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Candelilla – Live im Golem, Hamburg

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Ohrenbetäubender Noise, wissenschaftlich akkurat in Szene gesetzt.

Das Golem in Hamburg, der „Ort des gepflegten Besäufnisses und des ernsthaften Gesprächs“ – übersetzt: ein Zentrum alternativ-intellektueller Dekadenz. Kein Bier aus Plastikbechern, sorgfältig zubereitete Cocktails, schwarze Tischchen und eine große Bücherwand.

Ein alter Teppich in der Ecke definiert die Bühne, vollgestellt mit Instrumenten. Grüppchen verteilt über den Raum, vertieft in ernsthafte Gespräche.

Die vier Münchnerinnen von Candelilla beginnen mit dem Rücken zum Publikum, das sich gesittet um den Teppich sortiert hat. Ab der ersten Sekunde trifft das trockene Schlagzeug den Bauch voll auf den Punkt, der Sound allgemein dumpf.

Straight zeigt der erste Track, dass es nach vorne geht. Der Sprechgesang von „Hand“ weist den Weg, der sich bei „Trocken und Staubig“ manifestiert – gewaltiger und emotionaler als auf der Platte, ohne die Nüchternheit zu verlieren.

Primär Tracks von der neuen Scheibe „Camping“ unterbrochen von älteren Stücken für mehr Aggressivität. Das Publikum wird warm, das bedeutet, zwischen den Stücken wird brav applaudiert wie in der Elphi. Alle nicken zustimmend im Takt wie bei der Beobachtung eines komplexen Kunstwerks im Museum.

Das ist es auch: Kunstwerk, komplex, hoch emotionsfrei emotional. Es gibt keine Leaderin, in der Abwechslung der Rollen ist Candelilla ein eingeschworenes Kollektiv. Die vielen gemeinsamen Jahre machen sich bewährt.

Lina Seybold, Mira Mann und Rita Argauer wechseln sich am Micro ab, jeweils mit eigenen Texten. Gesang, Sprechgesang, Schreien – heterogen homogener Fluss. Sandra Hilpold am Schlagzeug treibt alles fast schon schmerzhaft auf den Punkt. Akkurat wie ein Computer, die Dirigentin im Hintergrund. Die Drumsticks, auch während den Stücken eingesetzt, bilden das Rückgrat der Choreographie.

Nicht nur die Gitarre kann abwechselnd Melodie und Kreischen, das kann das Keyboard auch. Der Anteil an Noise steigt. „Es ist ruhig draußen“, ja draußen vielleicht. Hier drinnen klingt der Refrain ironisch, der tiefe Druck ist immens.

Es wird abstrakter, Schlagen auf den Hals vom Bass erzeugt Untergrundwummern. Die Instrumente reichen nicht mehr, Klinke auf Hand hebt den Abstraktionsgrad. Das Publikum geht förmlich ab, einer tanzt sogar schon fast. Geklatscht wird immer noch gesittet, aber lauter.

Lina Seybold grinst süffisant über den Dingen stehend, wenn sie nicht gerade das Publikum fixiert. Das letzte Stück vor der Zugabe beenden die Damen mit hängenden Köpfen, simulierte Erschöpfung.

Aber keine Spur davon, die Zugabe beginnt mit wahrem Gewitter. Klinkenstecker können nicht nur auf Haut Geräusche. Rhythmisch minimalistisch, hypnotischer Refrain, darunter dramatisches Klavier.

Das namensgebende Stück der vorherigen Platte ist die akustische und emotionale Klimax. Lina’s Blicke fixieren das Publikum nicht mehr, sie durchbohren. Trotz aller Intensität keine in sich vertiefte Jam Session. Dissonanter Sound als akustisches Handwerk auf die Spitze getrieben.

Ohrenbetäubender Noise, wissenschaftlich akkurat, widersprüchlich in Szene gesetzt. Eine der außergewöhnlichsten Neuerscheinungen des Jahres live beeindruckend umgesetzt.

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