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Klez.e – Desintegration

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Wenn Klez.e sieben Jahre nach „Vom Feuer Der Gaben“ ihr neues Werk „Desintegration“ nennen und auch das Cover Artwork schwer an The Cure erinnert, drängt sich der Bezug zu deren Schwergewicht „Disintegration“ zwangsläufig auf.

So wie der Spiderman Robert Smith im Video zu „Lullaby“ im Sommer 1989 in sich einsog, tat dies in jenen Tagen die Geschichte mit dem Land, in dem Sänger Tobias Siebert aufwuchs. Hinter dessen antifaschistischen Schutzwall träumte er sich damals, wie der Opener „Mauern“ besingt, in den Westteil Berlins, um nun nach fast drei Jahrzehnten Beitritt weder dort, noch im Rest des Landes angekommen zu sein. „Schlecht integriert“ – ein allgegenwärtiger Begriff dieser Tage.

Politik und Gesellschaftskritik waren bisher für Klez.e kein Thema. Damit ist 2017 Schluss. Mit „Gebt mir meine Dosis“ beginnt „Lobbyist“ und damit im Wortlaut, mit denen Blumfeld in „Dosis“ auf ihrer „Ich-Maschine“ zu Beginn der Neunziger die gesellschaftlichen Zustände analysierten. So wie Jochen Distelmeyers Endomorphinproduktion damals den Dienst versagte, verlangt Siebert auf dieser Platte nach Antidepressiva – nichts hat sich seitdem in Sachen Menschenverachtung im System geändert.

Wo man sich früher verspielt gab, geht es nun auch musikalisch geradeaus. Die weltentrückten Fragmentierungen, mit denen man die Spielwiese von sphärisch verdichteten Post-Punk beackerte, sind schnörkellos, dunkler und weitestgehend von unnötigem Ballast befreit worden. Die Arrangements huldigen durchaus den Co-Namensgebern der Platte: eine sehnsüchtige Gitarre, wohlig bekannte Bassläufe, dezente Keyboardpassagen und donnernde Drums machen die Stücke zur Zeitreise in die Achtziger.

Mit neuer Offenheit finden Klez.e zu einer berührend bebilderten Sprache, die anklagt – ohne jeden Verdacht des Selbstmitleids. Man begibt sich auf „Nachtfahrt“ zur Bestandsaufnahme durch ein Land, in dem nicht nur im „November“ eine „neue Distanz“ regiert, und sieht „Schwarz“ angesichts eines „Drohnen“-kriegs, an dessen Ende, wenn überhaupt, nur noch Platz für ein „Requiem“ bleibt.

„Es ist zu spät“ stellt Klez.e fest. Hoffen wir, dass er damit nicht recht behält.

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