muss man ebenfalls nicht missen.

Dass das Album jedoch eine Spur geradliniger geraten ist und melodische Song-Modi wagt, ist vor allem Marie Fisker geschuldet, mit der der DJ schon häufiger zusammengearbeitet hat. Mit ihrer einnehmenden Stimme verleiht sie auch dem anfangs düster dreinblickenden Opener einen nahezu erhabenen Touch, während der letzte Track sich hingegen im Shoegaze-Nebel verliert.

Doch was ist  hier nun eigentlich das Verdienst des elektronischen Künstlers? Die Antwort liegt im Detail: Nur wenig Produzenten sind in der Lage, in Band-Kosmen zu denken und so subtil wie feinfühlig Gitarrenwände mit elektronischen Format zu konturieren.

“Fixion” ist eindeutig das bisher reifste Werk in Trentemølles Diskographie. Der melancholische Grad der Lyrics liegt so hoch, dass die Legende um den einsamen Strand wohl nicht nur reine PR-Floskel ist. Aber irgendwo muss in diesem verlassenen Kaff bestimmt eine Gothic-Disco gewesen sein. Jede Wette.

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