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Leif Vollebekk (Credit Joseph Yarmush)

Leif Vollebekk – Twin Solitude – Wattebällchen

Leif Vollebekk hat ein Album aufgenommen, das leise und soulig beginnt, und noch leiser und folkig endet. „Twin Solitude“ ist ein einziges langes Ausatmen, eine Bö der Erleichterung, und als solche richtig klasse.

Eigentlich kommt Vollebekk aus Montreal, er singt zu Piano und Percussions aber von der „Vancouver Time“. Schwer zu sagen, ob er deshalb mit „East Of Eden“ zwischen E-Gitarren Picking uns Europäer meint (das Paradies liegt ja ganz sicher irgendwo in Kanada), oder sich selbst und Montreal an der Ostküste.

Dass er eine gewisse Heimatverbundenheit spürt, zu Nordamerika im Allgemeinen und Kanada im Speziellen, war schon an Albentiteln der beiden Vorgänger zu erkennen. „Inland“ und  „North Americana“ stand da drauf und betulicher Contry-Folk war drin.

Doch erst mit dieser dritten Platte liese sich das schattige Plätzchen im Garten Eden vervollkommnen. Puristische Songs, die als Wattebällchen durch einen Trichter in den Feierabend fallen. Piano und Percussion nehmen sukzessive ab, die Rhythmen entschleunigen sich nach und nach und aus gezupften Arpeggio werden genügsame Sustain-Akkorde.

Es öffnen sich solch grazile Americana-Balladen wie „Michigan“, worin Vollebekk beteuert, noch nie in besagtem US-Bundestaat gewesen sein. Er dürfte aber ganz sicher das gleichnamige Album von Sufjan Stevens zu Hause haben. Wer sich nach einer Fortsetzung zu Lou Reeds „Walk On The Wildside“ sehnt, wird mit „Telluride“ eingeladen, selbstvergessen über Highlands zu schweben.

Zu guter Letzt wiegt die traurig-schöne Serenade „Rest“ in den wohlverdienten Schlaf. In achteinhalb Minuten singt Vollebekk zu minutiös austarierten Bläsern Sätze wie: „For years I’ve been working“.

„Twin Solitude“ ist seine und unsere Entlohnung dafür und – frei nach Schriftsteller Berthold Auerbach – „Musik, die die Seel vom Staub des Alltags reinwäscht.“

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