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Man sollte das nicht überbewerten – Bilderbuch im Interview

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Maurice Ernst gehört zu den schillerndsten Figuren innerhalb der sich seit Jahren immer weiter aufplusternden Ösi-Pop-Branche. Der Bilderbuch-Sänger sorgt nicht nur mit seinen Texten und seinem charmanten Alpen-Akzent für Aufsehen, sondern auch mit seiner ausgeprägten Leidenschaft für außergewöhnliche Mode. Wo immer der Frontmann auftaucht hinterlässt er große Augen. So auch während unseres Interviewtermins im Zuge der Promotion für das neue Bilderbuch-Album „Magic Life“  in Berlin. Trotz klirrender Kälte begrüßt uns der sympathische Sänger im luftdurchlässigen Rollkragenpulli und mit einer grün-weiß karierten Bundfaltenhose um die Hüften.

MusikBlog: Maurice, cooles Outfit.

Maurice Ernst: Oh, Danke. Ich greife morgens einfach zu. Und dann kommt halt manchmal so etwas dabei raus. (lacht)

MusikBlog: War das schon immer so?

Maurice Ernst: Ja, ich habe mich schon immer alleine angezogen.

MusikBlog: Scherzkeks. Ich meinte natürlich…

Maurice Ernst: Schon klar. (lacht) Ich denke, dass gewisse Tendenzen dahingehend schon vor meiner Bilderbuch-Zeit zu erkennen waren. Das Ganze hat sich mit der Band im Rücken dann natürlich noch weiter gefestigt.

MusikBlog: Du stehst also mittlerweile morgens als Bilderbuch-Maurice auf und gehst abends mit demselben Gefühl wieder ins Bett?

Maurice Ernst: Definitiv. Der Maurice Ernst auf der Bühne unterscheidet sich nur geringfügig von dem, den man hin und wieder mal auf der Straße trifft.

MusikBlog: Klingt nach dem perfekten „Magic Life“.

Maurice Ernst: Absolut. Allerdings geht es beim Titel unseres neuen Albums weniger um uns, als vielmehr um das große Ganze um uns herum. Wir leben alle seit Jahren in einer illusorischen Schnittstelle. Auf der einen Seite digitalisiert sich alles. Jeder Traum scheint virtuell greifbar nah zu sein. Dann ist da aber auch noch die Realität, die sich bisweilen mit Händen und Füßen gegen das Ausbreiten einer konkurrierenden Scheinwelt wehrt. Das ist eine unheimlich spannende Entwicklung. Wir als Band leben mittendrin in diesem Mischmasch aus Traum und Wirklichkeit.

MusikBlog: Fällt es euch da manchmal schwer, zu unterscheiden?

Maurice Ernst: Für uns sind beide Welten echt. Das fühlt man natürlich nur, wenn man sich auch selbst als echt und authentisch wahrnimmt. Sicher, mit unserer Musik, unserem Auftreten und unseren Videoclips erinnern wir schon stark an ein vermeintlich konzeptionell gefertigtes Kunstprodukt. Aber wer uns kennt, der weiß, dass wir dieses Produkt auch leben. Wir treffen uns nicht im Proberaum, rocken ein paar Songs runter und fahren dann mit dem Ergebnis mal eben so im Nine-to-five-Job-Modus ins Studio um das Geschaffene für die Nachwelt festzuhalten. Jeder von uns lebt die Band. Wir machen uns viele Gedanken darüber, was wir den Leuten da draußen mitteilen möchten. Da geht es um die Musik, genauso wie um das bunte Drumherum.

MusikBlog: Die Musik kommt dieser Tage auffallend poppig um die Ecke. Ein bewusster Schachzug?

Maurice Ernst: Der Sound ist zweitrangig. Wichtig ist, dass das Album in sich stimmig ist. Und das ist es. So eine Produktion ist etwas ganz Gewaltiges. Jedes Album markiert eine besondere Phase im Leben. Da ist dann der Sound am Ende nur eine Schraube von vielen die sitzen muss. Für mich ist „Magic Life“ das bis dato ehrlichste Bilderbuch-Album. Und dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Texte. Es ist eher die Art und Weise wie wir diesmal an den Songs gearbeitet haben. Da haben wir ganz neue Territorien erschlossen.

MusikBlog: Inwiefern?

Maurice Ernst: Nun, es gibt einige Paradebeispiele auf dem Album. Wenn man sich den Song „Sweetlove“ anhört, stellt man fest, dass hier vermeintlich fundamentale Zusätze einfach nicht vorhanden sind. Der Song kommt völlig ohne Schlagzeug und Bass aus. Das gab es bei uns noch nie. Wir haben elf Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. (lacht) Und dann geht man es einfach an und es funktioniert. Das fühlt sich einfach großartig an.

Wir haben auch in anderen Bereichen neue Dinge ausprobiert. So haben wir beispielsweise viele digitale Jams unbearbeitet mit ins Boot genommen. Wenn man dann als Band so nah an der Produktion dran ist, und man sich alles mit ein paar Wochen Abstand anhört, dann hagelt es förmlich Flashbacks. Man hört einen Part und ist sofort wieder in dem Moment gefangen, in dem der Part entstanden ist. Da bekomme ich schon beim Erzählen Gänsehaut. Das sind alles Dinge, die das neue Album für mich zu etwas Besonderem machen.

MusikBlog: Da kann man sich, euphorisiert bis zum Anschlag, auch schon mal in einem Videoclip nackig machen und an der Pole-Dance-Stange kleben, oder?

Maurice Ernst: Auf jeden Fall. (lacht) Man sollte das alles aber auch nicht überbewerten. Ich bin jetzt nicht der Typ, der um jeden Preis auffallen und anecken will. Das muss natürlich auch immer alles ins Konzept passen. Und im Fall vom „Bungalow„-Videoclip hat es halt super gepasst.

MusikBlog: Gibt es innerhalb des Bilderbuch-Universums eigentlich irgendetwas, das noch nicht so richtig passt?

Maurice Ernst: Alles ist ausbaufähig. Es ist noch überall Luft nach oben. Aber wir sind dran. Wir sind heiß auf Neues. Da sind wir wirklich sehr offen und empfänglich. Das alles ist wie eine große Reise, bei der niemand so richtig weiß, wohin es noch gehen wird. Das macht es jeden Tag wieder aufs Neue aufregend.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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